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Autopilot: Roman
 
 
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Autopilot: Roman [Englisch] [Gebundene Ausgabe]

Norbert Kron
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Alles beginnt mit der Fernsehmeldung von einem Flugzeugabsturz. Eine dreistrahlige MD-11 ist verschollen, der Funkkontakt abgebrochen, 226 Menschen tot. Aber etwas an der Meldung des berichtenden TV-Reporters ist anders, denn "alles, was für die Nachricht entscheidend wäre, fehlt": keine Gründe für den Unfall, keine Tonbandprotokolle und -- vor allem -- keine Wrack- und Leichenbilder. Nur Archivaufnahmen einer aufsteigenden MD-11 aus einem Werbefilm können eingeblendet werden. Im Grunde ist das die eigentliche, mediale Katastrophe: die völlige Bankrotterklärung einer auf sensationelle Bilder fixierten Welt.

"Flugzeugabstürze sind ein Genre für sich." Niemand weiß das besser als der erfolgsverwöhnte Produzent Michael Lindberg, der im Debütroman Autopilot des 36-jährigen Berliner Autors und Fernsehjournalisten Norbert Kron gerade sein neues Show-Format "Talk der Täter" entwickelt. Dann aber konfrontiert ihn die katastrophale Nachricht seiner Impotenz schockhaft mit der eigenen Existenz. Von nun an droht Lindberg selber abzustürzen. Am Vorabend seiner gentechnischen Reproduzierbarkeit zeigt Kron seinen Protagonisten schwankend zwischen Wahn und Wirklichkeit -- und beim Versuch, Realität und virtuelle Welten in einer Art kriminellem Finale wieder fruchtbar zu verbinden.

In Autopilot verliest der Nachrichtensprecher schließlich die Meldung, dass eine Untersuchungskommission zum Absturz der MD-11 ihr Abschlussgutachten vorgelegt habe: Unfallursache sei ein Kurzschluss gewesen, den Hinterbliebenen werde Schadensersatz in unbekannter Höhe versprochen. "Das ist die letzte, eigentliche Botschaft", heißt es in Autopilot, "die Botschaft hinter der Botschaft: dass das Äußerste, was sich im Leben tun lässt, die unpathetische Wiedergabe der Dinge ist". An den besten Stellen seines Romans hat Kron dies im Hinblick auf den schönen Schein der Medienwelt tatsächlich auch getan; an den schwächsten Stellen schimmert hin und wieder allzu offensichtlich "die Botschaft hinter der Botschaft" durch. Trotzdem: Autopilot ist eine selbstbewusste, sprachlich originelle Bestandsaufnahme menschlicher Hilflosigkeiten: Literarisch fruchtbarer kann man über Impotenz und Kontrollverlust wohl nicht schreiben. --Thomas Köster

Pressestimmen

"Es lohnt sich, für eine kurze Weile Fernseher, PC und anderes elektronisches Mediengerät auszuschalten und stattdessen diesen spannenden und zumeist souverän erzählten Roman zu lesen." Jochen Hörisch, NZZ, 9./10.3.02 "Norbert Kron hat sein intelligentes Gedankenspiel ohne Scheu vor medienkritischen Klischees mit den Mitteln des trivialen Gesellschaftsromans und der Kriminalgeschichte in Szene gesetzt... Gleichwohl ist es Kron gelungen, seine Kenntnisse der Medienwelt in einer kühl und umsichtig disponierten, dennoch fesselnden und manchmal sogar anrührenden Geschichte unterzubringen. Sein Debut bringt Evidenz bei, daß es eine junge deutsche Literatur gibt, der es um einen so kritischen wie unterhaltsamen Blick auf die gegenwärtige Wirklichkeit geht." Friedmar Apel, F.A.Z. 1.6.02

Kurzbeschreibung

»Ich habe Macht, Baby, ich bin der Erzeuger, der die Welt erschafft.« Michael Lindbergs Wunsch nach einem Kind wird zum Amoklauf …

Michael Lindberg hat sein Leben unter Kontrolle. Mit Mitte Dreißig ist er erfolgreicher Produzent von Fernsehshows und bereitet gerade ein neues, spektakuläres Format vor: ›Talk der Täter‹. Der Angriff auf sein Selbstwertgefühl kommt von ganz unerwarteter Seite: Er kann nicht Vater werden. Nein, an seiner Freundin Bea liegt es nicht, die Diagnose ist eindeutig. Der Regisseur einer perfekten virtuellen Welt steht fassungslos vor einer Situation, die nicht vorgesehen war in diesem vollkommenen, inszenierten Leben. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Der Verlag über das Buch

»Was man hier über das Fernsehmilieu liest, ist intelligent, kritisch, vernünftig […]. Und in der Liebesgeschichte – da sieht man, was in dem Autor steckt.« ZDF-Solo von und mit Marcel Reich-Ranicki

»Wie eine Antwort auf Houellebecq […] Ein bestechendes Buch über die existentielle Erfahrung männlicher Unfruchtbarkeit in einer hochtechnisierten Gesellschaft. In ihren virtuellen Bildwelten scheinen Vergänglichkeit und Tod zu verschwinden, und genau hier, bei der Menschlichkeit, nimmt Krons Romanwelt ihren Anfang.« NDR-Bücherjournal

»Norbert Krons Debüt zeigt, daß es eine junge deutsche Literatur gibt, der es um einen so kritischen wie unterhaltsamen Blick auf die gegenwärtige Wirklichkeit geht.« Friedmar Apel in der ›Frankfurter Allgemeinen Zeitung‹

»Ein beachtliches Début. ›Autopilot‹ führt die Medien-, die Gen- und die Demographie-Diskussion elegant zusammen.« Jochen Hörisch in der ›Neuen Zürcher Zeitung‹

»Eine Geschichte parabelhafter Natur, von einem Helden beispielhaften Charakters. [...] Kron liefert mit seiner Entzauberungsgeschichte die deutsche Antwort auf Frédéric Beigbeder.« Tilman Krause in der ›Welt‹

»Ein überaus bemerkenswertes Buch […], und Michael Lindberg das Paradeexemplar eines Homo Faber im fortgeschrittenen Stadium des Medienzeitalters.« Meike Fessmann in der ›Süddeutschen Zeitung‹

»Mit ›Autopilot‹ hat Kron sich thematisch auf Anhieb in die Liga von Thomas Meinecke und Norbert Niemann geschrieben.« Karin Cerny im ›Standard‹

»Bestechend ... ist die Leichtigkeit, mit der der 1965 geborene Norbert Kron zwischen den Ebenen laviert, wie die Repro-Medizin dazu dient, die Medienwelt zu erklären und das mediale Zeichen zum Garanten dafür wird, dass die Gattung Mensch noch eine Zukunft hat.« Ulrike Baureithel im ›Tagesspiegel‹

›Autopilot‹ ist eine selbstbewusste, sprachlich originelle Bestandsaufnahme menschlicher Hilflosigkeiten. Literarisch fruchtbarer kann man über Impotenz und Kontrollverlust wohl nicht schreiben.« amazon-Rezension

»Aufrüttelnd und unterhaltsam.« Mach mal Pause -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Norbert Kron, geboren 1965 in München, lebt in Berlin als freier Autor und Fernsehjournalist (u. a. »Aspekte«, »Kulturreport«). Er gründete die Literaturzeitschrift »Konzepte« und veröffentlichte Prosa und Essays u. a. in »Akzente«, »Sinn und Form«, in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. »Autopilot« ist sein erster Roman. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Autopilot. von Norbert Kron. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der Befund

Es war ein früher Tag im März, und der Mann, der mir im weißen Kittel
gegenübersaß, klappte die Karteikarte zu wie einen Kofferraum, in dem eine
Leiche liegt. Evident, in seinen Augen mußte ich getroffen sein, mußte
fassungslose Fragen stellen oder langsam in mich zusammensinken - doch ich
spürte überhaupt nichts, schaute einfach nur geradeaus. Während der Arzt, mit
rollenden Augen hinter der Brille, Fachausdrücke herzusagen begann, lief in mir
schon das Szenario ab, das ich mir für den schlimmsten anzunehmenden Unfall
zurechtgelegt hatte. Selbstprojektionstechnik, helicopter view: Ich sah mich in
der Mitte des Sprechzimmers sitzen, ein Mann, der den unerwarteten Befund mit
wunderbarer Gelassenheit zur Kenntnis nahm, und ließ mir von der
Sprechstundenhilfe einen neuen Termin geben, als handle es sich um die
wöchentliche Buchung eines Golfplatzes. Der Märzwind, in den ich trat, wehte süß
von der Schokoladenfabrik herüber, und auch jetzt war ich fest davon überzeugt,
im Grunde würde sich nichts in meinem Leben ändern.
Ich überließ mich dem besänftigenden Ritual der Fahrbewegungen, Gasgeben,
Kuppeln, Höherschalten, Gasgeben, und horchte auf den warmen Klang des Motors,
der wie aus der Ferne zu mir ins Cockpit drang. Noch auf der Herfahrt hatte ich
sämtliche Testergebnisse mit ihren Konsequenzen durchgespielt, eine Rechnung mit
rund 60 Millionen Unbekannten - und drei möglichen Lösungen. Erste Möglichkeit,
best case scenario, mit mir war alles in Ordnung, ich konnte jederzeit Kinder
haben, genau wie erwartet. Dann hatten wir bisher einfach Pech gehabt, oder
irgendwas stimmte nicht bei Bea. Nicht daß wir es die ganze Zeit wie verrückt
darauf angelegt hatten, Kinder zu kriegen, aber seit wir vor einem
Dreivierteljahr mit der Verhüterei aufgehört hatten, war nicht das Geringste
passiert. Bea wurde im Sommer 30, biologisch gesehen hatte sie also jede Menge
Zeit, aber sie wollte Kinder bald oder gar nicht. Jung und flexibel genug sein,
um von den Kindern was zu lernen, und noch was vom Leben haben, wenn sie erstmal
aus dem Haus sind. An diesem Morgen hatte sie noch geschlafen, als ich
aufgebrochen war. Sie machte sich wegen alldem keine Sorgen. Ich zog ihr nach
dem Aufstehen die Decke über die Schultern, aber sie boxte sie im Schlaf maulend
zurück und drückte sich, um die Außenwelt abzuwehren, die Hand aufs Ohr. Da lag
sie, mit ihrem braunen Haarschopf und den glänzenden Wangen, in unserem riesigen
Bett. Ich wollte ihr beim Aufbruch noch einen Kuß auf die Schläfe geben, aber
auch die bedeckte sie mit der Hand.
Ich reihte mich ein in den dreispurigen Strom der Stadtautobahn, Blick in den
Spiegel, Spurwechsel, Gasgeben - kilometerweiter Asphalt, der mich jeden Morgen
von zu Hause in die Produktionsfirma trug. Das zweite Szenario besagte: Es gab
da ein Problem, aber es war lösbar. Das Ganze glich einer Marktanalyse, mit
deren Hilfe man ein schwieriges Produkt etabliert. Bea und ich mußten uns in
Ruhe zusammensetzen und die medizinische Fehlermeldung durchgehen. Man konnte
langsame Spermien mit irgendwelchen Medikamenten auf Trab bringen, oder man
entnahm sie direkt den Hoden für eine künstliche Befruchtung. Ich war zu derlei
Prozeduren bereit, ich sah in der Zeugung eine biologische Reaktion, die
nachvollziehbar und beeinflußbar war, und nicht einen Schöpfungsakt, in den man
nicht eingreifen durfte. Es war wie bei der letzten Show, die aus unerfindlichen
Gründen katastrophal angelaufen war, das Model machte sich blendend auf dem
Schirm, sie hob sich in der roten Cadillacattrappe ab wie ein Engel im
Fegefeuer, blauer Lichtstreif im blonden Haar, sogar die Gespräche, die sie
führte, hatten Drive; und trotzdem kam die Show bei den Leuten nicht an. Die
Quoten wollten einfach nicht steigen - bis eine ausführliche Marktuntersuchung
aufdeckte, daß die Werbetrailer im falschen Umfeld plaziert waren und das
Zielpublikum erst eine Stunde später einschaltete. Sich in Zusammenhänge
versetzen, nicht beim ersten Rückschlag aufstecken, das war doch das Geheimnis
meiner erfolgreichen Existenzgründung.
Ich rollte die Rampe in die Tiefgarage hinab, Kupplung kommen lassen,
Schrittgeschwindigkeit halten, das Leuchtdisplay zeigte eine halbe Stunde
Verspätung. Ich hatte mich auf die dritte Möglichkeit gefaßt gemacht, worst case
scenario, und mir gesagt, daß dann einfach alles beim alten blieb. Ich konnte
keine Kinder zeugen, das hieß, nichts in meinem Leben würde sich ändern. Ich
hatte keinen Tumor und keine HIV-Infektion, ich stand nicht vor dem unfaßlichen
Tatbestand einer Diagnose, die mein ganzes Dasein jäh ins Zeichen einer
tödlichen Krankheit stellte - alles, was ich hinnehmen mußte, war eine Änderung
meiner Selbstprojektion: Ich mußte mich von einem Bild verabschieden, das ich
mir für meine zukünftige Person gut vorstellen konnte, geradliniger
Geschäftsmann, dessen Karriere durch Kinder noch eine zusätzliche Bedeutung
erhält, erfolgsgewohnter Fernsehproduzent und Familienvater. Dieser Befund kam
unerwartet, evident, aber es machte keinen Sinn, sich am Unmöglichen
aufzureiben: Ich mußte die Unternehmensziele neu definieren, die meine eigene
corporate identity betrafen.

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