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5.0 von 5 Sternen
vielschichtige weiterentwicklung ..., 20. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Autobiographie. (Gebundene Ausgabe)
als newton margaret thatcher fotografieren sollte, versuchte er, als hintergrund den hotel-pool durchzusetzen - "was sie in ziemlich strengem tonfall ablehnte. es sei stürmisch draußen, sie wolle sich ihre frisur nicht ruinieren lassen. ich bat sie, sich auf einen stuhl zu setzen und die beine übereinander zu schlagen. ... sie setzte sich, aber schlug die beine nicht übereinander ... und lächelte säuerlich in die kamera... ich fand das foto wunderbar, sie sah darauf aus wie ein haifisch." dieser kleine einblick in den text der autobiographie newtons zeigt, dass hier nicht nur ein revolutionärer fotograf sich mit seinen wichtigsten werken vorstellt, sondern dass hier ein mensch spricht, der auch noch sinn für humor hat. den kleinen reproduktionen seiner wichtigsten fotos hat er kontinuierlich amüsant zu lesende statements beigegeben: "vor nicht allzu langer zeit sagte ich einmal in einem vortrag, riefenstahl sei ... leider ein alter nazi. ... helmut, du musst mir versprechen, dass du mich nie wieder einen alten nazi nennst, sonst darfst du mich nie mehr fotografieren. was konnte ich machen? da ich nun mal eine nutte bin und nur an die bilder dachte, hätte ich ihr notfalls auch die ehe versprochen." zur begegnung mit waldheim (und man muss wissen: helmut newton ist jude, floh aus deutschland, seine fotografische lehrmeisterin wurde im KZ ermordet): "ich bat ihn, doch bitte ernster zu schauen. er sagte, er möge keine ernsten fotos von sich. ich dachte mir: wenn er unheimlich wirken will, soll's mir recht sein. er wird schon sehen, was er davon hat." was man von dieser autobiographie hat? eine neue newton'sche dimension, eine verblüffende ebene parallel zu den fotografien, die entdeckung eines humorvollen, hintergründigen, genialen künstlers, der die absolut stabile fähigkeit zur distanz hat. eine lohnende lektüre.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Vom verzogenen Berliner Fratz zum Fotografen von Weltrang, 16. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Autobiographie. (Gebundene Ausgabe)
Helmut Newton, einer der weltweit berühmtesten Fotografen, verunglückte kürzlich im Alter von 83 Jahren tödlich in seinem Auto in Kalifornien. Wie wenn er es geahnt hätte, legte er vorübergehend seinen Fotoapparat zur Seite und schrieb seine am 31. Oktober 1920 begonnene Lebensgeschichte nieder. 2002 erschien das aus zwei Teilen bestehende 331 seitige Buch. Der umfangreiche erste Teil enthält die nicht ganz uneitle Schilderung eines Lebensweges, der den Autoren durch nahezu das gesamte 20. Jahrhundert und um die halbe Welt führt. Als verwöhnter, unsportlicher Sprössling eines jüdischen Knopffabrikanten wächst er im Berlin der Weimarer Republik und des aufkommenden Nationalsozialismus auf, schlägt sich eher schlecht als recht durch die Schule, genießt seine ersten Liebschaften , ist schon als Jugendlicher vom Fotografieren fasziniert und tritt als 16 - Jähriger in das Atelier der berühmten jüdischen Fotografin Yva ein. Um der Verhaftung durch die Nazis zu entgehen, verläßt er Ende 1938 Deutschland und flüchtet auf einem Passagierdampfer von Triest aus in Richtung China, eines der letzten Länder, das noch deutsche Juden aufnimmt. Mit nur 5 Dollar in der Tasche legt er in Singapur, der "erstklassigen Stadt für zweitklassige Leute" einen 2 - jährigen Zwischenaufenthalt ein. Zahlreiche amouröse Abenteuer bedeuten Stillstand auf seinem Weg zum erfolgreichen Fotografen. Mit Kriegseintritt der Japaner wird er mit den übrigen deutschen Juden nach Australien deportiert und interniert. Nach Absolvierung des australischen Armeedienstes eröffnet er in den 40er Jahren in Melbourne ein kleines Fotostudio. Er lernt seine Frau, die Schauspielerin June Brown, kennen, mit der von da an zusammenlebt. Über die Stationen London, Paris und New York, regelmäßige Aufträge durch das renommierte Modemagazin Vogue gelingt es ihm nach und nach seine provokante Bildsprache zu entwickeln. Seine Models inszeniert er als herausfordernd starke und erotische Frauen. Mit viel harter Arbeit und trotz zahlreicher auch gesundheitlicher Rückschläge wird er zu dem weltbekannten Modefotografen. Im zweiten kürzeren Teil des Buches berichtet er in mitunter anekdotenhafter Form über Höhepunkte seines Schaffens. Zahlreiche seiner in Miniaturformat wiedergegebenen Aufnahmen gewähren einen interessanten Einblick in seine Arbeiten von den 50er Jahren bis Anfang dieses Jahrhunderts. Bekannt wurde er durch seine Modeaufnahmen, später auch Portraits von Prominenten und Naturaufnahmen, vor allem aber in den 80er Jahren durch die "Big Nudes", Aktaufnahmen von unterkühlter Erotik. Bedenkt man, daß sein Vater ihm außer Mädchen, Fotografieren und schönem Leben keine ernsthafte Lebensziele zutraute, so hat Newton doch mit der Konzentration auf das mittlere (und das erste) Interesse ein Optimum erreicht. Im Herbst seines Lebens wurde er denn auch mit dem "Grand Prix National" (1990), dem "Großen Bundesverdienstkreuz" (1992) und dem "Commandeur des Arts et Lettres" (1996) international ausgezeichnet. Das zahlte sich auch finanziell aus, konnte er doch mühelos 50.000 Dollar für den Fototag verlangen. Fazit: Ein Buch in leicht verständlicher Sprache, das interessanten Einblick in die Welt eines Egomanen des 20. Jahrhunderts mit ausgeprägtem Selbstdarstellungstrieb gewährt. Newtons Selbstbiographie gehört zwar nicht zur Kategorie "große Literatur", ist aber als unterhaltsame, streckenweise amüsante Beschreibung eines außergewöhnlichen Lebens während historisch faszinierender Zeiten so lesens- wie empfehlenswert.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unterhaltsam, 7. Juli 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Autobiographie. (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch konnte ich kaum aus der Hand legen, auch wenn ich mehr Statements zur Fotographie erwartet hatte. Aber die Geschichte eines Berliner Jungen, der von den Nazis vertrieben wird, weil er Jude ist, der eine neue Heimat in Australien findet und sich später einen Namen in Paris macht, ist durchgängig spannend. Newton beschreibt zudem sehr interessant wie es in Singapur in den 40er zuging und wie sich die Australier gegenüber den Deutschen verhalten haben. Er schreibt kurzweilig, lustig, manchmal klingt es fast zu locker, aber es bleibt immer ein roter Faden - die Liebe zu den Frauen und zur Fotographie. Die Liebe zur Mode kommt auch hinzu, aber das ist wohl eher das schöne Drumherum der Frauen (und Männer). Und Newton zieht es zu den Frauen, zeitweilig sichert ihm sein Aussehen und seine Talente sogar das Überleben. Durch das Fotografieren großer, schöner Frauen ("big nudes") wird Helmut Newton dann sehr, sehr berühmt. Das diese Bilder mit einer minimalistischen Ausrüstung entstanden, spricht für den direkten, kreativen Weg zu den Bildern. Newton braucht manchmal nicht mehr als 72 Bilder für eine Vogue-Fotostrecke. Weniger ist eben mehr, könnte das Motto seiner fotographischen Arbeit heißen. Also ein Buch für Fotofanatiker und Menschen, die sich für interessante Autobiographien interessieren.
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