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Autobahn zum Mutterkreuz: Historikerstreit der schweigenden Mehrheit
 
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Autobahn zum Mutterkreuz: Historikerstreit der schweigenden Mehrheit [Taschenbuch]

Wolfgang Wippermann
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Rotbuch Verlag; Auflage: 1 (15. Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3867890323
  • ISBN-13: 978-3867890328
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,2 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 407.905 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Wolfgang Wippermann
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

In jüngster Zeit wird wieder die Frage aufgeworfen, ob im Dritten Reich wirklich alles schlecht gewesen sei. Gab es nicht auch »gute Seiten«? Leitbilder wie »Gemeinschaft«, »Mutterschaft«, »Kinder«, Erfolge wie »Vollbeschäftigung « und »die Autobahn«? Und haben die 68er uns verboten, frei und offen über all das zu reden? Diese und andere Themen bestimmten die Debatte, die sich an den Thesen der Autorin und Fernsehmoderatorin Eva Herman entzündete. Geführt wurde die Auseinandersetzung in Fernsehsendungen, Zeitungen, Blogs und Internetforen sowie in vielen Briefen und Mails von Angehörigen der sonst schweigenden Mehrheit, die sich positiv über Hermans Werte und Hitlers Autobahn und negativ über die 68er äußerten. Dieser »Historikerstreit der schweigenden Mehrheit « macht eines deutlich: Zur offensichtlich unzureichend aufgearbeiteten Vergangenheit kommt eine noch zu bewältigende Gegenwart mit alten und neuen Feindbildern und »Werten«.

Über den Autor

Wolfgang Wippermann, geboren 1945 in Bremerhaven, ist Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin. Zahlreiche Gastprofessuren und Veröffentlichungen. Einem größeren Publikum bekannt wurde Wolfgang Wippermann durch seinen Auftritt als Experte beim Eklat um Eva Herman in der Johannes-B.-Kerner-Show und als Historiker für die »Bild«-Zeitung.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Anlass des Buches war die Kerner-Sendung vom 09.10.2007 um Äußerungen und Thesen Eva Hermans, in welcher der Autor als NS-Experte zu Rate gezogen wurde. Es basiert auf der Auswertung zahlloser Leserbriefe an die BILD sowie von Beiträgen in Internetblogs und -foren, die sich auf den Medienskandal bezogen. Daraus könnte man in der Tat den Schluss ziehen, dass es in Deutschland eine problematische Vergangenheitsbewältigung gibt und dass viele Gräueltaten der Nazi-Zeit von einem Teil der Bevölkerung regelrecht verdrängt werden. Überrascht hat mich dies allerdings nicht. Ich denke, entsprechende Erfahrungen kann fast jeder Bundesbürger machen, der seine Augen und Ohren offen hält. So offenbar auch Eva Herman: Sie selbst zeigte vor Jahren einen Taxifahrer an, weil der in Gegenwart ihrer jüdischen Freundin den Holocaust leugnete.

Das eigentlich Problematische an diesem Buch ist jedoch dessen Anlass und die Rolle, die auch der Verfasser dabei spielte. Eva Herman hatte am 06.09.2007 bei der Vorstellung ihres Buches Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen eine Bemerkung zur Familienpolitik im Nationalsozialismus und zu "Werten" gemacht, die seitens des Hamburger Abendblattes falsch wiedergegeben und nicht im Sinne ihrer Intention interpretiert wurde. Dafür sprach ihr das OLG Köln zwei Jahre später ein Schmerzensgeld in Höhe von 25.000 Euro zu. Doch das war zwei Jahre nach dem Vorfall. Unmittelbar nach dem Bericht des Hamburger Abendblattes wurde die Meldung von der braunen Eva ("Braun") von der gesamten Medienlandschaft geradezu begierig aufgenommen und in vielfältiger Weise multipliziert. Alle Gegendarstellungen Eva Hermans nützten nichts: Man hatte sie längst zur Nazi-Befürworterin abgestempelt. Am Ende sprach sie resigniert von einer "gleichgeschalteten" Presse. Doch selbst daraus versuchte man ihr einen Strick zu drehen. Und so lautete denn eine Überschrift des SPIEGELs am 28.09.2007: "Herman wehrt sich - mit NS-Begriffen", völlig ignorierend, dass ihr NDR-Programmdirektor Volker Herres wenige Wochen zuvor mit den Worten, sie führe einen Mutterkreuzzug, fristlos gekündigt hatte, d.h. gleichfalls mit NS-Begriffen.

Zum großen Show-down kam es dann wenige Tage später im Eva Herman-Tribunal bei Johannes B. Kerner, zu welchem man den Verfasser als Experten eingeladen hatte. Dabei warf er Eva Herman wörtlich vor: "...aber dieses K,K,K im Dritten Reich war etwas anderes, nämlich es war Rassenzucht, Rassenvernichtung im Rassenstaat, und diesen Unterschied, den haben Sie verwischt, und das war problematisch. Ich darf das ausführen vielleicht: Rassenzucht bedeutete, dass Frauen erniedrigt wurden zu Muttertieren ,die wurden ausgezeichnet, wie Kühe geradezu, für Kinder, vier Kinder gab das Mutterkreuz in Bronze, für sechs gab es Silber, und acht waren Gold. Das wollen Sie doch nicht. Es wurden Frauen ermordet, als Jüdinnen, als Sinti, als Roma, aber auch als Asoziale und Kranke oder Schwachsinnige." Die sichtlich irritierte Eva Herman antwortete damals: "Also vielen Dank erst Mal für den Geschichtsunterricht, aber das sind keine Neuigkeiten, die Sie gerade von sich gegeben haben. Und wenn Sie hierher kommen und Sie mit mir darüber sprechen wollen, dann setze ich voraus, dass Sie vielleicht auch meine Bücher gelesen haben und dann wissen Sie auch, dass beispielsweise in dem Buch 'Das Eva-Prinzip' ich mich mit einem langem Unterkapitel genau um diese Zeit kümmere und damit intensiv auseinandersetze und über die verheerenden Zustände in dieser Zeit berichte und über die ausbeuterischen Zustände der Mutter und ich distanziere mich hier noch einmal sehr energisch."

In der Tat: Im bereits 2006 erschienen Das Eva-Prinzip: Für eine neue Weiblichkeit äußert sich Eva Herman auf den Seiten 140-145 voller Abscheu über die Familienpolitik der Nazis, wobei sie allerdings primär die bedenklichen nationalsozialistischen Erziehungsziele in den Vordergrund stellt. Ihre Analyse gipfelt in der Aussage, und ich denke, ganz besonders dies dürfte in bestimmten Kreisen für Verärgerung gesorgt haben, dass die aktuelle Politik, Eltern sollten ihre Kinder möglichst schnell in einer Krippe abgeben und wieder einer Erwerbsarbeit nachgehen, eine viel größere Nähe zur NS-Familienpolitik besitzt, als die Vorstellung von der sich ganztägig um ihre Kinder kümmernden Mutter und Hausfrau.

Dass Herr Wippermann sich in eine Fernsehsendung setzt und gegen eine andere Person Vorwürfe erhebt, ohne sich vorher angemessen über deren Publikationen zu informieren (und ohne die Authentizität eines Zitats zu prüfen), könnte man noch als Zeichen fehlender Professionalität werten. Dass er aber auch im Nachhinein - nach expliziter Ermahnung durch die Betroffene selbst - bei seiner selbstgerechten Haltung geblieben ist, weist auf ein mangelhaftes Demokratieverständnis hin. Und das ist dann das eigentlich Bedenkliche an Wippermanns Buch: Es arbeitet damit letztlich extremistischen Kreisen in die Arme.

Autor und Verlag wären - auch angesichts der in der Zwischenzeit gefällten Urteile zu Gunsten Eva Hermans - gut beraten, dieses peinliche Buch zurückzuziehen oder es zumindest von Grund auf zu überarbeiten.
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20 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Herman-Kontroverse 15. April 2008
Format:Taschenbuch
Viele Fernsehzuschauer erinnern sich noch an Eva Hermans Auftritt in und ihren Hinauswurf aus der Talkshow von Johannes B. Kerner im Oktober 2007. Der Berliner Historiker Wolfgang Wippermann, der an dieser Sendung als NS-Experte teilgenommen und Eva Herman kritisiert hatte, erhielt anschließend ein Flut von Zuschriften, in denen er beschimpft, beleidigt und sogar bedroht wurde.

Er hat dies zum Anlass genommen, Hermans Äußerungen, deren Vorgeschichte und die anschließende öffentliche Debatte in dem nun vorliegenden Buch darzustellen. Dabei stützt er sich auf die Auswertung von rund zweitausend Leserbriefen an die Bild"-Zeitung sowie der Diskussionen in einer Reihe von Blogs und Internetforen.

Die Debatte entzündete sich speziell an Hermans lobenden Äußerungen zur nationalsozialistischen Familien- (Stichwort Mutterkreuz") und Verkehrspolitik (Stichwort Autobahnen") sowie ihrer Kritik an den ihrer Meinung nach gleichgeschalteten" Medien, die es unmöglich machten, solche Dinge öffentlich zu äußern.

Während die traditionellen Medien diese Auffassungen überwiegend zurückwiesen, artikulierte die von Wippermann so genannte schweigende Mehrheit" in Leserbriefen und im Internet oft lebhafte Zustimmung. Deren Tenor lautete, es sei tatsächlich unter Hitler nicht alles schlecht gewesen, bestimmte Werte hätten damals noch gezählt, die Achtundsechziger" hätten die alle zerstört und als faschistisch denunziert, und die von ihnen beherrschten Medien übten eine Meinungsdiktatur aus, die Kritiker mundtot mache. Dabei wurde der rassistische Kontext speziell der nationalsozialistischen Familienpolitik meist ausgeblendet. Häufig wurden auch ausgesprochen antisemitische Ressentiments geäußert, etwa die unterstellte Meinungsdiktatur auf den Einfluss der Juden" zurückgeführt.

Wippermann folgert daraus, eine schweigende Mehrheit" identifiziere sich mit Positionen, die nur scheinbar konservativ, tatsächlich aber latent oder offen pro-nazistisch seien. Er macht das Internet dafür verantwortlich, dass solche Einstellungen, besonders Verschwörungstheorien, immer stärkere öffentliche Verbreitung erführen, und schließt mit dem Aufruf, sie noch deutlicher als bisher als faschistisch zu brandmarken.

Obwohl Wippermann in der Einleitung beansprucht, quellenkritisch, ideologiekritisch und diskursanalytisch vorzugehen, ist sein Buch von wissenschaftlichen Standards weit entfernt. Bereits die verwendeten Begriffe sind weder theoretisch untermauert noch hinreichend definiert:

Er nennt traditionell-katholische Positionen fundamentalistisch", CSU-Politiker extrem rechts", verwendet den Begriff faschistisch", ohne deutlich zu machen, auf welche der vielen Faschismusdefinitionen er sich bezieht, und spricht penentrant häufig von der schweigenden Mehrheit", wobei er offenlässt, ob er dabei ironisch auf das Selbstverständnis des betreffenden Personenkreises anspielt oder buchstäblich eine Mehrheit der Bevölkerung meint.

Solche Schlamperei ist mehr als nur eine lässliche Sünde. Sie entspringt vielmehr der Absicht des Autors, die von ihm abgelehnten konservativen Werte (Ehe, Familie, Patriotismus) und ihre Verfechter in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken. Der Komplexität der Zusammenhänge zwischen konservativen Werten und nationalsozialistischer Ideologie wird er damit kaum gerecht, es hat auch nichts mit wissenschaftlicher Ideologiekritik zu tun. Mit politischer Polemik schon eher.

Da hilft es auch nicht, dass der Autor Leserbriefe und Blog-Kommentare als Belege heranzieht. Gewiss ist seit langem bekannt, dass Teile der deutschen Öffentlichkeit die NS-Zeit positiver bewerten als es dem offiziösen Geschichtsbild entspricht. Auch das immer noch erschreckend hohe Maß an Antisemitismus ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Bekannt ist auch, dass Menschen, die so denken, sich gerne ein konservatives Mäntelchen umhängen. Daraus aber zu folgern, Konservatismus sei per se vor allem ein bürgerliches Feigenblatt faschistischer Ideologie, wie der Autor an etlichen Stellen zumindest suggeriert, ist intellektuell unredlich und demagogisch.

Nichtsdestoweniger ein interessantes Buch: Die Herman-Kontroverse war ja wirklich in vieler Hinsicht denkwürdig, und es ist ungeachtet der einseitigen Interpretation durchaus verdienstvoll, dass Wippermann sie in Buchform aufbereitet, bevor sie dem Vergessen anheimfällt. In dieser Hinsicht ist das schmale Büchlein außerordentlich informativ.

Zukunftsweisend ist auch, dass der Autor als einer der ersten systematisch die Reaktion der Blogosphäre, also der Internet-Öffentlichkeit, ausgewertet und damit der wachsenden Bedeutung dieses Mediums für die öffentliche Meinung Rechnung getragen hat - auch wenn er diesen Einfluss aus der Perspektive einer um ihre Deutungshoheit fürchtenden wissenschaftlichen Elite allzu negativ bewertet.

Gerade diese Befürchtung hätte ihm Anlass sein können, jenen Anspruch auf Deutungshoheit durch eine entsprechend saubere und wissenschaftlich fundierte Arbeit zu untermauern.

Stattdessen gibt er implizit genau jenen von ihm kritisierten Verschwörungstheoretikern recht, nach deren Auffassung die etablierten Meinungseliten missliebige, weil der Political Correctness widersprechende Positionen als faschistisch abstempelten statt sie inhaltlich zu widerlegen.

Für ein linkes Publikum, das bei Wippermann in den Genuss der Streitschrift eines Gleichgesinnten kommt, ist das Buch allemal lesenswert. Allen anderen bleibt - neben dem reinen Informationsgehalt - immerhin die Überraschung, mit welcher Nonchalance die Verfechter der Political Correctness auch heute noch nichtkanonisierte Meinungen als Ketzerei verteufeln - und im selben Atemzug vehement bestreiten, eben dies zu tun.
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10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Autobahn zum Märtyrium 11. Januar 2010
Von B. Dietz
Format:Taschenbuch
"Autobahn zum Märtyrium" wäre wohl der treffendere Buchtitel gewesen. Vollkommen uneigennützig setzte sich Herr Wippermann mit seiner Wertung von Frau Hermanns Aussagen den Angriffen einer angeblichen Mehrheit aus und schrieb anschliessend gleich noch ein Buch darüber.
Der Leitsatz "Traue keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast." ist selten treffender, wenn man sich überlegt wer hier die Auswertung von Zuschriften und Internetkommentaren vornimmt um daraus objektiv eine allgemeine Einstellung bzgl. dem Nationalsozialismus ableiten zu wollen. Wenn die eigene Reputation auf dem Spiel steht scheint auch ein Professoren Titel kein Garant mehr für wissenschaftlichen Anspruch zu sein. Der längst fälligen seriösen Auseinandersetzung mit der Thematik, der sich Herr Wippermann selbst verschrieben hat, schadet dieses Buch eher, da es aufgrund der persönlichen Interessen nur ein Zerrbild wiedergibt, in dem die "Mehrheit" anhand von Hetzbriefen "durchgeknallter" Nazis repräsentiert wird.
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