Zu Beginn meiner Rezension muss ich erwähnen, dass ich bereits einige Jahre zuvor eine andere Version dieses Brettspielklassikers gespielt hatte und die Regeln mir insoweit bereits ein wenig bekannt waren.
Zu aller erst: Was ist Axis and Allies?
Ein Freund von mir hat es nach unserer ersten Runde treffend erwähnt:
" Es kam mir ein klein wenig wie eine Profivariante von Risiko vor"
Dem kann ich zu einem kleinen Teil zustimmen. Wie in Risiko befehligt man Armeen, die versuchen andere Regionen anzugreifen und zu erobern, abhängig von den eroberten Regionen erhält man Punkte um weitere Truppen zu erwerben.
Das wars auch schon!
Anders als in Risiko hat man keine zufällig bestimmten Regionen, sondern es stehen sich im Prinzip zwei Seiten gegenüber: Deutschland und Japan als die Achsenmächte und Russland, Amerika sowie Großbritanien als die Alliierten.
Axis and Allies ist somit ein Manschaftsspiel, es spielen die Achsenmächte gegen die Allierten. Ziel des Spieles ist es, dass eine Seite zum Ende einer Runde 9 Hauptstädte der Welt erobert hat, von denen es 12 Stück gibt, anfangs je 6 im Besitz beider Seiten.
Die Anfangsregionen sowie die Stationierten Truppen sind festgelegt, ebenso die Zugreihenfolge der verschiedenen Seiten in einer Runde. Wer allerdings glaubt, dass sich daraus ein immer gleiches Spiel ergibt, täuscht sich. Sicherlich, in der ersten Runde des Spiels werden sich die meisten Züge gleichen, da einige Aktionen einfach zu verführerisch sind um sie nicht durchzuführen, so zum Beispiel das zerstören eines Großteils der Amerikanischen Flotte durch den Japaner. Spätestens im zweiten Zug wird man aber von den taktischen Möglichkeiten überrascht sein.
Ein Zug eines Landes spielt sich wie folgt ab:
1. Man kauft sich für eine Anfangs festgelegte Anzahl Produktionspunkte Einheiten, die man am Ende des Zuges plazieren kann.
- Hier ist einer der Kernpunkte des Spiels: Kaufe ich mir lieber mehr Panzer, oder Infanterie. Wie wäre es mit Kreuzern, oder doch lieber UBoote? Alle Einheiten besitzen hier unterschiedliche Kosten, Werte und Spezialfertigkeiten - man muss sich hier bereits entscheiden wie man im nächsten Zug vorgehen will.
2. Man erklärt mit welchen Einheiten und aus welchen Ländern man Angriffsbewegungen in Länder eines Gegenspielers durchführt
- Hier ist ein weiterer Kernpunkt. Greife ich mit dem Bomber hier oder dort an, lasse ich Infanterie in dem Land zurück, schicke ich den Panzer nach Afrika oder lieber nach Westrussland?!
3. Nun werden die Angriffe ausgewürfelt: Angreifer und Verteidiger schießen gleichzeitig, wobei jede Einheit verschiedene Angrifs und Verteidigungswerte besitzt. Für jede Einheit wird dabei mit einem Würfel gewürfelt, ob sie trifft. Infanterie trifft im Angriff beispielsweise auf die 1, in der Verteidigung stattdessen auf die 2.
Anschliessend werden die Verluste entfernt und eine neue Kampfrunde beginnt. Der Angreifer entscheidet hier, ob er weiter angreifen will, oder, Beispielsweise aufgrund zu hoher Verluste, den Kampf abbricht.
4. Restliche Bewegungen. Alles was nicht angegriffen hat wird jetzt bewegt und Flugzeuge müssen auf heimatlichen Stützpunkten landen.
5. Einsammeln der Produktionspunkte. Falls man Länder erobert hat bekommt man natürlich, abhängig vom Wert eines Landes, mehr Produktionspunkte, die man in seinem nächsten Zug zum Kauf von Einheiten benutzen kann.
6. Der nächste Spieler kommt an die Reihe.
Wie man sich denken kann, kann ein solcher Zug, je nach taktischen Überlegungen, eine ganze Weile dauern. Allerdings verkürzt sich die Zeit mit steigendem Erfahrungsgrad der Spieler enorm. Da sich die Verbündeten Seiten untereinander beraten können, wird es auch für die anderen Spieler nicht unbedingt langweilig. Man sollte sich nur nicht von den ersten langsamen Spielzügen abschrecken lassen. Allerspätestens beim zweiten Spiel geht alles wesentlich schneller vonstatten.
Ich habe bei der ersten Runde mit Vier meiner Freunde etwa 1,5 Stunden benötigt, um das Spielbrett aufzubauen, die Grundregeln zu erklären, sowie meinen ersten "Modellhaften Zug" mit Russland durchzuführen, inklusive mit meinen dabei laut gesprochenen taktischen Überlegungen. Nachher traten zwar immer wieder einige Fragen auf, die sich aber meist alle recht schnell klären ließen. Für ein Spiel dieses Komplexitätsgrades eine mehr als gute Zeit, meiner meinung nach. Ich muss allerdings auch betonen, dass ich vorher die Englische Anleitung sehr intensiv durchgelesen hatte. Eine deutsche Übersetzung zu Axis and Allies ist leider nur zu einer früheren Version vorhanden, diese lässt sich allerdings zum ersten Verständnis ganz gut benutzen, es unterscheiden sich nur einige Kleinigkeiten.
Zur Ausstattung:
Axis and Allies 1942 hat, meiner Meinung nach, für jede Truppengattung sehr schöne Miniaturen. Diese unterscheiden sich bei den jeweiligen Nationen auch noch: So besitzen Beispielsweise die Deutschen Panzer des Typs Panther und die Japaner Schlachtschiffe der Yamato Klasse. Die Miniaturen sind, nach Nationen unterteilt, in Plastiktüten verpackt - schön und gut, aber nach dem Auspacken fliegt alles kreuz und quer in der Packung umher. Man sollte hier über das Anschaffen kleiner Plastikboxen nachdenken.
Die Karte ist gerade groß genug, dass man sie auf einem normal großen Tisch platzieren kann und man die meisten Miniaturen gut unterbringen kann - mehr aber auch nicht. Gerade in Europa kann man seine Truppen nur mit Müh und Not auf den einzelnen Regionen unterbringen. Mir fehlt hier leider die Erinnerung, wie viel größer die Karten der anderen Versionen waren, ich meine allerdings um ein Deutliches! Vorteil ist, wie gesagt, dass man die Karte problemlos auf den meisten Tischen unterbringen können sollte.
Im Vergleich zu früheren Versionen des Spiels möchte ich erwähnen, dass hier zum einen Papiergeld fehlt, in dem man früher seine Produktionspunkte erhalten hat, sowie zum anderen das sogenannte "Battleboard".
Auf dieser schlichten Pappscheibe wurden früher die Einheiten beider Seiten bei einem Kampf platziert, die Angriffs und Verteidigungswerte der verschiedenen Truppen waren aufgedruckt, um den Kampf zu erleichtern.
Ich kann nur sagen, dass es mir nicht gefehlt hat. Gerade bei den teils sehr kleinen Regionen, hätte ich keine Lust gehabt alle beteiligten Einheiten vom Brett zu nehmen und nach dem Kampf wieder zu platzieren.
Alles in allem kann ich jedem der Taktische Brettspiele mag, dieses Spiel nur wärmstens empfehlen. Auch wenn im Vergleich zu früheren Editionen die Karte ein wenig klein geraten ist, das Battleboard sowie das Papiergeld fehlen, bekommt man hier bei dieser Budgetversion des Spiels immer noch sehr viel für sein Geld.
Gerade für Einsteiger ist diese version somit mehr als Ideal.