Benjamin Franklins Autobiographie gilt heute als eines der ersten klassischen Werke der amerikanischen Literatur, und ohne Frage ist die niedergeschriebene Lebensgeschichte einer solch faszinierenden Persönlichkeit nichts weniger als sehr bedeutend. Der kleine Haken dabei ist, dass Franklin seine Biographie nicht mehr beenden konnte.
Das Vorliegende Werk umfasst etwa zwei Drittel der Themen, die Franklin in seinem Konzept für das Buch vorgesehen hatte. Dabei liegen auch diese lediglich in ihrer ersten, nicht überarbeiteten Version vor.
Die Autobiographie ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil umfasst 92 der 140 Seiten, und wurde von Franklin im Jahr 1771 für seinen Sohn verfasst. In diesem Teil erzählt Franklin seine Lebensgeschichte von der Geburt (1706) bis 1730, dem Jahr, in dem er als selbstständiger Buchdrucker beschäftigt war, und sich zunehmend stärker in der lokalen Politik Philadelphias engagierte. Es folgen zwei Briefe von Bekannten Franklins, denen dieser erste Teil von Franklins Lebensgeschichte in die Hände gelangt war, und die ihn in ihren Briefen auffordern, seine Biographie, weniger für seinen Sohn als im Interesse Jedermanns, zu Ende zu schreiben. Damit beginnt Franklin 1784, als er bereits als Botschafter in Paris lebt. Der folgende zweite Teil umfasst die Zeit von 1930 bis ins Jahr 1757, und endet mit seiner zweiten Reise in die alte Welt nach London.
Der erste Teil der Autobiographie Benjamin Franklins ist eine Mischung aus Lebensgeschichte und Ratgeber, letzteres mit Sicherheit nicht zuletzt da er seinem Sohn einige gute Ratschläge mit auf den Weg geben wollte. Während Franklin seinen Aufstieg vom jüngsten von 17 Kindern in einer armen Familie zum selbstständigen Geschäftsmann und angesehenen Mitglied der Gesellschaft schildert, verweist er immer wieder auf Eigenschaften und Tugenden, die ihn in seinen Augen zu einem besseren Menschen machten. Er erklärt, wie man sie trainieren kann, und wie ein Mensch seinen Alltag bestreiten kann, ohne auch nur eine Minute zu verschwenden. So ist dieser Teil ein Paradebeispiel für den später viel zitierten amerikanischen Traum: Ein Aufstieg aus armen Verhältnissen bis an die Spitze einer Nation.
Im zweiten Teil des Buches, den er nunmehr als reguläre Biographie, nicht in Form eines Briefes an den Sohn verfasste, fokussiert er sich auf die wichtigen Ereignisse in seiner und der jungen amerikanischen Geschichte. Er beschreibt seinen Aufstieg zu einem der wichtigsten Ratgeber der lokalen Politiker und dem großen Staatsmann, der er schließlich geworden ist. Der zweite Teil leidet dabei ein wenig darunter, dass Franklin keine Zeit mehr fand, ihn zu überarbeiten, und stellenweise zu erweitern. So werden einige Ereignisse nur grob geschildert, und gelegentlich springt er in der Handlung stark. Nichtsdestotrotz liefert gerade dieser Teil dem Leser einen Einblick in die Entstehungszeit einer der größten Nationen der heutigen Welt.
So ist die Autobiographie in zweierlei Hinsicht ein wichtiges Werk: Zum einen ist in ihr beispielhaft beschrieben, wie ein Mensch mit Disziplin, Ehrgeiz und harter Arbeit auch entgegen schlechter Bedingungen etwas Großes aus seinem Leben machen kann. Zum anderen gibt es einen Einblick in die Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Bezug auf diesen Aspekt ist es dabei natürlich besonders schade, dass die Biographie noch vor dem Unabhängigkeitskrieg abbricht.
Auf den Autobiographischen Teil des Buches folgt in dieser Version das Konzept, dass Franklin für seine Memoiren entworfen hatte, und ein Nachwort von Klaus Harpprecht, Buchautor, früherer USA-Korrespondent des ZDF und Redenschreiber Willy Brandts. Harpprecht gibt noch einmal eine knappe Zusammenfassung von Franklins Leben, und fasst schließlich die Wirkung von Franklins Buch zusammen, in dem er Reaktionen auf das Buch wiedergibt, und auch selbst die Wichtigkeit oder Auffälligkeiten einzelner Abschnitte und Erzählweisen Franklins analysiert.