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Entstanden ist die Platte unter Führung von Gregor Hennig, seines Zeichens Schlagzeuger und Knöpfedreher der legendären Bremer Hip/Hop/Core Band Saprize und Haus-und-Hof-Produzent vom dahingeschiedenen Hamburger Label L’age-d’or (Lado), sowie diversen Platten von den Sternen, Trashmonkeys, Bernd Begemann, Superpunk und zahllosen skurrilen Undergroundperlen der goldenen 90er Jahre und der Neuzeit.
Wichtig war es dieses Mal, sich nicht aus dem Kosmos „Hamburg“ rauszubewegen. Wichtig war es jedoch auch, etwas zu erschaffen, dass nicht bereits im Keim von Hamburger Musikklischees erstickt wird. Aufgenommen wurde auf ausdrücklichen Wunsch Hennigs live und analog, um gar nicht erst in die Versuchung des Überproduzierens zu kommen. So entstand in seinem Studio „le Châtelet“ in Hamburg-Altona, zwischen Sofas und Gitarrenamps und in Bad und Küche eine Platte ohne Netz und doppelten Boden. Nicht perfekt eben. Viele Fehler. Viel Gefühl. Welcher Art allerdings ist bisher unklar.
Gab es beim Erstlingswerk „Jugend Violencia“ (produziert von Marc Schettler, Sportfreunde Stiller, etc) noch eine „Wall Of Sound“, unzählige Spuren und Bombast aus allen Ecken, schmückt sich das neue Werk einfach und allein durch eigentlich gar nichts, außer lediglich vielen kleinen liebevollen Details, Raffinessen und Songs, bei denen jeder für sich bereits als kleines Kunstwerk steht. Keine perfekt gecutteten Takes, keine Gitarrenwände und trotzdem fett aus jeder Pore. Punkrock? Wen Interessiert´s? Die Band scheinbar nicht. Keine guten Frisuren, keine Indie-Diskos, wenig jugendlicher Konsens.
Es gibt Klaviere, Synthies, Elektroschrott, Schlagwerk und jede Menge verstimmte Momente. Verzerrt, übersteuert, begehrt, überteuert. Das Album sucht zu keinem Moment nach der perfekten Hookline, weder für die Disco, noch für die Straße. Es kümmert sich wenig um seine Fans. Kein „Schön, dass du da bist“, oder „Wie geht´s Dir?“, nur Momente. Augenblicke.
Textlich düster. Apathisch und doch genau das Gegenteil. Kein Geschrei. Viel mehr ernstgemeinte Ablehnung. Keine Hymnen für das „Wir“ –Gefühl. Sixxxten 12 / Deutschland 0. Wortwitz. Die Liebe steckt auch hier im Detail. Leidenschaft? Er hat das böse Wort gesagt. Es ist selten, dass sich eine Band bereits beim zweiten. Album komplett neu erfindet. Aber nichts ist schlimmer als Stillstand, Mutlosigkeit und Kooperation mit der Gemütlichkeit.
Ich darf zitieren: „Ich möchte all diese Dinge gerne nie wieder sehen, Ich möchte ganz weit weg sein, um niemals zu verstehen, Ich möchte alles was ich weiß den Flammen übergeben, dieses Land hat beschlossen, es tut auch weiterhin weh.“ (Gedicht Für Egoisten)
Mathieu Chevrier (Hamburg, Winter 2010)
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