Samstagabend in einer deutschen Videothek in einer mittelgroßen Stadt mit 75.000 Einwohnern: Nahezu alles was ein gängiger DVD-Player so schluckt, ist ausgeliehen. Zugegebenermaßen sind Perlen des modernen Kinos wie "Fleischermeister" noch verfügbar, doch die Frage, ob man sich damit das Wochenende versüßen will, ist schnell beantwortet. Doch vor einem chaotisch-poppig arrangierten Cover liegt ein einsames Märkchen, das nur darauf wartet, dass ein interessierter Kunde es mitnimmt und dafür den Film "Away We Go" ausgehändigt bekommt. Der Verweis auf der Hülle, dass Sam Mendes, seines Zeichens der Regisseur von "American Beauty" und "Road to Perdition", für den Film verantwortlich zeichnet, scheint nicht wirklich zu ziehen. Doch die anderthalb Stunden Zeitvertreib mit dem schnodderigen und charmanten Streifen lohnen durchaus. Zwar kommt "Away We Go" nicht an den genialen "American Beauty" heran und besitzt auch nicht die Größe eines "Road to Perdition", doch der fein arrangierte Film über ein junges Pärchen, dass ihr erstes Baby erwartet, ist ein Film der leisen Töne - mitunter klug und weise, teilweise ironisch und sarkastisch, manchmal auch tragisch und ernüchternd.
Die bevorstehende Geburt und die unglaubliche Tatsache, dass die zur Betreuung eingeplanten Eltern Berts ausgerechnet jetzt für zwei Jahre nach Europa umsiedeln wollen, stürzt Bert und Verona in eine Krise. Nichts besitzend außer ihre Liebe und einen klapprigen Volvo, brechen sie auf, um sich ein geeignetes Zuhause für sich und den Nachwuchs zu suchen. Auf dieser Reise treffen die angehenden Eltern auf Bekannte und Verwandte der beiden, die so herrlich durchgeknallt sind, dass es ein Heidenspaß macht, den absurden Dialogen zu folgen. Doch was für den Zuschauer lustig ist, ist für Bert und Verona ein einziges Desaster, scheinen sie doch nur Menschen zu kennen, die gewaltig einen an der Waffel haben und in deren Nähe man sich das eigene Kind nun wirklich nicht wünscht. So wird die Reise durch die Staaten zwar einerseits zu einem burlesken Erziehungsratgeber, andererseits aber auch zu einem aussichtslosen Unterfangen, bis sich letztlich nur noch ein realistischer Zufluchtsort ergibt, um der quälenden Rast- und Ziellosigkeit ein Ende zu setzen.
Sam Mendes gelingt es dabei sicherlich nicht, das ausgelutschte Subgenre des Roadmovies neu zu erfinden, doch vermag er ihm zumindest eine gewisse neue Würze zu verleihen, die "Away We Go" zu einem empfehlenswerten Film mit stets positivem Unterton macht. Ein Film ohne Superhelden, ohne Action, ohne Spezialeffekte und ohne ausschweifende Story - all das braucht es nicht, um eine stimmige Geschichte über zwei ziellose Menschen so zu erzählen, dass sie nachwirkt. In Zeiten von 3D und Computereffekten wirkt Mendes Streifen fast schon wie längst vergessenes Kino der alten Schule mit mehrdimensionalen Figuren als Grundlage für gutes Storytelling. Kurzum ein zurückhaltend sympathischer Film, der wahrscheinlich auch zukünftig ein Schattendasein fristen wird, der einem aber jederzeit einen Samstagabend retten kann. Und immer daran denken: Wenn man den Kopf an gewissen Stellen hat, nicht pusten!