Produktinformation
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Nüchtern betrachtet muss man es wohl konstatieren: Ja, Hegemann hat abgeschrieben. Nein, es ist nicht okay, wie die Autorin den Diebstahl fremder Kreativität im Nachhinein nicht nur herunterzuspielen, sondern gar als natürliche Copy-and-Paste-Geste einer Generation Google zu stilisieren suchte – auch wenn sich in eben dieser Generation Google das Verhältnis zum Urheberrecht gerade offenbar tatsächlich bedrohlich zu wandeln scheint. Aber Hegemann hat Axolotl Roadkill auch nicht, wie hin und wieder im Feuilleton behauptet, eins zu eins kopiert. Das in der 4. Auflage des Buchs nachgereichte Quellenverzeichnis zeigt, dass ihre Raubzüge durchaus überschaubar sind. Der Rest ist ganz eigen, mitunter originell, manchmal sperrig, oft auf kalkulierte Weise abstoßend, hin und wieder kindisch, aber zumeist doch erfrischend zu lesen.
Nein, Helene Hegemann hat das, was sie schildert, wohl nicht erlebt. Vielleicht war ihre Jugend öde, wie jetzt mancher Kritiker, etwas höhnisch mutmaßt. Egal. Auch Günter Grass musste kein Glas zersingen können, um die Blechtrommel zu schreiben. Und Vladimir Nabokov ist (glücklicherweise) nicht verliebt mit einer Minderjährigen von Motel zu Motel gereist, und trotzdem ist Lolita ein Meisterwerk. Dies nun ist Axolotl Roadkill, leider, nicht. Aber es ist um vieles besser als manches, was sonst so als neue deutsche Literatur auf den Markt schwemmt.
- Thomas Köster
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
311 von 335 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Axo ... dingsbums,
Von Bluesbrother (Gräfelfing) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Axolotl Roadkill (Taschenbuch)
Es gibt einen Markt für ordinäres Geschwafel Jugendlicher und junger Erwachsener, der Autor sollte aber weiblich sein. Wie der Priester im Beichtstuhl möchten da manche Leser wohl etwas erfahren, was sie selbst verpasst haben oder sich nie trauten. In einer Zeit, die aggressiven Sex wie eine Monstranz vor sich her trägt, in der aber der einzelne oft keinen oder nur wenig wirklichen Sex hat, eröffnet sich eine Marktlücke gigantischen Ausmaßes für Geschichten, die so tun, als wüßten sie, wo das wahre Leben stattfindet. Warum allerdings renommierte Zeitungen und Rezensenten ausgerechnet darin neuerdings Kunst und Auflehnung, gar Modernität erkennen wollen, bleibt mir persönlich rätselhaft. Vielleicht schafft es ja sogar der Porno noch aus seiner Schmuddelecke ins Establishment.Für mich ist vor allem schade, dass auch dieses Buch wieder die tieftraurige Wahrheit bestätigt: Erfolg hat vor allem jener, der die Regeln verletzt, so er noch welche findet. Stillere, bessere Geschichten werden abgelehnt oder übersehen, gekauft wird - trotz überwiegend negativer Rezensionen - vor allem der Hype, die Hysterie, der Marketing-Gag. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
442 von 478 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
So geht's nicht,
Rezension bezieht sich auf: Axolotl Roadkill (Taschenbuch)
Ich habe soeben "Axolotl Roadkill" bis zur letzten Seite gelesen, habe es mit der vom Ullstein-Verlag veröffentlichten Quellenangabe verglichen und kann mir jetzt ein Urteil erlauben. Dieses fasse ich wie folgt zusammen: Falls Helene Hegemann das wirklich selbst geschrieben, gesamplet und remixed hat (woran ich aber gewisse Zweifel habe), dann kann sie was. Aber nicht genug. Und so geht's schon gar nicht.Erstens: Wenn ein Roman sich in diesem doch drastischen Maße ungeniert bei anderen Quellen bedient, dann muss der Leser das von vornherein erfahren, und nicht erst, wenn ein Blogger zufällig über ihm bekannte Zeilen stolpert und die Öffentlichkeit damit überrascht. Wenn man ertappt nachschiebt, man folge halt dem "Konzept der Intertextualität", dann ist das eine Ausrede und einfach frech. Hallo-hallo, ist da eigentlich noch jemand zuhause im Oberstübchen? Auf jedem Joghurtbecher zu 19 Cent muss bis ins Kleinste aufgedruckt werden, was drin ist. Warum eigentlich sollte das bei Literatur anders sein? Leser sind auch Konsumenten. Zweitens: "Sie dürfen ruhig abschreiben", hat einer meiner früheren Lehrer immer vor Klassenarbeiten gesagt, "Sie dürfen sich nur nicht erwischen lassen." Er hatte völlig recht. Und zwar deshalb: Wenn jemand schreiben kann, dann kann er auch umschreiben. Natürlich darf sich ein Autor bei anderen Quellen bedienen. Aber ein halbwegs guter Schreiber hätte ohne große Mühe die inkriminierten Stellen in Axolotl Roadkill so verändern können, dass kein Mensch auf die Idee gekommen wäre, dass es sich um Anleihen aus anderen Texten handelt - womöglich nicht einmal die Originalautoren selbst. Warum hat Hegemann das nicht getan? Dramaturgisch notwendig ist die nahezu wortgleiche Übernahme aus dem Roman "Strobo", aus anderen Büchern sowie aus diversen Blogs, Songtexten und Internet-Einträgen meiner Einschätzung nach jedenfalls nicht. Und als literarische Verweise funktionieren diese Übernahmen auch nicht - dazu müsste man bei den Lesern voraussetzen dürfen, dass sie die Originale kennen. Das ist aber nicht der Fall, hier wurde ja nicht etwa literarisches Gemeingut wie Goethe, Schiller oder meinetwegen Kerouac zitiert. Es liegt also nahe zu glauben, dass Hegemann einfach deshalb mehr oder weniger eins zu eins kopiert hat, weil sie a) es nicht anders konnte oder b) zu faul war, sich die Mühe des Umschreibens zu machen oder c) beides. In jedem Fall ist das ein erheblicher handwerklicher Mangel. Den kann man zwar der noch sehr jungen Helene Hegemann verzeihen, nicht aber dem Buch. Drittens: Gelegentlich wird im Zusammenhang mit der Axolotl-Diskussion auf das Urheberrecht eingeprügelt. Dazu möchte ich zu bedenken geben: Wenn jedes Werk nach Belieben geplündert werden darf, um selbst am Gedankengut anderer Autoren zu verdienen, dann wird es in absehbarer Zeit nichts Neues mehr geben, sondern nur noch Abgeschriebenes. Warum denn sich das Hirn zermartern, um etwas nie Dagewesenes zu schaffen, wenn man doch mit demselben Erfolg einfach aus irgendeinem gedruckten Buch abschreiben kann? Erst das Urheberrecht gibt Anreiz zu einer eigenen Leistung. Und noch etwas: Dass "Strobo"-Autor Airen jetzt zu Recht am Erfolg von Axolotl Roadkill mitprofitieren kann, liegt allein daran, dass es ein Urheberrecht gibt. Anderenfalls müsste er schlicht in die Röhre schauen. Dann hätte Hegemann ohne Bedenken abschreiben dürfen, was immer sie wollte, und niemand hätte eine Beschwerde vorbringen können. Ist nun "Axolotl Roadkill" eigentlich ein gutes Buch, von der Plagiats-Diskussion mal absehend? Nun ja. Es gibt keine Geschichte. Es gibt außer der Ich-Erzählerin keine interessanten Charaktere. Es gibt keine Spannung erzeugende Dramaturgie. Und anders als viele Feuilletonisten glauben machen wollten, taugt Axolotl Roadkill auch nicht als Wichsvorlage. Wer gerne Tagebücher von sich selbst bemitleidenden, altklug daherschwadronierenden 16-jährigen Mädchen liest, wird hier bestens bedient. Für mich war das eher nichts. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
57 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Das Zeitalter der Ersätze,
Von Roman Bialkovsky (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Axolotl Roadkill (Taschenbuch)
Sätze war gestern, Ersätze ist heute: Wenn es der Kritik von nun an genügt, dass ein Autor nicht mehr selbst schreibt, wenn es ausreicht, dass sie - wir sprechen natürlich von Hegemann - sich nur ein mediales Netzwerk ("'connections"') erschleichen muß um erfolgreich zu publizieren, und wenn sie dann einfach fremde Texte zusammenklaubt und diese als eigene, originäre Schöpfung ausgibt, dann ist endlich das Zeitalter der Ersätze gekommen. Was dem authentischen Autor versagt bleibt, die Anerkennung seiner schöpferischen Leistung durch die feuilletonistischen und kulturellen Lizenzträger, fällt der Larve, der geschäftstüchtigen Nachahmerin in den Schoss. Sie, die im Grunde Nichtssagende, und nicht Airen, der von ihr bestohlene Autor, wurde zum Preis der Leipziger Buchmesse 2010 nominiert. Die affirmative Reaktion der Kritiker auf die Entlarvung des Fräulein-Wunders der Literatur lässt auf ein bislang ungeahntes Ausmaß an Skandalfähigkeit schließen. Liest man 'Axolotl Roadkill' und vergisst einmal die unzähligen, aus ''Strobo'' abgekupferten Stellen, dann bleiben nur die Ego-Blähungen einer Achtzehnjährigen übrig, die offenbar unter Schreibunfähigkeit leidet und seit Jahren zu Unrecht vom Feuilleton gehypt wird. Schlimmer noch, das Schuldabweisungsvokabular, das die dickliche Göre benutzt um ihr Plagiat schönzureden: "'Da wird eine jahrhundertealte Debatte auf meinem Rücken ausgetragen', schnodderte sie der taz, am 12.2. gegenüber. '"Wenn WIR so anfangen, können WIR den ganzen Literaturbetrieb gleich dichtmachen."' Sie zählt sich also schon selbstsicher dazu, obwohl sie nichts geleistet hat, nichts geschrieben oder veröffentlicht hat, was ihr eine Berechtigung dazu gäbe. Diese Chuzpe muß man erst einmal haben, doch das macht den Hegemann-Roman leider nicht besser. Das Hauptproblem, Hegemann kann nicht schreiben. Sie ist eine Meisterin der Verwurstung. Spuren einer eigenständigen Leistung? Ja, vielleicht eine: Wenn schon andere einst gehypte und inzwischen vergessene Eintagsfliegen wie Wolfgang Herrndorf oder Tanja Dückers bestenfalls ein Fußgängerdeutsch schrieben, dann promotet Hegemann mit ihrer Abschreibarbeit PIDGIN GERMAN als die Sprache der Zukunft. Dass es nicht ihre eigene Sprache ist -' Hegemann ist bekanntlich das Kind linker Bildungsbürger, sie wurde sozusagen auf der Sonnenseite des Lebens geboren - scheint dabei nicht wichtig zu sein. Auch daß sie Mädchen wie Mifti, die Heldin ihres Romans, persönlich gar nicht kennt, ist nicht von Bedeutung. Die breite Masse hat sich längst so sehr an Ersatz gewöhnt, dass das sie nun auch mit '"Ersätzen" - also Sätzen aus zweiter Hand -' Vorlieb nehmen wird.Wer das Authentische sucht, das Lebendige, Fetzige, Neue, der lese besser gleich das Original 'Strobo' von Airen, erschienen im SuKultur-Verlag. Fazit: Die international völlig irrelevante deutsche Literatur hat sich endlich als das entlarvt, was sie ist -' tumbester' Fake. Möge Hegemann den Preis der Buchmesse Leipzig gewinnen, sie hat ihn redlich verdient. Das Hörbuch soll übrigens noch "besser" sein als der Roman! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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