Dieser Soundtrack ist mal wieder ein Beweis, dass man einen Film nicht gesehen haben muss, um die Musik gut zu finden, denn ich bin wohl einer von 10 Leuten, in ganz Deutschland, die den Film NICHT gesehen haben.
Mein letzter Horner Soundtrack war was wohl? Richtig: Titanic.
Doch auch nach dieser Abstinenz muss ich sagen, dass mir auch dieser Horner Score sehr gut gefällt.
Die Musik erinnert mich ein wenig an Jerry Goldsmith Musik von "Medicine Man", in der Form, wie hier versucht wird, der Natur eine musikalische Sprache zu geben.
In den Kompositionen kann man - zumindest geht es mir so - in kleinen Nuancen auch Anspielungen auf Horners Scores von "Braveheart" und "Titanic" heraushören. Aber es sind wirklich nur kleine Nuancen, die positive Erinnerungen erwecken und nicht das Gefühl, dass Horner sich selbst kopiert. Das keineswegs.
Musikkenner, die ein Faible für indianische Musik haben, werden in diesem Score ebenfalls fündig werden. Horner hat viel in seine Musik eingebaut, was mich an indianische Beschwörungsriten z.B. erinnert. Wer Bilder von fliegenden Adlern kennt und das Geräusch, wenn mit einer Flöte das Schreien eines Adlers nachgemacht wird, wird wissen, was ich meine. Auch ein gelunges Stilmittel der Natur eine Sprache zu geben.
Der Score klingt insgesamt einfach herrlich harmonisch und nicht so düster, wie z.B. Horners Score zu "Aliens", zu dem er das genaue Gegenteil ist.
Das für mich positivste an der Musik ist, ohne die Filmbilder im Kopf zu haben, dass sie wunderbar ausgewogen ist (leider etwas leise auf die CD gebrannt). Ein Schlachttrommelgedonner wie bei "Braveheart" oder dramaturgische Highlights in der Musik wie bei "Titanic", wenn die Titanic z.b. gegen den Eisberg geknallt ist die Musik schneller wird, aus den emotionalen Momenten heraus, wird man auf diesem Soundtrack nicht finden.
Allem, was man so als Relax und Meditationsmusik verkauft bekommt, kann man getrost einen Abschiedskuss geben und sollte sich lieber diesen Soundtrack von einem Meister seines Fachs kaufen. Dann Horners Sprache glaube ich ohne den Film gesehen zu haben ist diesmal nicht nur Untermahlung, sondern auch eigene weitere Sprache als Stilmittel im Film.
Wundervoll ins Gesamtkonzept fügt sich der Song von Leona Lewis ein, der eine wunderschöne Ballade darstellt, ABER man sollte hier keinen Song erwarten, der im Stile von "My heart will go on" von Celine Dion funktioniert. An dieses musikalische Weltwunder von Titanic reicht der Song "I see you" im direkten Vergleich nicht mal ansatzweise heran.