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Lasst euch berühren -- oder ärgert euch. Hauptsache, ihr empfindet.
Songs gab es von Anfang an. Bald auch eine EP, auf der die ersten Stücke versammelt waren. Ein Fan ließ es sich nicht nehmen, diese EP mit den rau-rohen Demos an den süddeutschen Radiosender „Das Ding“ zu schicken. Prompt nehmen die Macher das Liebeslied „Sexy“ mit ins Programm. Die Hörer mögen es und mögen es immer mehr, wählen den Song fast zwölf Wochen an die Spitze ihrer Netzcharts. Das ist schon ein paar Tage her. Mittlerweile gibt es genug Songs für ein Album. „Ausverkauft“ ist das saftige Filetstück (für die Vegetarier: das Artischockenherz), dessen Entstehung eine Weile gebraucht hat. Doch besser spät als nie. Besonders dann, wenn es so zeitlos ist wie diese zwölf Stücke. Fünf gestandene Männer basteln hier an ihrer Lieblingsversion von deutschsprachigem Rock mit Popappeal und dieser herrlich warmen 60s-Orgel. Gänzlich unverkrampft, weil live eingespielt. Torsten Otto (Tocotronic, Kante, Gods Of Blitz u.a.) stand der Band mit Auge und Ohr zur Seite. Die entspannte Stimmung, die im Wohnzimmer-Studio-Loft an der Sonnenallee herrschte, spiegelt jede Note auf „Ausverkauft“ wider.
Die Texte werden nicht lange brauchen, um die Gehirnwindungen zu verkleben. Denn: „Ich bringe nichts rein, was nicht zeitlos ist“, verrät Sänger Jan. „Gute Slogans und ein gutes Sprachriff sind wichtig.“ Da hat er Recht und zieht das konsequent durch. Jans Oft-ein-Wort-Songtitel unterstreichen die angenehme Simplizität. Alles andere wäre schließlich unnötiger Tand. Von dem wollen Attacke Royal nichts wissen. Vielleicht ist „Minderheit“ deshalb ein derart reduzierter Song. Ruhig, klar, versehen nur mit perlender Orgel. Dazu ein Text über Liebe und Sehnsüchte, unpeinlich und nachvollziehbar. Lauter wird es öfter. Das fulminante „Rätsel der Jugend“ versucht sich an der perfekten Gitarrenwand. „Sexy“ geht nach vorne - und wer bei dem Titel an Westernhagen denkt, der ist verdammt noch mal auf der falschen Fährte. Erinnert fühlen darf man sich viel lieber an die guten alten Selig. Auch die verstanden es, deutsche Texte, krachende Gitarren, Soul und Balladeskes auf unprätentiöse Weise zu verbinden. Jan sagt: „Es geht bei mir immer um verpasste Chancen, Liebe, meine Jugend und seltsame Situationen, und das alles soll auch die Musik transportieren. Die Songs sollen berühren oder ärgern.“
Lasst euch berühren – oder ärgert euch. Hauptsache, ihr empfindet.
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