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Austerlitz: Roman [Gebundene Ausgabe]

W.G. Sebald
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (22 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

5. Februar 2001
Wer ist Austerlitz? Ein rätselhafter Fremder, der immer wieder an den ungewöhnlichsten Orten auftaucht: am Bahnhof, am Handschuhmarkt, im Industriequartier ... Und jedes Mal erzählt er ein Stück mehr von seiner Lebensgeschichte, der Geschichte eines unermüdlichen Wanderers durch unsere Kultur und Architektur und der Geschichte eines Mannes, dem als Kind Heimat, Sprache und Name geraubt wurden.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 424 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser; Auflage: 9 (5. Februar 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446199861
  • ISBN-13: 978-3446199866
  • Größe und/oder Gewicht: 3,2 x 13,3 x 21 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (22 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 261.447 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Willkommen im Universum des W.G. Sebald. Der Besuch lohnt sich. Man tritt ein in den schmuckvollen Bahnhof von Antwerpen, einem Monument des belgischen Kolonialismus, wo der unbenannte Erzähler gerade mit einem Gefühl des Unwohlseins aus England ankommt. Nachdem er den großäugigen Tieren im benachbarten Nocturama einen kurzen Besuch abgestattet hat, spricht er im prunkvollen Wartesaal jenen Jacques Austerlitz an, der dort gerade zeichnet und fotografiert -- und ab nun der Held des Romans sein wird. Erst viele Jahre später und nach vielen Reisen quer durch Europa wird der -- inzwischen weiser und nachdenklicher -- gewordene Leser vor der Festung Breedonk bei Antwerpen entlassen.

Austerlitz ist ein sehr europäisches Buch, mit Aufenthalten in Wales, London, Prag, Theresienstadt, Marienbad und Paris. Ortsbeschreibungen verraten viel über die Austerlitzsche Seele. Als er in den 50er-Jahren einmal in Nürnberg aus dem Zug aussteigt und deutschen Boden betritt, beobachtet er Schuhwerk und Schweigsamkeit der vorübergehenden Menschen in den Fußgängerparadiesen. Die Architektur wird zum Seelenzustand, zu etwas, das psychologische Rückschlüsse zulässt -- für welche Art Mensch zum Beispiel haben die Architekten das Sicherheitssystem der Pariser Bibliothèque Nationale entwickelt?

Sebalds Sprache erinnert in ihrer Klarheit und Bestimmtheit gelegentlich an Thomas Bernhard, wenngleich die schlimmsten Ereignisse ohne Übertreibung beschrieben werden. Wo kommen die Waren her, die im Theresienstädter Laden auf den Tischen ausliegen? In diesem Buch ohne Kapitel oder Absätze sind Fotos ein wichtiger Bestandteil.

Statt des Exils beschreibt Sebalds Roman auf bewegende Weise die Suche nach der eigenen Vergangenheit. Wie kann Austerlitz die Heimat verlassen, wenn er sich an sie nicht erinnern kann, nicht mal weiß, wo sie gewesen ist? Der ausführliche Mittelteil des Buches beschreibt die Reise nach Prag, Theresienstadt und das dazugehörige dunkle Kapitel mitteleuropäischer Geschichte. Den Stillstand der Zeit zwischen Kindertransport (von Prag nach England, 1939, als Fünfjähriger) und der Abreise aus Prag mit wiedergefundener Identität in den 50er-Jahren.

Austerlitz versucht, "das Bild der von dem Wanderer durchquerten beinahe schon in der Vergessenheit geratenen Landschaft" heraufzubeschwören. Dabei empfindet er ein Gefühl des Widerwillens und des Ekels. Die Exkurse zu den verschiedensten Themen sind wertvolle Anregungen und wichtiger Teil dieser seelischen Landschaft. Was bleibt, ist die Frage: Werden im Nocturama nach Feierabend die Lichter eingeschaltet, damit die Tiere schlafen können? --Richard Foster

Pressestimmen

"Wer "Austerlitz" hört, bleibt atemlos zurück." (Kulturtipp)

"Mit wenigen Mittel und Sprechern weckt dieses Hörspiel das ewige Bahnhofsgefühl: die Auflösung von Zeit und Raum in einer unwirklichen Welt, in der man sich selbst näher ist als irgendwo sonst. Großes Bahnhofskino:" (IN München) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach der Erinnerung 1. April 2007
Von euripides50 TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Ein nicht näher vorgestellter Erzähler trifft bei seinen architekturgeschichtlichen Streifzügen durch die Städte Mitteleuropas auf den etwas älteren Austerlitz, einen universal gebildeten sehr zurückhaltenden Menschen, mit dem sich über große Zeiträume hinweg eine intensive, zuerst sachliche, später persönliche Konversation ergibt. Man erfährt, dass der kleine Austerlitz als ein Waisenkind zunähst unbekannter Herkunft im Haushalt eines Geistlichen aufwuchs, dass er zur Schule ging, dass er dort Freunde und Gefährten traf, eine Leidenschaft für Kunst und Kultur und entwickelte und mit seinen herausragenden Begabungen zu den schönsten Hoffnungen berechtigte - wäre da nicht die Grundstimmung einer trübsinnigen Gemütsart, die dem heranwachsenden Austerlitz alle Freuden des Lebens gründlich vergällte. Schließlich kam es sogar zu einer manifesten Persönlichkeitskrise, in deren Verlauf dem Literateten und Bücherfreund Austerlitz zuerst das Schreiben und dann das Lesen entglitt, bis er von permanenter Schlaflosigkeit gepeinigt, Nacht für Nacht durch London lief, ohne zu wissen, was er eigentlich suchte. In einem dunklen Londoner Bahnhof steht er plötzlich einem fünfjährigen Waisen und zwei verhärmte Erwachsenen gegenüber und erkennt in dieser Halluzination urplötzlich die Szene seine Abkunft in London vor mehr als einem halben Jahrhundert. Doch woher kam er? Auf der Suche nach seiner eigenen Vergangenheit beginnt Austerlitz alle Barrieren der Verdrängung beiseite zu schieben und aus dem Fundus einer sich immer weiter erschließenden Erinnerung seinen Werdegang zu rekonstruieren. Lesen Sie weiter... ›
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk 30. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
„... Nach und nach entsann ich mich auch, wie es mir während der Fahrt auf einmal unwohl geworden war, wie ein Phantomschmerz sich ausbreitete in meiner Brust und wie ich dachte, ich werde jetzt sterben müssen an diesem schwachen Herzen, das ich geerbt habe, ich weiß nicht, von wem ...", sagt Austerlitz, meint der Erzähler, in Sebalds Werk (S. 378). Der Autor muß gewußt haben, wovon er sprach, denn am 14. Dezember 2001 erlitt W. G. Sebald, während er mit seinem Auto in Norwich unterwegs war, einen Schwächeanfall des Herzens, geriet mit dem Fahrzeug auf die gegenüberliegende Strassenseite, wo er mit einem Lastkraftwagen zusammenstieß, der Sebald tötete; seine Tochter, die ihn als Beifahrerin begleitet hatte, überlebte den Unfall verletzt. Sebalds Tod ist zweifelsohne ein großes Unglück auch für die deutsche Literatur.
So ist „Austerlitz", Sebalds letztes zu Lebzeiten erschienenes Werk, das literarische Vermächtnis Sebalds. Es fällt auf, dass Sebald dem Werk keine Gattungsbezeichnung gegeben hat: weder Biographie, noch Roman, noch Bericht, noch Erzählungen oder dergleichen. Wahrscheinlich sperrt sich „Austerlitz" auch gegen eine solche Ettikettierung: viele Elemente des Werks werden auf Erzählungen einer oder mehrerer realen Personen beruhen: in England leben noch heute viele während der Nazizeit ausgewanderte Juden, wie Sebald kurz vor seinem Tod meinte, und er, der aus Deutschland weggegangene Nichtjude Sebald, habe manche von ihnen dort kennengelernt. So mag dieser Roman - Germanisten mögen es herausfinden - auch zugleich das Dokument einer Freundschaft zwischen Sebald und einem „Emigranten" wie Jaques Austerlitz sein.
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das schönste traurigste Buch 4. Juli 2007
Format:Taschenbuch
Das ist vielleicht das beste Buch der deutschen Gegenwartsliteratur. Vielschichtig im Inhalt, in einer wunderbaren Sprache geschrieben. Eigentlich eine Komposition, vergleichbar mit einem Werk von Johann Sebastian Bach. Die wenigen stillen Fotos aus dem Archiv des Autors illustrieren nicht, sondern berühren beim Lesen auf merkwürdige Weise. Die Vergangenheit in der Gegenwart, geknüpft an Architekturbetrachtungen von Festungsbauwerken und Bahnhöfen, Symbole für den Seelenzustand. Ein älterer Mann sucht in langsamen, traurigen Schritten seine Vergangenheit. Als Kind jüdischer Eltern zur Rettung in die Fremde verschickt beschäftigt er sich sein Leben lang nicht mit seiner Herkunft. Er ist gleichsam abgeschnitten von seiner Identität. Erst als die Zeichen aus der Vergangenheit sich mehren, macht er sich auf eine vorsichtige Suche und findet Schatten. Als er alles weiß und sich gefunden hat, endet sein Leben. Ein trauriges Buch, aber ohne Verzweiflung. Traurig ist auch, dass Sebald so spät mit dem Schreiben von solchen Büchern begonnen hat und dann so früh starb. Um so kostbarer ist alles, was er geschrieben hat. Im Marbacher Literaturarchiv kann man die Materialien Sebalds zu Austerlitz betrachten.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Fund-Palast 19. Februar 2001
Von Lahnstein
Format:Gebundene Ausgabe
Was die kommende E-Literatur verbergen könnte, das hat bisher noch jedes Buch schon eingangs verraten: seinen Umfang. Durch eingestreute Fotos verraten Bücher von Sebald noch mehr, sofern man sie voreilig durchblättert. Sebald entwickelt aus einer Fülle von detektivisch Gesuchtem und traumwandlerisch Gefundenem eine geheimnisvolle Gestalt (mit Zügen von Ludwig Wittgenstein). Einen, der seine verborgene Herkunft aufdecken will - erst wie träumend, dann wie erwachend, dem Geheimnis mal näher, mal ferner. Einen, der im Nazi-Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" den Schatten seiner Mutter zu finden glaubt. In Paris den Vater: in einer wunderbaren Szene erleuchtet den Leser wie im Traum ein "endlich fügt sich alles!" Oder ist es umgekehrt? Der Leser ist wie erwacht, aber Austerlitz - so heißt der Held - Austerlitz träumt tiefer als zuvor. Mit welcher Fülle von historischen Details und Beobachtungen macht Sebald die großen Bahnhöfe in London und Paris zu Traumgebilden! Er scheint nichts zu erfinden; das Finden hat er allerdings neu erfunden. Mögen sonst Autoren über ein Fundbüro gebieten - Sebald ist von anderem Zuschnitt. Wenn auch aus der Überfülle wird manchmal etwas wie eine "erdrückende Beweislast" wird. Vielleicht wird ein zukünftiger Autor uns Lesern den Beleg zu jeder Behauptung direkt aus dem Britischen Museum und anderswoher zugleich verbergen und per Mausklick zugänglich machen.
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3.0 von 5 Sternen Etwas überschätzt
W. G. Sebald gilt gerade im Ausland als einer der besten deutschen Schriftsteller der letzten Jahrzehnte. Lesen Sie weiter...
Vor 1 Monat von Antoine Peters veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Schwarzer Kristall
Ein Buch wie ein Fieberwahn. Ellenlange Satzgespinste erzählen vom Fluch des Vergessens und brennend zurückkehrender Erinnerungen. Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von Cat of Ulthar veröffentlicht
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ich brauchte ein bisschen, mich an die Abwesenheit von Paragraphen zu gewoehnen, aber danach las ich das Buch mit wachsender Faszination, geradezu Spannung. Lesen Sie weiter...
Vor 10 Monaten von Textiles fan veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Naja
Für die Uni gekauft- einmal gelesen und nimmer wieder...ich kann mit solchen Büchern nichts anfangen. Lesen Sie weiter...
Vor 13 Monaten von Käuferin A veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Deutsche Sprache, schwere Sprache
Inhaltlich fiel mir an diesem Roman eine Ungereimtheit auf den Seiten 219ff. auf. Er kann kein Tschechisch, "... Lesen Sie weiter...
Vor 13 Monaten von Gerhard Braun veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Einzigartige (seltene) Sprache. Es bleibt ein großes...
Die Geschichte von Jacques Austerlitz ist das zugänglichste, leichteste und tränenreichste Werk dieses Schriftstellers, eine Wanderung rückwärts durch das Leben... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 10. Oktober 2011 von sommeliere
4.0 von 5 Sternen Magisches Erzähltalent
Winfried Georg Sebald verfügt über ein magisches Erzähltalent, das die schlichteste Alltäglichkeit mit einer derartig erstaunlichen Fantasie zu beseelen vermag,... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 4. August 2009 von Gerhard Winterwald
4.0 von 5 Sternen Anrührend!
Ein Buch, das nicht einfach zu lesen ist und dennoch - ein sehr gutes Buch!
Nicht einfach zu lesen, weil der Autor ellenlange Sätze hintereinander reiht, wobei ihm dies... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 23. Februar 2009 von Hans-Christian Achinger
5.0 von 5 Sternen wo hinzusehen wir nicht gewohnt sind
Abgesehen vom Foto auf dem Umschlag, das gewissermaßen auf eine falsche Fährte führt, versteht es Sebald hier besser als in den meisten seiner Erzählungen, die... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 13. April 2008 von Walter Methlagl
5.0 von 5 Sternen Das ganze Buch eine Forderung an den Leser
"Austerlitz" ist eines der schwierigsten Bücher, die ich je in der Hand hatte. Der gesamte Text hat keinen einzigen Absatz, keine Kapitel, nur hin und wieder ein Foto als... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 4. Januar 2007 von Leserin
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