Als dieses Album 2002 erschien, waren meine Erwartungen sehr niedrig. Immerhin hatten die toten Hosen, nachdem sie 1996 mit "Opium fürs Volk" mal eben das vielleicht wichtigste und provokanteste Deutschrockalbum der Neunziger aufgenommen hatten, 1999 die eher verhaltene Scheibe "Unsterblich" nachgelegt, die an vielen Stellen uninspiriert und wie ein Abgesang klang, gleichwohl sie mit Stücken wie "Helden und Diebe", "Warum werde ich nicht satt" oder "Regen" ein paar bemerkenswerte Titel enthielt.
"Auswärtsspiel" ist, gerade retrospektiv, wieder ein Sprung fast auf altes Niveau. Zwar erreicht man die inhaltliche Vielschichtigkeit von "Opium fürs Volk" und die schmerzhafte Intensität von Titeln wie "10 Gebote", "Mensch" oder "Seelentherapie" auch auf diesem Album nicht wieder- aber musikalisch hat man seinen Horizont erweitert, wie es etwa "Nur zu Besuch" oder "Schwimmen" demonstrieren. Weiterhin mischt man bewährt angepunkte Fetzer wie das Openerdoppel "Du lebst nur einmal (vorher)/Schlampe (nachher)" mit Halbballaden wie "Was zählt" und Mitgröhlspaßsongs wie "Kein Alkohol (ist auch keine Lösung)" oder dem tollen, nostalgischen "Venceremos- wir werden siegen". Das muntere "Daydreaming" und das Cover "Cokane In My Brain" sind englischsprachige Farbtupfer, und im Gegensatz zu einer gewissen anderen unsäglichen Deutschrockband nimmt man sich selbst auch nicht so fürchterlich ernst und nimmt sich mit "Graue Panther" auf die Schippe. Wenn man eine Schwäche sucht, ist vielleicht das etwas nervige "Mädchen aus Rottweil" oder auch noch das nun leider anachronistische "Kanzler sein....
Ansonsten ist dieses Album das beste Postpunk- Album der Toten Hosen seit "Opium fürs Volk", besser als "Kauf mich" und besser als "Zurück zum Glück".