Wer sich vor allem für die geschichtliche Entwicklung des Autismus-Begriffs interessiert, der wird hier fündig. Die An- und Einsichten zahlreicher Autoren, die in Verbindung mit dem Autismusspektrum publiziert haben, werden systematisch gegenübergestellt (u.a. Kanner, Asperger, Mahler, Bettelheim, Lovaas, Cordes, O'Gorman, Wing, Delacato, Tinbergen, Affolter, Tomatis). Interessant ist auch der Zusammenhang zwischen den einzelnen Definitionen und den Fachbereichen der Autoren (z.B. Medizin, Psychologie, Pädagogik), teils eng begrenzt auf den eigenen Bereich und ggf. sogar passend zurechtgeschnitten zur Untermauerung einer selbst entwickelten Therapie.
Es wird deutlich, dass Wissenschaftler nicht unfehlbar sind und dass sich einige Irrtümer der Vergangenheit immer noch hartnäckig halten. Daraus resultiert auch die Erkenntnis, warum einige Therapien nur einer sehr kleinen Gruppe von autistischen Menschen helfen kann - wenn überhaupt. Ungeachtet der meisten Kapitel, die man aufgrund der Informationen regelrecht durcharbeiten muss, finde ich vor allem den knapp 20-seitigen Schluss (Kapitel 5) sehr interessant und lesenswert.