Die meisten Bücher zum „Erlernen" der Körpersprache kommen bei mir nicht gut weg. Und zwar aus den gleichen Überlegungen, die der Autor in seinem Vorwort anspricht. Konventionelle Ratgeber zur Körpersprache beruhen auf Vorstellungen, die Provinzregisseure von Laientheatern und Hobbytrainer von Wochenendseminaren noch immer in den Köpfen haben. Sie trennen trotz gegenteiliger Beteuerungen Körper und Geist und tappen so in die „Sei spontan-Falle". Doch solche Übungsanlagen führen bestenfalls zu neuem Verhalten, das aufgesetzt wirkt. Authentisches Theater ist aber heute nicht nur auf Schaubühnen gefragt, sondern auch in der Wirtschaftswelt, im Alltag. Stefan Spies ist Schauspiel- und Operregisseur an Staats- und Landestheatern sowie szenischer Leiter an der Hochschule für Musik und Theater München. Mit der Durchführung von Seminaren für Topmanager verdient er sich ein Zubrot und sichert sich nebst seinem Lebensstandard auch den Realitätsbezug zur Wirtschaft.
Ich nehme meine Beurteilung gerne vorweg: Sein Buch ist für mich das beste zum Thema. Die Qualität beginnt beim Ansatz. Schauspieler sind zwar berufener, Regieanweisungen umzusetzen, aber auch sie gelangen nicht durch Einsicht zu einem anderen Verhalten. Auch Sie brauchen neue Geschichten, die sich in ihren Köpfen abspielen und neue Einstellungen für die Verfestigung ihres Handelns. Klar haben Sie den Regisseur leibhaftig vor sich, können durch Imitation lernen, durch direkte Korrekturen. Aber was das Ersatzmedium Buch vermag, haben Verlag und Autor hier mit dem Bildmaterial geleistet. Die vielen Abbildungen visualisieren selbst die Zwischenschritte, Details und Varianten.
Der Aufbau des Buches wird von den verschiedenen Anwendungsbereichen bestimmt. Nach dem Grundsätzlichen zum Körper und zum erstem Eindruck folgt gleich der Abschnitt „Vorstellungsgespräch". Denn folgt ist in vielem anderen Gesetzen als „Der Umgang mit Kollegen", der danach beschrieben wird. „Der organisierte Small Talk" hat wieder seine eigenen Instrumente, so wie „Verkaufen und Verhandeln" wichtige Besonderheiten kennt. Worauf wir bei „Sitzungen" achten sollen wird so ausführlich behandelt wie die „Freie Rede und Präsentation". Jedes dieser Kapitel folgt dem gleichen Aufbau. Zuerst führt uns der Autor in die Situation ein, dann begleitet er die Leser in den Raum, kommt danach auf den Körper zu sprechen und geht schliesslich ausführlich auf den eigentlichen Auftritt ein.
Die Sprache ist leicht verständlich und weder anbiedernd noch überheblich. Das schöne Layout erinnert an die Ästhetik körperlichen Erscheinens und ein Register erlaubt das gezielte Auffinden einzelner Aspekte. Noch besser als dieses Buch zu kaufen, kann nur der Besuch eines Seminars sein.