Zuerst einmal: Ich freue mich riesig über das Familienglück von Ritchie Blackmore und Candice Night. Das hat natürlich nur eingeschränkt mit dem vorliegenden Album zu tun, kann aber angesichts der Tatsache, dass die Geburt der gemeinsamen Tochter wohl die Grundstimmung des Albums ganz entscheidend beeinflusst hat und der Albumtitel nicht umsonst ihren Namen enthält, nicht unerwähnt bleiben. Die positive Tendenz des Albums ist nicht zu überhören.
Was an sich eine wunderbare Sache ist, ist aber gleichzeitig auch mein Hauptkritikpunkt am Album: Unter zu viel Schweben auf Glückswölkchen leidet anscheinend die Musik. Jedenfalls haben die Lieder insgesamt einfach zu wenig Ecken und Kanten in den Arrangements, kaum Mittelalterliches, für meinen Geschmack zu viel Mainstream-Pop-Klänge und zu viel seichtes Geplätscher. Aber nun ja... So was darf eine Band ja auch mal machen. Insgesamt ist das Album natürlich immer noch sehr gut.
Die Tonqualität des Albums ist durchweg sehr gut. Kritisieren möchte ich an der Aufmachung nur das grässlich kitschige Cover (um Himmels willen, was hat man sich nur dabei gedacht?) sowie das im Vergleich zu den vorigen recht dürftige Booklet. Schade. Stern-Abzug gibt es dafür aber nicht - nur die Musik zählt für mich.
Im Folgenden möchte ich auf die einzelnen Tracks eingehen.
1. "Highland": Mit diesem Opener kann ich persönlich absolut nichts anfangen. Der Track ist keinesfalls schlecht, technisch auf hohem Niveau, die Stimme von Candice kommt hier sehr kraftvoll heraus, aber ich gehe davon aus, dass einige das Lied lieben und andere es hassen werden. Ich enthalte mich.
2. "Vagabond": Sehr eingängige, pop-lastige Ballade... Wer die Balladen von Blackmore's Night allgemein schätzt, ist hier bestens bedient. Ich habe hier nichts zu kritisieren, auch der Text ist super auf die Melodie abgestimmt, insgesamt dürfte es eins der besten Lieder auf dem Album sein. Qualitativ braucht es sich nicht vor Balladen auf älteren Alben zu verstecken.
3. "Journeyman": Ganz nett. Der Refrain ist ziemlich eingängig und ich vermute, dass das Lied noch wesentlich mehr Potenzial hat als hier in der vorliegenden Aufnahme herüberkommt - da wurde einiges verschenkt. Bin gespannt, ob es davon noch eine bessere Live-Aufnahme oder so etwas geben wird. Zu wünschen wäre es.
4. "Believe in me": Arghs. Mehr fällt mir dazu nicht ein. An sich plätschert es ja ganz nett vor sich hin - wäre da nicht der nagende Verdacht im Hinterkopf, die Melodie schon mal gehört zu haben. Der banale Text rettet auch nichts, im Gegenteil. Diesen Track hätte man sich besser gespart, jedenfalls werde ich ihn in Zukunft konsequent überspringen.
5.&6. "Sake of the Song", "Song and Dance": Ich hatte mir ja eigentlich immer sehr gewünscht, dass "Sake of Song", das bisher nur als Bonus auf der Single "The times they are a changin'" erhältlich war, auch mal auf einem regulären Album erscheint. Aber bitte doch nicht so... Ich muss leider sagen: Die alte Aufnahme ist WESENTLICH besser als dieses Remake. Zwar wurde die Klangqualität verbessert, aber dafür ging Seele verloren; was ursprünglich ein beschwingtes Lied war, wirkt hier schleppend und träge... Schade drum. Das Lied an sich ist nämlich sehr gut.
7. "Celluloid Heroes": Der obligatorische Cover-Song und in meinen Augen genau so überflüssig wie die Cover-Songs auf früheren Alben. ^^ Ich weiß aber durchaus, dass viele Fans diese Aufnahmen schätzen. Nur gehöre ich nicht dazu. Ich finds nur langweilig.
8. "Keeper of the Flame": Schöne Melodie - nur leider ist der Text ein Total-Reinfall. Was düster-mysteriös scheinen soll, wirkt auf mich leider nur unfreiwillig komisch. Aber dafür finde ich es musikalisch wirklich klasse - nicht ganz so "glatt" wie der Rest des Albums. Das freut. Nur der Text... Bloß nicht hinhören. *seufz* Peinlich, peinlich.
9. "Night at Eggersberg": Tja, Ritchie Blackmore kann Gitarre spielen. Wer das vorher nicht wusste, weiß es spätestens jetzt. XD Hervorragender Instrumentaltrack, gehört zu meinen Lieblingsstücken auf diesem Album.
10. "Strawberry Girl": Man merkt, dass dieses Lied dem Töchterchen gewidmet ist. Sanft und fröhlich verbreitet es einfach gute Laune. Musikalisch ist es mMn nichts Besonderes, aber dafür hat es umso mehr Ausstrahlung und Seele. Allein schon deswegen ist es hörenswert.
11. "All the Fun of the Fayre": Endlich kommt der "klassische" Blackmore's Night - Sound zum Tragen. Dieses Lied hätte ebenso gut auf eins der ersten beiden Alben gepasst. Sehr eingängig und schön instrumentalisiert.
12. "Darkness": Woah. WOAH. Das, womit ich zu dem Zeitpunkt bei der CD gar nicht mehr gerechnet hätte: Ein Instant-Ohrwurm. Meiner Meinung nach DAS Lied auf diesem Album. Die Melodie ist traditionell, wurde hier aber gekonnt modernisiert, und sogar der (neu hinzugedichtete) Text passt: eingängig (ich konnte ihn nach dem zweiten Hören des Liedes mitsingen), passend und mit viel Ausstrahlung. Von daher kann ich die vielen negativen Kritiken hier, das Album hätte keine richtig herausragenden Songs, nicht nachvollziehen. Das hier IST einer. Meiner Meinung nach gehört das hier sogar zu den besten Blackmore's Night - Liedern überhaupt, man kann es sich problemlos stundenlang in Endlosschleife anhören (ja, ich hab's getan...), also ich zumindest bin begeistert.
13. "Dance of the Darkness": Das Lied "Darkness" in instrumental und mittelalterlich. Ebenfalls klasse. Ist aber eher als Gegensatz zum vorherigen Track zu verstehen denn als Ergänzung. Der Kontrast ist gewaltig.
14. "Health to the Company": Noch ein traditionelles Stück, schön gesungen, aber leider wenig originell arrangiert... Also man kann es sich gut anhören, ohne Zuckungen davon zu bekommen, es plätschert angenehm vor sich hin, aber die Dauer-Repetition des sehr aufdringlichen Refrains nervt nach dem dritten Mal einfach nur noch.
15. "Barbara Allen": Wie das Lied davor ist auch dieser Klassiker sehr schlicht arrangiert, aber im Gegensatz dazu PASST der Minimalismus hier auch und wirkt authentisch statt bloß uninspiriert. Candice Nights Stimme kommt gerade dadurch, dass die Instrumente sich weitgehend zurückhalten, hervorragend zur Geltung, also meiner Meinung nach ist die Aufnahme sehr gelungen.
Mein Fazit: Es sind einige ganz hervorragende Lieder auf dem Album ("Darkness"!!!, "Night at Eggersberg", "Vagabond", "Strawberry Girl"), aber eben auch viel Mittelmäßiges, einige Lieder, bei denen das volle Potenzial nicht ausgeschöpft wurde, und leider auch einige wirklich grauenvolle Totalausfälle ("Believe in me", "Sake of the Song"), so dass ich nur 4 Sterne geben kann, obwohl ich als langjähriger Fan gerne 5 gegeben hätte.