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Wo man bei manchem Doppelalbum froh wäre, der Musiker/Künstler hätte sich lieber beschränkt, die Fülltitel gestrichen und stattdessen lieber ein ordentliches Einzelalbum gemacht, fällt hier keiner der 24 Songs oder Instrumentaltitel aus dem Rahmen. Wobei sich Lambchop schon auf das Wesentlich beschränkt haben, denn Ausgangsposition dieses Albums war, so Wagner, dass er in den letzten Jahren, jeweils über längere Perioden, einen kompletten Song am Tag geschrieben hat.
Aus einer Fülle von Songs wurden nun eben diese ausgewählt,die wiederum teilweise bereits als Soundtrackarbeit von Lambchop für eine Vertonung von F.W. Murnaus legendären Stummfilm Sunrise gedient hatten. Wagner beharrt darauf, dass beide Platten auch für sich alleine stehen könnten, wenngleich sich beide Werke nicht schlüssig trennen lassen. Denn Wagners Erklärung, Aw C'mon sei etwas düsterer als No You C'mon, letzteres verspielter und uptempo trifft es nicht so richtig.
Mit "Being Tyler", einem süffigen Instrumental mit reichlich Streichern (wunderbare Arrangements von Lloyd Barry) ziehen uns Lambchop in ihr neues Werk hinein, ehe Kurt Wagners sonore Stimme mit tiefem, sympathischen Timbre erstmals bei "Four Pounds In Two Days" zur Geltung kommt, ehe uns dieser Barry White der Indieszene mit einem der schönsten Titel des Doppelalbums, "Steve McQueen", beglückt. Sehr soulful. Wo die gesungenen Tracks nicht zuletzt durch Wagners wunderschöne Stimme leben, sind es die schon erwähnten, geschmackvollen Streicherarrangements, die begeistern und echt zwingende Instrumentals, wie die flotten "Jan. 24" und "Timothy B. Schmidt" oder dieses hymnische "The Producer", mit dem Lambchop das Doppelalbum beschließen.
Dazwischen lassen es Wagner und sein Dutzend Mitstreiter auch mal richtig krachen, wie bei "Nothing Adventurous Please" oder zeigen mit dem hübschen "About My Lighter", dass der Country zum Glück noch nicht ganz aus dem Ensemble gewichen ist. Exzellentes Doppelalbum! --Thomas Bohnet
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Lambchop tun das nun schon seit rund zehn Jahren mit ständig wachsendem Erfolg. Und sie haben mit diesem CD-Doppelschlag - per Definition kein "reaktionäres" Doppelalbum, sondern zwei eigenständige Werke - den Gipfel ihrer Kunst erreicht.
24 Songs/Instrumentals und kein einziger Schwachpunkt. 92 Minuten Laufzeit und keine Sekunde Langeweile. Lieder, die zum Niederknien schön sind und trotzdem nicht im Wohlklang absaufen. Ein Meisterwerk, nach dem man sich fragt: Was soll jetzt noch von Lambchop kommen? Aber das tat man schließlich auch schon nach ihrem 2002er Album "Is A Woman".
Im Vergleich zum Vorgänger, der bei aller Klasse doch auch seine Längen hatte, gingen Sänger/Songschreiber Wagner und sein Kammerpop-Orchester diesmal reduzierter, konzentrierter zu Werke. Wochenlang verfasste Wagner einen Song pro Tag - da ergibt es sich fast von selbst, dass die Stücke nicht ausufern und meist mit drei bis fünf Minuten Länge auskommen.
Und was für wunderbare Melodien hat Wagner da wieder zusammengetragen! Auf "Aw C'mon" sind es meist streicherumwehte, traurig-melancholische Kleinode, die eine einheitliche Stimmung transportieren und im Zusammenhang gehört werden wollen. Besonders interessant: "Steve McQueen", "Nothing But A Blur..." und "Women Help...".
Auf "No You C'mon" ist die Stilpalette bunter. Auch hier gibt's die typische Lambchop-Mixtur aus eleganten Balladen, Alternative Country und Südstaaten-Soul, aber eben auch Gitarrenrock ("Nothing Adventurous Please"), fröhlichen Pop mit Stones-Anleihen ("Shang A Dang Dang") oder gar Latin-Einflüsse ("The Gusher").
Man könnte endlos schwärmen über die seidenweichen Streicher-Arrangements von Lloyd Barry, die an Nick Drakes Klassiker "Five Leaves Left" und "Bryter Layter" erinnern. Über die Kunst des jungen Gitarristen William Tyler und des Pianisten Tony Crow. Oder über die beschwingte Leichtigkeit der Instrumentalstücke - bei "Sunrise" geht förmlich die Sonne auf.
Das Tollste an diesem Opus magnum von Lambchop ist aber die einmalige Brummbären-Stimme von Kurt Wagner. Tausende Zigaretten und viel Staub aus langen Jahren als Fußboden-Verleger haben diese Stimmbänder gegerbt. Wie ein Isaac Hayes oder Barry White des Indie-Pop (sprech)singt Wagner seine Lieder über die Liebe, ihre Vergänglichkeit und die Wirrnisse des Lebens.
Von "Low Ambition" (Wenig Ehrgeiz) erzählt der Sänger in einem seiner grandiosen Songs. Damit mag er sich selbst gemeint haben -herausgekommen ist dennoch eines der Referenzalben dieses Jahres. Die Messlatte für das Pop-Jahr 2004 liegt hoch.
Offensichtlich ist Lambchop, die "leiseste Big Band der Welt" (DLF) prädestiniert für
Jahrhundertalben: "Nixon" war ein solches, auch "Is a woman", das seine Schönheit erst
nach einer Weile offenbart. Andere Alben, wie "How i quit smoking" waren bahnbrechend
für die Entwicklung der Independentmusik.
Auch nach "Awcmon/Noyoucmon" bleibt es rätselhaft, wie es diese Band in Serie schafft
solch ungeheuerliche Meisterwerke zu produzieren. Vielleicht ist es wirklich der Genius
des Kurt Wagner, der einmal sagte, dass er vor allem deshalb so ruhige Musik mache, weil
er es tagsüber in seinem Job als Fußbodenverleger schon laut genug habe.
Aber da er inzwischen diesen Job an den Nagel gehängt hat, finden Lambchop vor allem
auf dem "Noyoucmon" Album wieder zu druckvolleren Stücken zurück, wie sie alte Lambchopfans
aus der Zeit vor "Is a Woman" noch kennen.
Es stimmt: "Noyoucmon" ist die rundere Platte, und das vor allem deshalb, weil die
leisen Songs, die vor allem das "Awcmon" Album bevölkern und zuvor auf "Is a Woman"
ihren einsamen Höhepunkt erreichten, es schwer haben solange "The new cobweb summer"
und "Caterpillar" noch in unseren Ohren sind.
Lambchop sind wieder in einer Phase der Midtemposongs angekommen. Das geht manchmal
bis zu richtig lauten Stücken, die aber nicht unbedingt immer gelungen sind.
Erfahrungsgemäß ist es immer unglaublich schwierig, nach ein paar Mal hören schon
Anspieltipps zu geben: um es dennoch zu tun - das wunderschöne "Steve McQueen",
das geheimnisvolle "Low Ambition", das großartige Instrumental "Sunrise" und und und...
Und wahrscheinlich ist es gar nicht nur der Genius Wagner: wer schon mal das Glück
hatte mit drei Mitgliedern von Lambchop beim Bier in der Hamburger Fabrik ins Gespräch zu kommen,
der weiss, daß es nicht verwunderlich ist, wenn unglaublich sympathische Menschen
unglaublich sympathische Musik machen.
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