Aus der Amazon.de-Redaktion
Literarische Abgesänge von Autoren auf das nun bald vergangene Jahrhundert haben derzeit Hochkonjunktur. Doch kaum einer genießt eine solche Glaubwürdigkeit wie Erwin Chargaff. Er war erst neun Jahre alt als der erste Weltkrieg ausbrach. Was seiner Welt bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts angetan wurde, ist Inhalt der bedeutungsschweren Essays in
Die Aussicht vom 13. Stock.
In seinen zahlreichen Schriften ist Chargaff schon immer einer von jenen, die viel eher betrauern, was wir verloren, als bejubeln, was wir gewonnen haben. Als Sammler des Verlorengegangenen etabliert, des Laientums, des Unerklärlichen, der festen Formen, läuft er in seinem neuen Werk zur absoluten Höchstform auf.
Nach Ansicht des Verfassers haben wir unsere letzten Möglichkeiten der Berührung mit der Wirklichkeit und der Menschlichkeit verloren. Die Größe ist dieser Welt abhanden gekommen. Sie ruht unter der schwarzen Sonne der Melancholie. Wir leben in einer schwachen Zeit, in der, an der Vergangenheit gemessen, nichts Großes geleistet wird.
Die Rundumschläge Chargaffs gegen Computer, Gentechnik, Organtransplantationen und das Verschwinden der Demokratie ist Lesestoff vom Allerfeinsten, gewürzt mit bissiger Ironie und großer Nachdenklichkeit. Wenn auch der geäußerte tiefe Pessimismus nicht nach jedermanns Geschmack ist, so setzt das Buch ein wichtiges Zeichen in einer immer oberflächlicher werdenden Welt. --Jan Vaiden
Kurzbeschreibung
»Man muß dankbar sein, wenn dieser wilde Zorn einem bis ans Lebensende erhalten bleibt.« »Unsere Zeit«, so heißt es in einem der neuen Aufsätze von Erwin Chargaff, »ist vielleicht die erste in der Geschichte, von der man wird sagen können, sie sei stumpf und dumpf und ohne den geringsten Schein einer hellen Hoffnung in den Abgrund der Zukunft gestürzt.«
Chargaffs Prognosen sind sicher noch düsterer geworden, vielleicht aber seine Schriften noch unentbehrlicher. 14 Essays sind in diesem Band versammelt: Analysen, Vorschläge und Bekenntnisse. Die Themen: Über die Vorstellung vom unendlichen Fortschritt. Über das Recht auf Leben. Über die Konsumentenrevolution in Ostdeutschland. Über die Ironie. Über Ludwig Wittgenstein. Über Bioethik und die »Fortschritte« der Organtransplantation. Über Genie, Talent, Begabung. Über das Verschwinden der Demokratie. Über die Notwendigkeit einer Selbstbegrenzung der Naturwissenschaft - und vieles mehr.
»Er ist ein Stilist von Gnaden«, schreibt die FAZ, »seine Essays sind von einem leichten und klaren, zugleich witzigen und bissigen Deutsch.« Chargaff zu lesen ist ein großes ästhetisches und intellektuelles Vergnügen; für viele der grundsätzlichen Diskussionen unserer Jahre finden sich hier hilfreiche Stichworte.
Neue Einwürfe und Polemiken des großen Naturwissenschaftlers und Essayisten - von denen man das Gefühl hat, daß sie mit jedem Jahr wichtiger werden.