Mystik und Zen, Frauen als Mystiker, Meister Eckhart, Jakob Böhme und Juan de la Cruz, Farbmystik - die Themen würden bei anderen Autoren der spirituellen Lese-Ecke für einen Bestseller reichen.
Der Germanist und Theologie Alois M. Haas hat mit diesem Buch ganz sicher keinen Bestseller schreiben wollen. Zu wenig nimmt er auf Vorlieben moderner Erbauungsliteratur-Käufer Rücksicht; zu anspruchsvoll kommt er daher; zu wenig liberal-fromm und zu katholisch-wissenschaftlich ist sein Geist. (Entsprechend kommen derzeitige Lieblingsautoren wie A. Grün und W. Jäger mit einzelnen Fußnoten davon.)
Die Lektüre lohnt sich dennoch für Geist und Herz, weil Haas sich den Mystikern stellt und sie in ihre Zeit stellt. Sein Wissen ist beeindruckend: das zeigt sich in den Aufsätzen zu geschichtlichen Einzelthemen im 2. Teil, und genauso in den systematischen Essays im 1. Teil, wo die übergreifenden Linien behutsam und deutlich gezogen werden.
Keine Einführung in die Mystik, aber ein wichtiges Buch für alle Interessierten, die nach dem ersten Buch zum Thema ein zweites lesen möchten.