Man sollte meinen, dass ein solches Buch aus dem Jahre 2001, welches sogar Texte aus früherer Zeit enthält, inzwischen veraltet sein müsste. Dem ist jedoch nicht so. Die Inhalte sind noch immer gültig und zutreffend, da das deutsche Schulsystem für autistische Kinder nach wie vor keinen allgemein zugänglichen, spezifischen Rahmen der Wissensvermittlung bietet. Die jungen Autisten wären mit ihrem speziellen Profil selbst auf der Sonderschule ein Sonderfall und gehörten je nach ihrer Intelligenz auch nicht dorthin. In der Regelschule wiederum wären sie sozial und sensorisch überfordert, was das Lernen oft sehr stark einschränkt. Dazu werden sie dort leicht zum Opfer von Mobbing.
Eltern autistischer Kinder wissen, welches Reizthema die Schule sein kann und wie schwierig sich eine Integration gestaltet. Es wird sehr treffend beschrieben, welche Probleme in der Schule auftreten können, warum sie auftreten und wie man den Herausforderungen begegnen kann.
Weiterhin wird dargestellt, welch hoher bürokratische Aufwand erforderlich ist, um eine reine Autisten-Schulklasse zu gründen, wenn sich genügend autistische Kinder für ein solches Projekt zusammenfinden. Es wird auch begründet, warum dieser Weg sinnvoller ist als die Integration in Regelschulklassen und welche Erfahrungen im Modellversuch (die Klasse der "Muschelkinder") gesammelt wurden. Dass das seinerzeit gestartete Projekt erfolgreich war, zeigt auch die Tatsache, dass es nicht beim Modellversuch blieb, die Klasse der "Muschelkinder" noch heute existiert und immer weitere Jahrgänge nachfolgen. Damit wird jungen Autisten eine echte Entwicklungs- und Zukunftsperspektive geboten.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der mit autistischen, schulpflichtigen Kindern zu tun hat, egal ob es sich dabei um Eltern, Pädagogen oder anderweitige Fachkräfte handelt.