Die Story wurde ja schon lang und breit abgehandelt. Und es gibt positive und negative Meinungen zu diesem Film. Was also fasziniert daran, das es so viele Meinungen gibt?
Die Action:
Die Actionsequenzen sind mit sehr coolen Kamerafahrten gespickt und auch wirklich schön anzusehen.
Sowohl Computergeneriertes Kriegsgerät, als auch echtes (mit bestem Dank an das polnische Militär) werden hier teilweise gezeigt und lassen so manchen Militaria angehauchten mit einem breiten Grinsen vor dem Fernseher sitzen. Und es ist einer der wenigen Filme, in denen es einen Hind gibt.
Ja, richtig gelesen, dieser achsoschöne Helikopter, der in einigen Szenen
vorkommt und sogar wunderschön vor der Kamera herumfliegt, ist sicher ein dicker Pluspunkt, da es nicht viele Filme mit solcher Bestückung gibt.
Ballermäßig gibts auch was zu sehen, die Schießereien sind gut in Szene gesetzt und gut vertont, es gibt nur nicht so viele. Getroffene lösen
sich in Pixelfluten auf und verschwinden einfach.
Hier gibt es ebenfalls dank dem polnischen Militär ordentlich russisches Handfeuerwaffengerät zu sehen, mal abgesehen von einer deutschen Mauser C96 Pistole. Anfangs könnte man damit rechnen, das es ein Endshootout oder eine größere Massenschlacht am Ende gibt. NEIN, gibt es nicht. Die Action findet in den ersten 70% bis 80% des Films statt, eben in den gelegentlichen Ausflügen nach Avalon. Sie sind Beiwerk und nicht Haupteil des Films.
Mein Rat: Nur Geballer und Actionfans sollten sich diesen Film nicht anschauen, eher ausleihen oder Anime und Eastern-Interessierten empfehlen.
Inszenierung:
Der Film wechselt sich ab mit den kurzen Besuchen in der digitalen Weld Avalon, die fast immer mit einer kurzen Maploadingsequenz
gestartet werden, was mich sehr angesprochen hat und dem Leben der Ash in der realen Welt des Films. Diese beiden Welten sind in einem sehr
merwürdigen Grauton gehalten, was die Atmospähre sehr bedrückend macht.
Die Realweltszenen bestehen teilweise aus Alltagsszenen, wie zum Beispiel
der Fahrt in der S-Bahn, wo die Kamera für mehrere Sekunden einfach nur aus Ashs Perspektive in den Fahrraum schaut, das Kochen von Ash, ein Treffen mit einem anderen Spieler, dem beim Essen mit den Fingern zugeschaut wird, die einzig wirklich nervige Szene für mich im ganzen Film und anderen ruhigen, wortlosen Momenten. Diese Momente sind nicht für jeden geeignet, weil sie zur Langeweile neigen. Leute aber, die zb. Jin-Roh, ein absolutes Meisterwerk von Mamoru Oshii kennen, die kennen auch solche Momente. Vor allem die S-Bahn Sequenzen sind fast identisch.
Wer also sich mit japanischen Vorlieben für solche Chillszenen anfreunden kann, bzw. sie mag, der muß diesen Fim sehen. Den die Bilder, die der Film zeigt, sind einfach extrem ansprechend. Stets weiß die Kamera genau was sie filmen soll, damit man sich nur innerlich sagt: "Wow, das sieht fett aus!" Und das kommt nicht nur einmal vor...
Soundtrack:
Für den Soundtrack hat man zwei polnische Chöre verflichtet, die ihre Arbeit verdammt gut machen und vor allem das Avalon Theme Song geht wirklich unter die Haut. Hier werden ebenfalls nur Leute von klassischen Töhnen, die man ja von Jin-Roh her kennt, auf ihre Kosten kommen. Diese aber haben sogar mich begeistert und es ist wohl eine Subkategorie von Musik, in die man den Avalon Soundtrack einreihen muss. Fans von großen Rollenspielen, mit ähnlichen klassischen Musikthemen werden mit dem Soundtrack zufrieden sein.
Das letzte Bisschen:
Damit ist das letzte Stück Film gemeint, was die letzten 30% Prozent des Films ausfüllt. In diesen Dreißig Prozent muss sich der Zuschauer von dem gerade gewöhnten Grau-Look an eine ganz normale Kamera gewöhnen. Ohne jegliche Filter oder Nachberarbeitung wird hier in Farbe das letzte Stück des Films abgehandelt, was ja das sogenannte Special Level A ist. Das ist anfangs mehr als gewöhnungsbedürftig und auch einfach nur seltsam angesichts der Bilder, die man sieht. Mehr wird nicht verraten, außer das der Film dann mit einem sehr merkwürdigen Ende, das absolut zum Nachdenken da ist, dann endet. Dieses verwirrt einen und endet absolut abrupt und lässt einen Zuschauer mit einem: "Häh, wars das?" zurück.
Hier sind also die Leute gefragt, die Filme gerne zerpflücken und sich über ihren Tiefgang unterhalten wollen. Den der Film hat einfach eine Botschaft, die er mit dem Ende erzählen will. Und diese rauszufinden, ist sicherlich nicht jedermanns Sache.
Fazit:
Dieser Film lohnt sich für Leute, die gerne nachgrübbeln und japanische Filme mögen. Lohnt sich für Leute, die sich mit dem Thema Videospiele gerne beschäftigen, vor allem, da ja momentan World of Warcraft schon zu einem ähnlichem Suchtphänomen geworden ist. Lohnt sich für Leute, die auf bildgewaltige Filme stehen und orchestrallen Soundtrack mögen.
Und für so manchen Militaria angehauchten, auch wenn die nicht wunschlos glücklich werden.
Abraten würde ich Leuten, die einen Popcorn Actioner sehen wollen und zum
X-ten Mal, der Film hat nichts mit Matrix gemein. Also alle, die deswegen
den Film sehen wollen, Pfoten weg.
Trotzdem ein verdammt guter Film, aber eben nur für Fans.
Ein Mündungsfeuer-Review