"Wer die Doktorarbeit von Thorsten Bosse in die Hand nimmt, wird den angelsächsisch getriebenen Trend zu "kumulativen" Promotionen bedauern, denn nach guter deutscher Wissenschaftstradition zeigt Bosse mit seiner - farbigen - Dissertation ein geglücktes Beispiel einer Forschungsleistung, die Theorie und Praxis miteinander verbindet, theoretische Modellierungen an empirischen Beispielen überprüft. Karriereorientierte Professoren lassen dagegen ihre Doktoranden nur noch englische Artikel für Scientific Journals schreiben, um im Wissenschaftsranking Punkte zu machen - und Doktortitel gibt es dann je nach Scoring.
Zu diesem Phänomen der angelsächsischem Wissenschaftsgläubigkeit passt auch das von Bosse seiner Arbeit vorangestellte Zitat von Ernst Raupach: "Der hat die Macht, an den die Menge glaubt."
Die Arbeit von Bosse zeigt, dass sich nicht jede wissenschaftliche Fragestellung auf wenigen Seiten eines US-Journals "twittern" lässt. Um die Auswirkungen einer Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS auf das Bilanzrating mit Implikationen für die BilMoG-Umstellung zu verstehen, müssen zunächst die relevanten Aspekte der der Ratingsysteme und die Anwendung der (bankinternen) Ratingverfahren nach Basel II aufgearbeitet wie auch die wesentlichen Unterschiede in der Rechnungslegung ihre theoretischen Auswirkungen auf das Ratingergebnis analysiert werden.
Schon die theoretische Auseinandersetzung von Ansatz und Bewertung je nach HGB a.F. und IFRS liefert eine Fülle von Ansatzpunkten auch für die Bilanzpraxis. Bosse präsentiert darüber hinaus eine empirische Analyse der Bilanzratings von DAX30-Konzern- und Einzelabschlüssen mit R-Cockpit Modul Rating S, wie auch eine Analyse der Auswirkungen spezieller Bilanzierungssachverhalte am Exempel eines Musterunternehmens.
Da nach der BilMoG-Umstellung Banken zwangsläufig nicht genügend Bilanzen vorliegen, um mit den veralteten bankinternen Ratingsystemen zu treffsicheren Bonitätsklassifizierungen zu gelangen, sind die Ergebnisse von Bosse besonders interessant, um die Fehlerquellen bankinterner Ratings besser zu verstehen. Die Doktorarbeit dokumentiert, warum Banken künftig in ihrem Kreditgeschäft mangels eigenständiger BilMoG-Systeme systematisch falsche Entscheidungen treffen werden."
Buchbesprechung von Dr. Oliver Everling, in: Kredit & Rating Praxis, Heft 6/2011, S. 40.