Ein altes Forschungsschiff bringt das Ehepaar Beck in die Einsamkeit: 100 Kilometer vom nächsten Dorf entfernt lassen sie sich am Ufer des Baikalsees nieder. Ein waghalsiges Experiment. Zur Begrüßung zeigen sich Bären, die sich aber nach zwei Wochen „verzupfen“. Weitaus nerviger sind im Sommer die Moskitos, die zu Tausenden über die Becks herfallen. Heti bleibt die ersten sechs Monate bei ihrem Mann. Doch als die Geburt des ersten Enkelkindes bevorsteht, reist die 54-Jährige heim nach Bayern. Werner bleibt alleine im Nirgendwo zurück. Und will den langen sibirischen Winter überstehen. Ohne Raden Augen verlierst“, sagt Beck und lässt sich auch von seiner Krankheit nicht aufhalten. Seit seinem 24. Lebensjahr leidet er an Diabetes. Sein Insulin bewahrt er in Ampullen auf, die er in Kunststoffdosen füllt und unterm Eis im Wasser des Baikalsees verankert. Doch was, wenn ein Notfall eintritt. Weit und breit gibt es keinen Arzt! „Ich hatte großes Glück“, erzählt Beck, „einmal bin ich auf Eis ausgerutscht und voll aufgeschlagen, aber kein Knochen war gebrochen, sonst hätte das vielleicht mein Ende bedeutet.“ Beck hatte nicht nur einen Schutzengel, er war auch extrem vorsichtig. Dennoch hätte seine Abenteuerlust ihn um ein Haar das Leben gekostet: „Ich wagte mich auf den frisch zugefrorenen See, drei bis vier Kilometer weit vom Ufer entfernt. Da kam plötzlich ein Sturm auf und trieb Wasser von der offenen Seemitte auf mich zu. Das Eis explodierte förmlich unter meinen Füßen, brach weg. Es war furchtbar. Ich dachte, der See wird mein Grab.“ Entschädigt wird er durch grandiose Naturschauspiele: Wenn die Luft wie Diamantenstaub glitzert, das spiegelglatte Eis in der Wintersonne glänzt oder Baikal-Robben mit ihm schwimmen, dann vergisst Beck die Strapazen. Immer wieder greift er zum Fotoapparat oder zur Filmkamera – seine große Leidenschaft. „Bei minus 30 Grad sind Blende und Fokus allerdings eine Folter, die bloßen Finger müssen immer wieder zum Aufwärmen in die Handschuhe“, erzählt er. Die Filmkamera quietscht und jault, aber sie hält durch. Genauso wie Werner Beck. Für Freunde und Bekannte sind er und seine Frau Spinner. Werner lacht: „Aber die Freiheit hat eben ihren Preis.“ Grenzenlose Abenteuerlust, woher kommt sie? Für den Psychologen Stephan Urlings ist das nichts Ungewöhnliches. „Menschen wollen ihre Grenzen spüren“, sagt er. Und immer mehr Menschen wollen Abenteuer bestehen. „Gerade jetzt in Krisenzeiten, die uns wie eine Kette unlösbarer Aufgaben vorkommen, suchen wir Herausforderungen, die man selber lösen kann“, so Urlings. Nach seinem Selbstversuch kommt Beck verändert zurück: ruhiger, gelassener, nichts regt ihn mehr auf. Das Jahr in der Abgeschiedenheit der sibirischen Taiga war die beste Zeit seines Lebens, sagt er. Ein hohes Risiko, aber auch eine Fülle einzigartiger Erfahrungen. „Sich auf ein Abenteuer einzulassen ist ein Spiel“, sinniert Beck, „man kann gewinnen oder verlieren.“ Im besten Fall gewinnt der Mensch neue Erkenntnisse, im schlimmsten verliert er sein Leben. „Das nächste Abenteuer wartet schon: Von Afrika aus werden die Becks nach Australien übersetzen, dann über Neuseeland, Südostasien und Japan nach Südamerika. „Solange die Sucht nach Neuem anhält sind wir unterwegs“, schmunzelt Werner Beck. Und hofft, dass im Alter einmal der Drang nach Herausforderungen nachlässt und er auf seiner Terrasse sitzt, um mit seinen Enkeln zu spielen. „So wie halt jeder andere Rentner mit 65 Jahren auch.“ --Münchner Merkur Nr. 255, 5./6. November 2011
Ich lege das Buch weg und wundere mich, dass Füße und Nasenspitze warm sind und der Schnee vorm Fenster fehlt, auch vor der Tür sehe ich keine Eisschollen mehr. Langsam tauche ich wieder auf aus dieser traumhaften Welt, die Werner Beck in seinem Buch beschreibt. Ein Jahr hat der Autor am Baikalsee in Sibirien verbracht" 9000 km entfernt vom Bodensee. zwischen +40' und -40"C in einer Jurte, wochenlang ohne menschlichen Kontakt. Diese Zeit war durch lange Reiseerfahrung in viele Gebiete dieser Erde gut vorbereitet. Ein Spinner? Vielleicht. Aber ganz zuerst ein Mensch, dessen Ziel es ist eine Grenzen zu erfahren und in deren Ausdehnung Zufriedenheit zu erleben. Ein Zustand, der durch mehr Erleben und weniger Bequemlichkeit süchtig macht. Mit wie viel Angst und Befriedigung, Gefahr und Glück, Vorsorge und Aufmerksamkeit das verbunden ist, verpackt der Autor ganz nebenbei mit zahlreichenErkenntnissen von Historikern, Geologen, Botanikern ... mit kulturellen und menschlichen Eigenheiten. Allein die Beschreibung verschiedener menschlicher Charaktere und deren Verhalten macht das Buch lesenswert. Sie prägen sich wohl auch deshalb so lebendig und als wertvoll ein, weil Menschen am Baikalsee rar sind. Weniger ist mehr! Weniger Luxus bedeutet mehr Gespür für notwendige Bedürfnisse und ermöglicht es, die Welt intensiver und aus ungewohnten Perspektiven wahrzunehmen. Auch ohne ein Jahr Auszeit lässt WernerBeck den Leser ahnen. wie erfüllend es sein kann, einen Traum zu erleben und gleichzeitig einen neuen zu entwickeln. Ach ja, der Autor ist seit 30 Jahren insulinpflichtiger Diabetiker, trägt eine lnsulinpumpe, vergräbt den Insulinvorat in der Erde oder unter dem Eis ... und backt sein Brot selbst. Der handgemauerte Backofen steht am Baikalsee, die Jurte hat er mit nach Hause genommen. --Insuliner, 1.12.2011
Den Gedanken an eine längere Auszeit hat wohl jeder einmal, wenige setzen ihn in die Tat um - und ganz wenige klinken sich nicht nur aus, sondern verbinden die Auszeit mit einem extremen Abenteuer. Werner Beck ist so einer, der Diabetiker hat sich mit seiner Frau am menschenleeren Nordufer des Baikalsees in Russland aussetzen lassen. Spannend bis zur letzten Seite. --Nachrichten.at, Januar 2012
Spannend bis zur letzten Seite. --OÖNachrichten (A), 12.11.2011
Im neu erschienenen Buch "Auszeit am Baikalsee" von Werner Beck ist der Name Programm. Ein Jahr verbringt der Autor in einer einsamen Jurte am Ufer des Baikal, davon etwa die Hälfte der Zeit gemeinsam mit seiner Frau und die Winterzeit völlig alleine.
Das Ehepaar Beck reist mit seinem Jeep nach Russland, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Das Austesten der eigenen Grenzen beim Überleben unter einfachsten Verhältnissen am Baikalsee. In Irkutsk gestaltet sich dann jedoch bereits das Beschaffen der richtigen Ausrüstung schwierig und wie geplant eine einsame, aber winterfeste Uferhütte zu mieten, ist gar nicht möglich. So beschaffen sich beide eine Jurte, ein Filzzelt nach dem Modell mittelasiatischer Nomaden und richten sich in diesem in der Omulbucht, einer fast völlig unbesiedelten Uferregion des Baikalsees ein.
Im Buch liest man dann viel von ihrem Alltag in der Wildnis - das Errichten der Behausung, eines Toilettenhäuschens und einer Mini-Banja, wie die russische Sauna heißt. Begegnungen mit wilden Tieren gibt es zuhauf, wenn auch glücklicherweise keine mit den gefürchteten großen Bären der Region, vor denen sie die Russen immer wieder warnen und deren Spuren bis nahe an die Jurte heranführen. Kontakte zu Einheimischen in der Umgebung werden ebenfalls mehrfach geknüpft und deren oft außergewöhnliche Schicksale gehören zu den bewegendsten Momenten des Buchs.
Nach einiger Zeit reist Frau Beck wegen der bevorstehenden Geburt des Enkelkindes zurück nach Deutschland und bleibt bei der gemeinsamen Tochter. Die Winterzeit übersteht der Buchautor, der nur zur Geburt an sich wenige Wochen in Mitteleuropa verbringt, in Sibirien alleine. Die Einsamkeit wird größer, als ursprünglich geplant. Denn es gibt wegen der großen Kälte Funktionsstörungen des Satellitentelefons, das man für Notfälle dabei hat und ein angeschafftes Kätzchen stirbt in Folge einer Unachtsamkeit eines zwischenzeitlichen Zeltwächters. Beck ist auch gehandicapt durch eine Diabetes-Erkrankung und die Angst um seinen Insulinvorrat (eingefroren wird es unbrauchbar) ist nicht das einzige Erlebnis, das in ihm einen großen Adrenalinschub auslöst. Weitere folgen durch seinen waghalsigen Plan, mitten im Winter zu Fuß die Eisfläche des Baikals zu überqueren - mit mehreren auf Inseln gelegenen Wetterstationen als Zwischenrast.
Neben dem eigentlichen Text finden sich im Buch mehrere Fototafeln mit herrlichen Aufnahmen vom Weltnaturerbe Baikal und dem Leben der Extrem-Aussteiger an seinem Ufer. Daneben sind zwei Landkarten der Region im Innenumschlag enthalten und ein Epilog, der die Erlebnisse der Becks nach der "Auszeit am Baikalsee" schildert. Wen das Wildnisleben fasziniert, wird mit dem Werk "Auszeit am Baikalsee" voll auf seine Kosten kommen. Selbsterfahrung am Limit war das Ziel des Radikal-Abenteurers und erreicht hat er es auf jeden Fall. Andere Leser - selbst mit Sibirienerfahrung - werden vielleicht manchmal den Kopf schütteln angesichts der übergroßen Abenteuerlust. Auf jeden Fall bietet das Buch einen unterhaltsamen Lesegenuss. --Russland.tv, 20.11.2011
Atemberaubendes Abenteuer --Schleswig Holstein am Sonntag, 27.11.2011
Auch ohne ein Jahr Auszeit lässt Werner Beck den Leser ahnen, wie erfüllend es sein kann, einen Traum zu erleben und gleichzeitig einen neuen zu entwickeln. --Insuliner, 05.12.2011
Eine spannend erzählte Reiseerfahrung. --Augsburger Allgemein, 06.12.2011