Sätze war gestern, Ersätze ist heute: Wenn es der Kritik von nun an genügt, dass ein Autor nicht mehr selbst schreibt, wenn es ausreicht, dass sie - wir sprechen natürlich von Hegemann - sich nur ein mediales Netzwerk ("'connections"') erschleichen muß um erfolgreich zu publizieren, und wenn sie dann einfach fremde Texte zusammenklaubt und diese als eigene, originäre Schöpfung ausgibt, dann ist endlich das Zeitalter der Ersätze gekommen. Was dem authentischen Autor versagt bleibt, die Anerkennung seiner schöpferischen Leistung durch die feuilletonistischen und kulturellen Lizenzträger, fällt der Larve, der geschäftstüchtigen Nachahmerin in den Schoss. Sie, die im Grunde Nichtssagende, und nicht Airen, der von ihr bestohlene Autor, wurde zum Preis der Leipziger Buchmesse 2010 nominiert. Die affirmative Reaktion der Kritiker auf die Entlarvung des Fräulein-Wunders der Literatur lässt auf ein bislang ungeahntes Ausmaß an Skandalfähigkeit schließen. Liest man 'Axolotl Roadkill' und vergisst einmal die unzähligen, aus ''Strobo'' abgekupferten Stellen, dann bleiben nur die Ego-Blähungen einer Achtzehnjährigen übrig, die offenbar unter Schreibunfähigkeit leidet und seit Jahren zu Unrecht vom Feuilleton gehypt wird. Schlimmer noch, das Schuldabweisungsvokabular, das die dickliche Göre benutzt um ihr Plagiat schönzureden: "'Da wird eine jahrhundertealte Debatte auf meinem Rücken ausgetragen', schnodderte sie der taz, am 12.2. gegenüber. '"Wenn WIR so anfangen, können WIR den ganzen Literaturbetrieb gleich dichtmachen."' Sie zählt sich also schon selbstsicher dazu, obwohl sie nichts geleistet hat, nichts geschrieben oder veröffentlicht hat, was ihr eine Berechtigung dazu gäbe. Diese Chuzpe muß man erst einmal haben, doch das macht den Hegemann-Roman leider nicht besser. Das Hauptproblem, Hegemann kann nicht schreiben. Sie ist eine Meisterin der Verwurstung. Spuren einer eigenständigen Leistung? Ja, vielleicht eine: Wenn schon andere einst gehypte und inzwischen vergessene Eintagsfliegen wie Wolfgang Herrndorf oder Tanja Dückers bestenfalls ein Fußgängerdeutsch schrieben, dann promotet Hegemann mit ihrer Abschreibarbeit PIDGIN GERMAN als die Sprache der Zukunft. Dass es nicht ihre eigene Sprache ist -' Hegemann ist bekanntlich das Kind linker Bildungsbürger, sie wurde sozusagen auf der Sonnenseite des Lebens geboren - scheint dabei nicht wichtig zu sein. Auch daß sie Mädchen wie Mifti, die Heldin ihres Romans, persönlich gar nicht kennt, ist nicht von Bedeutung. Die breite Masse hat sich längst so sehr an Ersatz gewöhnt, dass das sie nun auch mit '"Ersätzen" - also Sätzen aus zweiter Hand -' Vorlieb nehmen wird.
Wer das Authentische sucht, das Lebendige, Fetzige, Neue, der lese besser gleich das Original 'Strobo' von Airen, erschienen im SuKultur-Verlag.
Fazit: Die international völlig irrelevante deutsche Literatur hat sich endlich als das entlarvt, was sie ist -' tumbester' Fake. Möge Hegemann den Preis der Buchmesse Leipzig gewinnen, sie hat ihn redlich verdient. Das Hörbuch soll übrigens noch "besser" sein als der Roman!