Seit über 60 Jahren gibt es "auto motor und sport" (ams), das u.a. vom nun über 90jährigen früheren Rennfahrer Paul Pietsch nach dem 2. Weltkrieg gegründete 14tägliche Magazin. Schon aus dieser Tradition heraus dürfte ams eine gewisse geistige Führungsrolle auf dem Markt der Autozeitschriften nicht abzusprechen sein, wenngleich die seit 1984 im Tabloidformat erscheinende Wochenzeitung "Auto Bild" eine höhere Auflage hat, allerdings wohl auch einen anderen Leserkreis anspricht. Ansonsten hat sich ams gegen alle Konkurrenzprodukte durchgesetzt, teilweise auch gegen Publikationen aus dem selben Verlagshaus: Die bis in die 1960er Jahre vom Gildeverlag des H.G. Dobler veröffentlichte "automobil illustrierte" (später in der von 1966 bis 2001 erschienenen herrlichen "rallye racing" aufgegangen, die selbst zur inzwischen zur bloßen Beilage der "Auto Bild" verkommenen "Auto Bild motorsport" wurde), die Frankfurter "Motor Rundschau" als Magazin mit besonderer technischer Kompetenz (in die Stuttgarter "mot" übergeleitet, die schließlich selbst leider vom Markt verschwand), die einstige "Deutsche Automobil Revue" im Zeitungsformat - sie alle gibt es lange nicht mehr. Einzig verbliebene Konkurrenz in Qualität, Präsentation und Kompetenz ist die 1969 von einem Team um Hans-Wilhelm Gäb und Rainer Braun gegründete, zunächst als Zeitung, dann aber alsbald als Magazin herausgekommene "Auto Zeitung" (az) des Heinrich Bauer Verlages.
Die Zeiten, als manches Heft von ams mehr als 300 - ja bis zu 352 - Seiten hatte, sind zwar längst vorbei. Dennoch kann sie immer noch mit einem regelmäßigen Umfang von etwa 140-180 Seiten aufwarten, der allerdings wegen eines Anzeigenanteils von rund 35% bei den redaktionellen Seiten kaum über der deutlich preiswerteren "auto zeitung" (az) liegt. Der Schwerpunkt der Berichterstattung konzentriert sich bei der ams eindeutig auf den Bereich Test und Technik: Vorstellung neuer Modelle und Technologien, Fahrberichte, Einzel-, Doppel-, Vergleichs- und Dauertests über 100.000 km. Diese Beschreibungen sind kompetent, interessant und sachlich sowie teilweise auch mit Leidenschaft verfasst und können durchaus ernsthafte Hilfestellung bei einer Kaufentscheidung sein. Das Markt- und Markenspektrum wird ziemlich vollkommen abgedeckt: vom Polo bis zum Porsche Turbo, vom Fiat 500 bis zum Ferrari 599. Mit dem zuweilen erhobenen Vorwurf der Parteinahme für die Fahrzeuge von Volkswagen und Mercedes-Benz wäre ich vorsichtig - die Ergebnisse lassen sich fast immer aus Messwerten und nachvollziehbaren Fahreindrücken herleiten. Im Bereich der Fahrzeug-Tests ist die "auto zeitung" allerdings eine ernsthafte Konkurrenz, bei der der Anteil sehr attraktiv mit schönen Aufnahmen präsentierter Vergleichstests noch deutlich höher ist. Sind die Texte bei ams auch ausführlicher, so erfüllen die etwas knapperen Darstellungen der az ebenfalls das fachliche Informationsbedürfnis. Beide Zeitschriften stellen auch regelmäßig besonders reizvolle Pkws aus dem Segment der Supersportwagen, der Klassiker vergangener Zeiten und der Luxusfahrzeuge bestens illustriert vor. Dabei erscheinen die Texte der ams manchmal etwas enthusiastischer, dafür aber die Fotos der az etwas brillanter.
Wirklich sehr gut ist ams im Magazin-Bereich als Ratgeber, bei der Präsentation alternativer Antriebskonzepte, bei verkehrspolitischen Themen und den Berichten aus der Automobil-Wirtschaft. Hier ist über die Jahrzehnte hin ein bemerkenswerter Wandel vom Fürsprecher ambitionierter Schnellfahrer zum Vermittler von Fahrfreude unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte festzustellen. Solange dieser "grüne Anstrich" nicht übertrieben wird, soll das so auch gut sein. Die jeweils am Heftende platzierte Berichterstattung über den Automobilsport ist sehr aktuell, vielfältig, sehr gut illustriert und gemessen am Anspruch von ams, alle Bereiche automobilen Lebens abzudecken, auch relativ umfangreich. In diesem Punkt liegt ams klar vor der az, die neben der Formel 1 nur recht spärlich über den Motorsport berichtet.
Insgesamt steht meines Erachtens "auto motor und sport", die ich nun - ohne ein einziges Heft auszulassen - seit 47 Jahre lese, immer noch auf Rang Eins der deutschen Automobilzeitschriften, die möglichst umfassend informieren. Allerdings ist die "auto zeitung" durchaus eine Alternative - und das nicht nur wegen des günstigen Preises.