Das Avox Indio Color ist ein typisches Reciva-Radio, greift also auf die dortige Datenbank von Internet-Radios zu und liefert die üblichen Funktionalitäten. Das funktioniert alles einwandfrei, die Sender werden schnell angewählt und stotterfrei gespielt. Das Radio ist ganz hübsch und handlich, 6+6 Stationstasten sind eine üppige Ausstattung, die Bedienung mit dem Drehrad geht, auch dank des großen Displays, sehr leicht von der Hand, die Menüs sind extrem übersichtlich und sinnvoll angeordnet. Die Einrichtung geht ruckzuck - Auspacken, Wlan-Passwort mühselig eintippen, fertig. Das war sehr angenehm,
Der Klang des Radios ist, den Umständen (klein, Mono-Speaker, kein Bassreflex) entsprechend, sehr gut. Der Auslieferungssound klingt ein bisschen dünn, aber wenn man mit dem Equalizer ein bisschen rumspielt, bekommt man einen überraschend vollen und kräftigen Sound aus dem Mono-Lautsprecher raus. Für die Küche oder Werkstatt ist das auch für verwöhnte Ohren vollkommen ok. Im Vergleich mit dem Logitech Squeezebox Radio (dessen Design das Avox sehr offensichtlich kopiert und mit dem es sich wohl auch vergleichen lassen muss) punktet für meine Augen allerdings die Konkurrenz: an den kristallklaren linearen Klang der Squeezebox kommt das Avox nicht ganz ran - ich bin allerdings auch eher ein Freund von purem Originalsound. Für andere Hörgewohnheiten (und vor allem auch für Sender mit von Haus aus schwachem Sound) mag der Equalizer des Avox allerdings durchaus ein Vorteil sein. Ich würde am Klang nicht meckern wollen.
Verarbeitung ist soweit gut, wenn man Klavierlack mag, wird man glücklich, ich persönlich bin ja nicht so der Fan von Fingerabdrücken auf Elektrogeräten. Für den Einsatzzweck Küchenradio könnte ich mir pflegeleichtere Materialien vorstellen. Verbrauch ist ok: 2 Watt im Standby, 3 im Betrieb, dazu kann man auch noch im Standby das Wlan ausschalten, wenn man das unbedingt braucht. Das geht in Ordnung.
Bedienung ist wie gesagt 1a, da nutzt das Gerät die Vorteile des großen Displays und des guten Drehrads voll aus. Aber das ist leider auch schon alles, was an Positivem über das Display gesagt werden kann. Mir ist unverständlich, wie man ein so prominentes Merkmal so unzureichend nutzen kann. Die Cover (oder Sender-Logos) sind nicht bildschirmfüllend in der linken oberen Ecke dargestellt und mitunter sehr eigenwillig skaliert, daneben steht in kaum lesbarer Schrift Titel und Interpret - das hätte auch auf ein winziges Display gepasst. Bei allen nicht extrem kurzen Titeln muss gescrollt werden, und das tut es auch noch auf eine nicht wirklich hilfreiche Art und Weise. Gleichzeitig sind weite Teile des Bildschirms schlichtweg leer. Konfigurieren kann man hier auch nichts. Man muss leider festhalten: Die Bildschirmgestaltung ist Avox komplett misslungen. Erneut der Blick zur Konkurrenz: auf der viel kleineren Display der Squeezbox steht viel mehr drauf, und auch noch schöner.
Der größte Vorteil des Avox gegenüber der Squeezebox ist, das letztere auf einem proprietären Serversystem aufsetzt, während das Avox sich nahtlos in die große Riege der DLNA-Geräte einreiht. Meine DLNA-Server wurden auch sofort gefunden, und die Navigation im Datenbestand ging auch ganz fix von der Hand. Allerdings: das Avox ist ganz schön langsam. Die Liste der Interpreten vom Server zu nudeln dauerte schon deutlich länger als Echtzeit und auch länger als bei anderen Geräten (bspw. ist meine fast 10 Jahre alte Roku Soundbridge mindestens doppelt so schnell). Die Liste aller Songs konnte das Avox gar nicht erst ziehen - dabei stürzt es reproduzierbar ab. Bedenkt man, dass ich derzeit nur die durchaus übersichtliche Menge von 9000 Songs biete, ist das keinesfalls akzeptabel. "Einmal per Zufall über alles was ich habe" - nicht möglich.
Eine Alternative ist die Bedienung über Smartphones oder Tablett, per UPNP Control Point Software (ich habe Bubble UPNP und UPNP Play erfolgreich getestet, PlugPlayer ging komischerweise nicht) oder dem "offiziellen" Grace Remote. Das klappt recht stabil. Allerdings gilt für alle Apps: spiele ich einen Song von meinem UPNP-Server, wird kein Cover angezeigt. Erneut erweist sich das große Display als überflüssig.
Gadgets wie der Wetterbericht mag ich eigentlich. Der macht aber nur bedingt Sinn, da man ihn nicht auf den Bildschirmschoner legen kann, sondern erst mühselig anwählen muss. Erscheint mir nicht zweckmäßig. Die Fernbedienung habe ich nicht getestet, sieht mir aber nach Standard-Beilegeware aus.
Zusammengefasst: das Avox Indio Color ist ein nettes, solides Internetradio mit überragend guter Bedienbarkeit und gutem Sound, aber schwacher Displaygestaltung und schweren Mängeln in der UPNP-Implementierung. Der große Vorteil gegenüber der Squeezebox, DLNA zu sprechen, wird durch die mangelhafte Ausführung vertändelt. Wenn DLNA aber nicht wirklich funktioniert und auf dem Display auch nicht wirklich was zu sehen ist, gibt es leider aber nur wenig Gründe, dieses Gerät zu kaufen und nicht die 40 Euro billigere Squeezebox. Die übermäßig begeisterten Produktrezensionen über das Avox Indio Color hier und an anderen Stellen im Netz hinterlassen bei mir leider einen schalen Beigeschmack.