Dieses wunderbare Projekt Avantasia, welches ursprünglich mal nur als einmaliges Projekt Metal Opera gedacht war, hat es zur Bühnenreife gebracht, dessen Dokument wir mit dieser DVD in den Händen halten dürfen. Eigentlich ist das nicht wirklich fassbar, aber es ist Wirklichkeit geworden.
Studiomäßig haben wir mittlerweile 5 Runden mit der Metal Opera 1 und 2 und der Scarecrowtriologie. Das war ursprünglich auch nicht absehbar und inzwischen lässt sich konstatieren, dass es mit diesen 5 Runden noch nicht zu Ende sein muss. Aber dazu später einen kleinen von mir vermuteten Ausblick. Dieses Projekt allerdings auf die Bühne zu bringen und eine, wenn auch kleine, Welttour daraus zu machen, das ist die eigentliche Leistung dabei. Die Schwierigkeit ist es, die so verschiedenen Musiker und Sänger dafür unter einen Hut zu bringen. Und richtig, alle konnte Tobias Sammet wohl auch nicht kriegen. Ein Alice Cooper, Russel Allen und 2010 Klaus Meine, Jon Oliva, Tim "Ripper" Owens und auch Eric Singer waren nicht dabei. Michael Kiske fühlte sich erst wieder 2010 innerlich bereit zu einem Bühnencomeback, so dass er auf dieser hier vorliegenden DVD leider nicht dabei ist. Wer auf der 2010er Tour dabei war, wird mir zustimmen, dass das vielleicht der Wermutstropfen in einer ansonsten vollkommen gelungenen Aufnahme ist.
Die Doppel-DVD und Doppel-CD ist wirklich ansprechend aufgemacht in zwei schönen Booklets, die in einem Pappschuber untergebracht sind.
DVD 1 umfasst die Liveshow, die aus zwei Auftritten zusammengeschnitten wurden und zwar einmal dar in Wacken sowie der vom Masters of Rock Festival in der Tschechischen Republik. Natürlich bemerkt man die Unterschiede sehr gut, wann welcher Auftritt ins Bild gesetzt wurde, aber es so gut zusammengeschnitten, dass zumindestens der Eindruck erweckt wird, als wäre das ein Auftritt aus einem Guss. Somit wird der Genuss überhaupt nicht geschmälert. Man bemerkt den Unterschied dann an den berühmten Kleinigkeiten wie Bühnenkleidung der Protagonisten, die von Geisterhand von Song zu Song wechselt oder an den Songansagen von Toby, die mal auf Deutsch in Wacken oder auf Englisch beim Masters of Rock gehalten werden. Aber das wäre eine leichte Mäkelei auf verdammt hohem Niveau, weil entscheident sind die Songs, und die haben es in sich.
Natürlich fehlt das Material von The Wicked Symphonie und Angel of Babylon, aber das tut der Show überhaupt keinen Abbruch. Den Auftakt machen drei Songs von The Scarecrow, nämlich Twisted Mind, das grandiose Titelstück und Another Angel down. Hier zeigt sich, dass diese Stücke in der Liveperformance noch stärker daher kommen und mit leicht veränderter Sängerreihenfolge aufwarten. Überragend neben Tobias ist vor allen Dingen Jorn Lande, den ich immer mehr als Sänger schätze. Danach gibt es dann Highlights aus der Metal Opera mit Prelude/Reach out for the Light als Auftakt. Inside wird als Ballade zu fast 50 % vom Publikum getragen. Insbesondere hier und auch später gegen Ende zeigt sich Tobias Sammet sehr ergriffen darüber, dass er vor einem solchen Publikum headlinen darf. Sehr schön auch das Bild der wogenden Hände in Wacken. Auf the Toy Master macht uns Kai Hansen den Alice Cooper. Auf der neueren Tour kam ja noch das grandiose Death is just a feeling hinzu, was im Studio von Jon Oliva gesungen wird. Für derartige Songs scheint Kai Hansen ein würdiger Vertreter zu sein. Was ich manchmal schade finde, ist, dass die Backgroundmädels Amanda Somerville nur wenig und Cloudy Yang keinen Leadgesang beizutragen haben. Zumindestens auf Farewell macht das Amanda sehr schön. Auf dem Schlussmedley stellt Tobias sehr humorvoll die Bühnenband vor, schon eine sehr illustre Runde. Bob Catley, gesanglich der Altmeister, scheint sichtlich seine Freude an diesem Projekt zu haben. Manchmal meine ich, dass er den geistigen Getränken sehr zugesprochen haben könnte, gesanglich merkt man das aber nicht. Jorn Lande singt wie bereits gesagt überragend, auch Andre Matos und einige Passagen von Oliver Hartmann, einer der beiden Gitarristen.
Das ist insgesamt ein wirklich tolles Konzert gewesen, auf keinen Fall schlechter als die Neuauflage 2010, welches mit 3 Stunden eine längere Dauer hatte. Dieses Jahr in Wacken treten sie noch Mal auf und wer weiß, vielleicht wird es noch mal aufgezeichnet mit den neuen Stücken und mit Michael Kiske, der bei dem Auftritt, dem ich beiwohnen durfte, ebenfalls grandios sang.
Avantasia ist jetzt nun wahrlich ein sehr erfolgreiches Projekt und ich kann mir nicht vorstellen, dass da niemals mehr etwas kommt. Die nächsten Jahre wird es sicher ruhiger werden, die vielleicht mal unterbrochen werden mit den Aufnahmen aus 2010/11. Aber irgendwann wird es Toby jucken, alles zumindestens im Studio noch mal zu toppen. Ich gebe diese Hoffnung auf jeden Fall nicht auf.
DVD 2 ist der Tourfilm. Er ist sehr interessant und bietet viel wissenswertes rund um Avantasia und die Tour. Aber da bin ich noch nicht so richtig durch, das muss ich mir noch etwas genauer zu Gemüte führen.
Die beiden CD's bieten die Show extrahiert auf zwei Rohlinge. Schöne Beigabe, dann brauche ich mir die Tonspur nicht selber zu ziehen. Alles in allem, ein sehr schönes und lohnenswertes Dokument, an dem man sehr lange Freude haben wird. Es ist ihr Geld absolut wert.