Australia ist für manche ein schöner Film, vor allem natürlich für Australien-Fans wegen seiner stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen, aber sicher nicht für jeden das Richtige.
Genau der Regisseur, der 2001 für Moulin Rouge verantwortlich war, hat 2008 - nach sieben mageren Jahren - passend zum Weihnachtsfest wieder sein Bestes gegeben: Erklärtermaßen(!) wollte er alle großen Schnulzen toppen. Nicole Kidman hat also endlich mal richtig was fürs Herz gedreht.
Man hat sich dabei von populären Vorbildern inspirieren lassen:
Im Kern gibt es die "Asterix"-Geschichte: Eine kleine, tapfere Bullen-Farm weit draußen im australischen Outback trotzt unerschütterlich einer gewaltigen Übermacht eines bösen Bullenfarm-Konglomerats. Der Miraculix heißt hier "King George" und wacht, bei rotwabernden Sonnenuntergängen wie eine Gottesanbeterin mit Speeren auf einem glühenden Felsen drapiert, über die Geschicke der 6 1/2 Menschen, die sich anschicken, 1.500 fette Rindviecher durch die australische Wüste zu treiben.
Auch an "Dschungelbuch" wird man erinnert: Mogli mit den riesigen Augen heißt jetzt Nullah, ist ein Creamy (Mischling) und der Enkel von King George. Kipling Flynn (Jack Thompson) gibt Balu und dürfte der älteste, fetteste und versoffenste Cowboy sein, der je eine Stampede gestoppt hat.
Für die Magie sorgt ein Schuss "Zauberer von Oz": Nicole Kidman kommt als Sängerin von
Somewhere Over The Rainbow garnicht mal so schlecht weg - man bekommt im Gesang weniger falsche Töne mit als in ihrer eigentlichen Rolle.
Alles ist unglaublich bunt. Ein japanischer Luftangriff sieht aus wie die Mitternachts-Show einer Groß-Disko, braune Abo-Frauen tragen stets leuchtend bunte Kleider, der Himmel leuchtet blaublau, die warmen Farben der tiefstehenden Sonne verzaubern jede Szene. Selbst die Computer-animierten Rindviecher sehen wunderschön aus, und wenn es mal Staub gibt, dann ganz bestimmt im Gegenlicht.
Das weibliche Testpublikum fand Mr. Drover (Hugh Jackman) lecker - jedenfalls solange, wie er nicht rasiert war. Das männliche Testpublikum steht an sich schon immer auf Nicole Kidman - jedenfalls in ihren anderen Filmen.
Dennoch mag manche(r) den Film. Weil man sich nicht langweilt. Weil es schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen gibt. Weil die Kidman nur kurz singt. Weil einmal kein Mal ist. Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt schlechtere Filme, aber man muss sich diese beiden - es sind eigentlich zwei Filme hintereinander - wirklich kein zweites Mal anschauen; schon garnicht den zweiten. Eigentlich muss man sich den nicht einmal ein erstes Mal antun.
Die harte Kritik ist übrigens nicht allein dem Zuckerguss geschuldet - auch kitschige Filme könnten gefallen, man denke nur an "
Dem Himmel so nah" oder "
Always". Aber dafür müssen eben auch Menschen aus Fleisch und Blut rüberkommen. "Australia" ist eher so etwas wie ein Disney-Park auf Leinwand. Disney-Dekorationen, Disney-Dramatik, Disney-Übertreibungen und Disney-Kitsch, der sich besonders und bereits in den ersten Minuten des Films manifestiert.
Bei dem Kinder-Gebrabbel aus dem Off oder dem übertrieben hektischen Gewatschele der Kidman vergeht es einem ebenso nachhaltig, wie wenn im Themenpark die Zwerge quäken.
Immerhin erfährt man einiges über die dunklen Seiten der jungen australischen Geschichte - und über die Ureinwohner des Landes: Nach dem Glauben der Aborigines darf man, wenn jemand gestorben ist, nie wieder seinen Namen sagen.
Genau so habe ich es mit einem bestimmten Regisseur gehalten.
Im Original 165 Minuten, Format 2,35:1 auf 35 mm Film, DTS|DD (Quelle: IMDB)
Die Extras der Blu-ray bestehen aus zwei (völlig zu Recht) unveröffentlichten Szenen und einem kleinen Film zur Produktion.
film-jury 3* A0534 16.11.2011e 15A 1E
Nicole Mary Kidman (* 20. Juni 1967 in Honolulu, Hawaii)
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1997 4* A0071
Projekt: Peacemaker....... R: Mimi Leder D: Nicole Kidman, George Clooney, Marcel Iure'
1999 5* A0312
Eyes Wide Shut [Blu-ray]
....... R: Stanley Kubrick D: Nicole Kidman, Tom Cruise
2005 5* A0010
Die Dolmetscherin [Blu-ray]
....... R: D: Nicole Kidman, Sean Penn
Mark Anthony "Baz" Luhrmann (* 17. September 1962 in Sydney)
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Viele Rezensenten verstünden nicht, dass Australia kein so festgelegtes Genre bediene "wie es romantische Komödien für 40-jährige Frauen oder Actionfilme für 17-jährige Jungen" täten. Er habe kein Problem mit Kritik, sondern sei verärgert über das offensichtlich große Missverständnis um sein Werk. (The Hollywood Reporter)