Erinnert sich noch jemand an die große Zeit der sogenannten "Hamburger Schule"? Das passierte im letzten Jahrzehnt und ehrlich gesagt, habe ich gar nicht mehr damit gerechnet, mich noch einmal mit, grob gesehen, ähnlicher Musik zu befassen. SIXXXTEN verstehen es, auf ihrer aktuellen Scheibe "Automat Supérieur" dieses Klischee der intellektuellen Studentenkapelle zu durchbrechen.
Geboten werden zwar deutsche, durchaus anspruchsvolle aber niemals abgehobene Texte. Dazu gibt es als Basis die Art Alternative Rock, wie er oft in den letzten Jahren gespielt wird. Durch die vielen Stakkato-Klänge im Gesang und bei den Gitarrenriffs, kann das erste Hören in gewisser Weise als Arbeit beschrieben werden. Im Nachhinein hat sich das aber gelohnt, denn nach und nach lassen sich richtige, kleine Perlen unter den dreizehn Stücken des Albums ausmachen.
Denn was SIXXXTEN von vielen ähnlich gelagerten Bands unterscheidet, ist der relativ rotzige Sound. Das liegt an den analogen Aufnahmen, welche grundsätzlich genau mein Ding sind. Weiter lässt sich auf der Scheibe neben interessanten Noise Rock-Quietschereien, eine dicke Portion punkiger Rock 'n Roll entdecken. Die schriftliche Verbeugung vor Bon Scott auf der Innenseite der CD-Hülle deutet bereits dezent darauf hin. Stücke wie "Wodka Hypnotika" oder das vorletzte "Kalte Stadt" glänzen mit tollen, auf den Punkt gespielte Gitarrenriffs. Da passen auch die zunächst ungewohnten deutschen Texte, welche teils angenehm aggressiv aus dem Sänger herausplatzen. Der absolute Höhepunkt ist das Stück "Geist", welches wirklich düster rüberkommt und schnell zum Ohrwurm heranwächst. Zu Abzügen führen das ein oder andere etwas schwächere Lied und die relativ kurze Spielzeit.
Trotzdem gefällt mir das Album der Nordlichter recht gut und selbst nach mehreren Durchgängen lässt sich immer wieder Neues entdecken. Auch wenn es bei dieser Veröffentlichung von SIXXXTEN nicht zum ganz großen Wurf reicht, besser als die Musik der Bands aus der Zeit der oben genannten, klassischen "Hamburger Schule", gefällt sie mir allemal.