"Das Auto wird zum Luxusobjekt", "Tanken ein Grund für steigende Verarmung und eine künftige Zweiklassengesellschaft" - Ein Blick in die nicht allzu ferne Zukunft oder doch nur medial aufgebauschte Schreckensvisionen? Fakt ist, gerade bei der Preisbildung mangelt es seitens der Ölkonzerne massiv an Transparenz, so dass man das Hochschrauben der Preise eher mit einer Art Tombola verbunden sieht, in der die Rechtfertigung aus einer ganzen Reihe von Möglichkeiten nach Zufallsprinzip ausgewählt wird. Konkrete Zahlen werden nur auszugsweise und zur Unterstützung von Marketingkampagnen veröffentlicht, folglich stochert man also selbst mit berechtigter Kritik im Nebel, ohne die realen Verhältnisse und Einflussgrößen zu kennen.
Mag.a Elisabeth Brandau, Leiterin der Abteilung Verkehrswirtschaft beim ÖAMTC hat sich deshalb mit "Autofahrer - Die Melkkühe der Nation" der Aufgabe verpflichtet, etwas Licht ins große Dunkel zu bringen. Nun ist der Letztverbraucher und Autofahrer als Melkkuh vor skrupellos scheinender Ausbeutung nicht sicher, er oder sie kann aber durchaus im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten etwas sparen. Spritsparender Fahrstil ist dabei nur ein heißer Tip, neben der gezielten Suche (S. 24-25) "nach billigen Versicherungsprämien und eine[r] möglichst niedrige[n] Kraftfahrzeugsteuer, die sich nach der Motorleistung richtet".
Der Ölpreis allerdings und damit die "Schuldenfalle Zapfsäule" sind dennoch dem Einfluss der Verbraucher entzogen, die sich oft nur wundern können wenn sinkende Rohölpreise an der Tankstelle zu keiner preislichen Veränderung oder sogar einem irrational wirkenden Ansteigen führen. Vergünstigungen werden nicht an den Letztverbraucher weitergegeben oder nur mit Verzögerung, die jährlichen Milliardengewinne und Zuwächse in der Branche haben 2008 angesichts der Preissteigerungen für einen leichten Skandal gesorgt, in dessen Folge geplante Preissteigerungen wohl ausgesetzt wurden. Richtig gezündet hat die öffentliche Empörung allerdings nicht, von einem Wandel in Richtung mehr Transparenz ist jedenfalls keine Spur.
In Österreich beeinflusst der Ölpreis sogar nur 10% des Benzin- oder Dieselpreises, der Rest der Preissteigerungen wird also entweder von den Konzernen dazuaddiert oder ist von Erhöhungen der Mineralölsteuer abhängig. Bis 1987 waren die Einnahmen aus der Mineralölsteuer noch zweckgebunden und dienten zur Erhaltung des Bundesstraßennetzes, doch seit der Aufhebung der Zweckbindung ist die Mineralölsteuer als fünftertragreichste Bundesabgabe zu einer Einnahmequelle geworden, auf die kein Finanzminister mehr verzichten möchte. Bei Einnahmen von 3,688 Milliarden Euro im Jahre 2007 kein Wunder.
Auch Vater Staat will neben zahlreichen Unternehmen an den Autofahrern verdienen und hat neben diversen Steuern auch die City-Maut als konkrete "Bestrafungsmaßnahme" für Autofahrer ins Spiel gebracht. Was in London schon gilt muss allerdings für Wien und die österreichischen Landeshauptstädte kein erstrebenswertes Ziel sein, denn neben dem Vorteil dass sich die Verwaltungen eine neue sprudelnde Einnahmequelle erschließen können, deren Erträge ohne Zweckbindung für alles, nur nicht den Ausbau des Nahverkehrs verwendet werden könnten. Dazu kommen die Risiken wie ein Aussterben der Innenstädte durch Umsatzrückgänge, eine Spaltung der Gesellschaft, die schlussendlich genau jene betrifft die beim Individualverkehr sparen "müssen". Autofahrer zu bestrafen, während der Nahverkehr nicht attraktiver gemacht wird und weiterhin Haltestellen geschlossen werden, wobei das Netz immer lückenhafter wird, sollte jedenfalls als das erkannt werden was es ist, ein Fehler und Schritt in die falsche Richtung.
Mit Spartipps und Hintergrundinformationen ist "Autofahrer - Die Melkkühe der Nation" die Quintessenz von Automobilclub-Broschüren und Ratgebern, was einem die empfehlenswerte Fachberatung bei ÖAMTC, ARBÖ oder ADAC in konkreten Fällen allerdings nicht erspart. Man sollte das Buch weniger als Nachschlagewerk, sondern mehr als Ratgeber verstehen, der neben detaillierten Informationen und Beschreibungen auch kurze Zusammenfassungen zu bieten hat. Bemängeln ließe sich trotz allem vielleicht der Stil, der zeitweise etwas zu sperrig wirkt, wobei mehr Prägnanz wünschenswert gewesen wäre. So fühlt man sich zeitweise immer wieder angehalten, die Zusammenfassungen nachzuschlagen, um die aus jedem Kapitel ableitbaren Empfehlungen oder Forderungen konkret zu verstehen.
Fazit:
Anders als der Titel vermuten lässt, kein populistisches Machwerk, dass Stimmung gegen die "verbrecherische Gewinnsucht der Ölkonzerne" machen soll, sondern eine durchwegs informative und erhellende Lektüre, über Sparpotentiale und Hintergründe beim Individualverkehr.