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5.0 von 5 Sternen
Manchmal ist es der zweite Anlauf!, 8. Juni 2010
Als Hubert Winkels dem Roman bei Erscheinen die ganze Aufmacherseite des ZEIT-Literaturteils widmete und ihn über den grünen Klee lobte, habe ich mir "Autopilot" damals gekauft und muss gestehen, dass ich etwas Probleme hatte, in das Buch reinzukommen, so dass ich es nicht zuende las. Er geht in der Du-Form los, schildert die Geschichte eines Flugzeugabsturzes (übrigens eines realen, der Swissair-Maschine aus NY) und wechselt nach diesem Prolog in die zwar äußerst plastische, aber auch ziemlich unter die Haut gehende Szene, wo der Held in seiner Fernsehproduktionsfirma sitzt und, während er eine neue Show entwickelt, den Befund verdauen muss, dass er keine Kinder zeugen kann. Puh, ganz schön starker Tobak - ich glaube, mir war das damals einfach zu viel des 'Existentiellen'. Nun las ich im letzten Jahr den zweiten Roman von Norbert Kron, "Der Begleiter", und hatte so viel Spaß dabei, dass ich den ersten, den "Autopiloten", nochmal zur Hand nahm - und muss sagen: Ich finde ihn noch um eine ganze Ecke besser. Er ist intellektueller, das sicherlich, aber zugleich auch dramatischer, existentieller, anrührender, politischer - und wenn man erst mal drin ist, sogar noch spannender. Der Held, der erfolgreiche Michael Lindberg, hat eine sehr zeitgemäße (und vielleicht männliche?) Art, mit diesem medizinischen Angriff auf sein Macher-Ego umzugehen: er versucht seine Gefühle in einer noch gesteigerteren Erfolgsgier zu ertränken. Die Art, wie er mit seiner Freundin darüber 'redet', ist auf ergreifend ironische Weise geschildert, man möchte ihn (und auch sie) schütteln, weil man schon merkt, Leute, wacht doch auf, schaut an, wie euch das beide im Tiefsten berührt. Lindberg aber will stattdessen nun erst recht etwas 'Bleibendes' in seiner TV-Welt hinterlassen - und entwickelt eine Verbrecher-Talk-Show. Das ist wirklich ein zum Brüllen pfiffiges Format, wo mich nur wundert, dass es nicht längst ein Privatsender gekauft hat. Langer Rede kurzer Sinn: Das neue Medienbaby beginnt - wie jedes Kind? - Lindberg zunehmend über den Kopf zu wachsen und kann vor allem eines nicht heilen, die existentielle Verwundung, die der biologische Befund für ihn bedeutet - sprich die tiefe, grundlegende Frage, die der an ihn stellt: worum geht es denn wirklich im Leben? Was ist der Sinn, den deine Existenz hat in dieser kapitalistischen Medienwelt? Sind Kinder der Sinn oder sind sie auch nur 'Güter' oder 'Medien', in denen du dich selbst verwirklichst (wie bei den ganzen Hollywoodstars)? Wie wichtig ist es, ein Kind zu haben? Und was bedeutet dir vor allem der andere MENSCH, deine Partnerin? Rückwirkend gelesen erkennt man hier in der Liebesgeschichte des Romans (eine Hammer-Sexszene übrigens...) viel vorweg genommen oder angedeutet, was Kron dann in seinem "Begleiter" ganz ins Zentrum gerückt hat: die Frage, worum es eigentlich in Beziehungen heute geht - ob das auch alles nur ein Handel ist, eine gemeinsame Show, die so lange gut läuft, bis ein Beziehungs-(Geschäfts-)partner nicht mehr auf seine Kosten kommt? Oder ob eben eine gute faire Liebesbeziehung nicht der wahre Wert ist? Ich will den Schluss des Romans nicht verraten, aber spätestens hier versteht man dann auch, was die Rahmenerzählung von dem Flugzeugabsturz mit dem Ganzen zu tun hat: sie hebt die individuelle Geschichte von Lindberg auf ein allgemeinmenschliches Niveau. Deshalb, bingo, verschmelzen die Du-Form vom Anfang und die Ich-Erzählung von Lindberg im Epilog dann auch in eine Wir-Form. Letztlich geht es in dem Buch um nicht mehr oder weniger als die richtig große Frage: was machen wir mit Schicksal, dem wir als Menschen alle ausgeliefert sind? Wie gehen wir mit den Schlägen um, die wir meist nur Fernsehzuschauer in den Medien konsumieren (Erdbeben, Krankheit, Terroranschlag), aber die uns im Grunde jederzeit auch treffen können - und die uns alle die Frage stellen: was ist das Leben wert? Wie verleihen wir ihm heute in unserer Gesellschaft Sinn? Ein philosphischer Krimi, das Buch, wie ich ihn in der Form noch nie von einem jüngeren Autor gelesen habe!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Evident Mist, 17. Juni 2009
Norbert Kron beschreibt die inneren Nöte und Kämpfe eines Medienyuppies der erfährt, dass er zeugungsunfähig ist. Interessantes Thema, aber furchtbar umgesetzt. Der Erzählstil ist unnötig kopflastig und verschachtelt, auch der übermäßige Gebrauch des Wortes evident ist evident lästig. Ich habe schnell die Lust verloren, mich aber doch noch bis zum Ende gequält, in der Hoffnung, dass das Buch noch einen tieferen Sinn offenbaren würde. hat es aber leider nicht. Auch bleibt die Figur der Hauptperson unsympatisch und dem Leser gleichgültig. Man ist schon fast froh, dass er sich nicht fortpflanzen kann. Evident das schlechteste Buch, dass ich seit langem gelesen habe.
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