Eine neue Platte von - was red ich da: nein, zwei neue Platten von Lambchop, mein Gott Kurt Wagner,
Du meinst es gut mit uns. Aber es stimmt schon, was Jan Wigger bei Spiegel online schrieb:
wir hatten ja "Is a woman" noch gar nicht richtig verdaut, und jetzt das.
Offensichtlich ist Lambchop, die "leiseste Big Band der Welt" (DLF) prädestiniert für
Jahrhundertalben: "Nixon" war ein solches, auch "Is a woman", das seine Schönheit erst
nach einer Weile offenbart. Andere Alben, wie "How i quit smoking" waren bahnbrechend
für die Entwicklung der Independentmusik.
Auch nach "Awcmon/Noyoucmon" bleibt es rätselhaft, wie es diese Band in Serie schafft
solch ungeheuerliche Meisterwerke zu produzieren. Vielleicht ist es wirklich der Genius
des Kurt Wagner, der einmal sagte, dass er vor allem deshalb so ruhige Musik mache, weil
er es tagsüber in seinem Job als Fußbodenverleger schon laut genug habe.
Aber da er inzwischen diesen Job an den Nagel gehängt hat, finden Lambchop vor allem
auf dem "Noyoucmon" Album wieder zu druckvolleren Stücken zurück, wie sie alte Lambchopfans
aus der Zeit vor "Is a Woman" noch kennen.
Es stimmt: "Noyoucmon" ist die rundere Platte, und das vor allem deshalb, weil die
leisen Songs, die vor allem das "Awcmon" Album bevölkern und zuvor auf "Is a Woman"
ihren einsamen Höhepunkt erreichten, es schwer haben solange "The new cobweb summer"
und "Caterpillar" noch in unseren Ohren sind.
Lambchop sind wieder in einer Phase der Midtemposongs angekommen. Das geht manchmal
bis zu richtig lauten Stücken, die aber nicht unbedingt immer gelungen sind.
Erfahrungsgemäß ist es immer unglaublich schwierig, nach ein paar Mal hören schon
Anspieltipps zu geben: um es dennoch zu tun - das wunderschöne "Steve McQueen",
das geheimnisvolle "Low Ambition", das großartige Instrumental "Sunrise" und und und...
Und wahrscheinlich ist es gar nicht nur der Genius Wagner: wer schon mal das Glück
hatte mit drei Mitgliedern von Lambchop beim Bier in der Hamburger Fabrik ins Gespräch zu kommen,
der weiss, daß es nicht verwunderlich ist, wenn unglaublich sympathische Menschen
unglaublich sympathische Musik machen.