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Robert Hughes lebt seit 1970 in New York, und gehört zu den wichtigsten Kunstkritikern des Landes. Außerdem ist er als Filmproduzent und Autor tätig. Dieses Werk gehört zu seinen bedeutendsten Büchern, und stand über Monate auf den amerikanischen Bestseller-Listen.
Das knapp 700 Seiten starke Buch befasst sich mit der Zeit Australiens als Strafkolonie. Begonnen 1788, dem Jahr, in dem die ersten Sträflinge in Botany Bay landeten, bis zu den Jahren um 1850, als die Deportation nach Australien Stück für Stück abgeschafft wurde. Robert Hughes stützt sich bei seinen Schilderungen in erster Linie auf offizielle Texte der Behörden in England und Australien, sowie auf Tagebücher und Briefe, die von Sträflingen und freien Siedlern der Kolonie verfasst wurden.
Das Buch beginnt mit einer kurzen Beschreibung des ursprünglichen Australiens, wie es in der Mitte des 18. Jahrhunderts von englischen Seefahrern entdeckt wurde. Ein exotisches Land mit bis dahin unbekannten Tieren und Pflanzen, und den feindseligen Aborigines.
Es folgt ein ausführliches Kapitel über die Gesellschaft und die Lebensbedingungen im England des 18. Jahrhunderts. Darin wird verdeutlicht, warum die Regierung die Deportation nach Australien als geeignetes Mittel zur Lösung ihrer Probleme ansah.
Nach dieser rund 100 Seiten langen Einleitung beginnt die direkte Geschichte der Besiedlung Australiens mit der ersten Überfahrt, und den riesigen Problemen, denen sich die Gefangenen und die Siedler in der ersten Sträflingskolonie Sydney ausgesetzt sahen. In den folgenden Kapiteln geht Robert Hughes sehr ausführlich auf die Menschen in den Kolonien ein. Er veranschaulicht, was für Menschen die Straftäter in der Kolonie waren, die teilweise für die geringsten Verbrechen zu sieben Jahren Deportation verurteilt wurden. Er beschreibt die schrittweise Kolonisierung des Kontinents, beginnend bei der Hauptinsel, über Vandiemensland (Das heutige Tasmanien), und die kleine Norfolkinsel. Immer wieder zieht er dabei Einzelschicksale von Sträflingen, Siedlern oder Regierungsangestellten heran, um an ihren Beispielen die Lebensbedingungen der verschiedenen Gesellschaftsklassen in den neuen Kolonien zu veranschaulichen. Wie genau er dabei vorgehen kann zeigt auch ganz deutlich, wie sehr wir heute von der peinlich genauen Buchführung der Kolonialregierung profitieren.
Über die letzten rund 220 Seiten geht Hughes schließlich auf die Aufhebung der Deportation nach Australien ein, die nach einem fehlgeschlagenen Systemwechsel über eine Entwicklung von rund 30 Jahren nach und nach für den gesamten Kontinent durchgesetzt werden konnte.
Das Buch endet bei der Einhundertjahrfeier 1888, als die Deportation komplett abgeschafft ist, und die Verdrängung der Vergangenheit bereits einzusetzen beginnt. Schon 1888 beschwert sich der Dichter Henry Lawson im liberalen Republican darüber, dass australische Schüler nichts über die Geschichte Australiens vor 1950 lernten. Ein Umstand, der sich auch bis in die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts nicht änderte.
Gerade aufgrund dieser allgemeinen Verdrängung der düsteren Vergangenheit des Landes als Sträflingskolonie, ist ein Buch wie dieses von Robert Hughes umso wichtiger. Die Ausführlichkeit, die Genauigkeit und die Liebe für die Details tun den Rest, um dieses Buch zu einem herausragenden Werk über die Kolonisierung des fünften Kontinents zu machen.
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