Als Govert Derix zum ersten Mal Ayahuasca mit seinem brasilianischen Schwager trinkt, erlebt er eine Welt, die sein Leben prägen sollte. Der bis dahin enttäuschte Philosoph, der sich damit abgefunden hatte, dass sein in der Jugend so leidenschaftlich geliebtes Fach in Wirklichkeit eine spröde "Schlangengrube" ist, erlebt durch den schamanistischen Trunk aus dem Amazonas eine neue Dimension der Welt- und Selbstwahrnehmung.
Die neuen Möglichkeiten dieser Ebene scheinen enorm zu sein. Derix versucht das Phänomen Ayahuasca philosophisch zu ergründen, erzählt viel autobiographisches und versucht dem Leser die Geheimnisse der "Liane des Todes" anhand von vielen Interviews anschaulich zu machen. Dabei basiert er seine Forschungen vor allem auf die brasilianische Ayahuasca-Kirche UDV (Uniâo do Vegetal), die als besonders strukturiert gilt. Er nimmt die bewusstseinserweiternde Wirkung des Tees um Exkursionen außerhalb der Insel des Verstandes zu unternehmen und lernt dabei das Potenzial der strukturgebende Elemente der Chamadas (Gesänge) und Rituale der UDV kennen. Dieser Rahmen bildet eine "Navigationskarte" für die Ausflüge in die "andere" Welt, die manchmal existentiell heftig sein können.
Weitere im Buch behandelte Potenziale des Tees sind die Möglichkeiten der Selbsterkenntnis, der Therapie von Drogenabhängigen und der lebensstabilisierende Effekt, vor allem für Menschen, die bis dahin "wild" und ziellos lebten.
Daraus entsteht ein interessantes und vielfältiges Buch, das zwar nicht alle Fragen beantwortet, die es aufwirft (was übrigens auch nicht die Absicht des Autors ist), das aber für Interessierte viele Denkanstöße und Tipps gibt.
Abgerundet wird das Buch durch ein riesiges Literaturverzeichnis zum Thema Ayahuasca.
Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass Derix etwas mehr über die Grenzen der UDV hinausginge und zum Beispiel mehr über die faszinierende Welt des indianisch-schamanistischen Gebrauchs des Tees berichtete. Auch die andere große Ayahuasca Kirche Brasiliens, der Santo Daime, wird nur flüchtig erwähnt, obwohl mindestens zwei Personen im ihren Interviews deren Vorliebe für sie bekundeten. Die dritte Kirche, die Barquinha, wird im Buch überhaupt nicht erwähnt. Stattdessen ist viel die Rede über die Lehre der UDV, ihre Meister und ihre Geschichte. Auch andere, im Zusammenhang mit Ayahuasca verbundene Themen wie Spontanheilungen und Krebstherapie werden nicht behandelt (daher ein Stern weniger).
Besonders aufschlußreich sind die Interviews, u.a. mit den niederländischen Entheogene-Kennern Arno Adelaars und Hans Bogers, die die vielen brasilianischen Berichte abrunden.