Katherine Mansfield, englische Dichterin und Erzählerin, durfte nur 32 Jahre alt werden. Bis auf das Buch
In einer deutschen Pension ist sie auch heute noch in Deutschland relativ unbekannt. Doch Mansfield lesen, das heißt Leben in Buchform zu bekommen; das heißt Spiegel und Bilder im gleichen Maß vor seinen Augen zu finden.
Mansfields Short Storys sind so etwas wie realistische Semantik - die beschaulichen Alltagsgeschichten, von denen sie berichtet, die ineinander greifenden Abläufe und Ebenen innerhalb von Gedanken, Beziehungen, Familien, Gesellschaften, zeigt sie mühelos und eher nebenbei auf, als würde der tiefe Raum, der sich unter ihren Oberflächen findet, sich ganz von selbst auftun, wenn sie nur einen präzisen Rahmen dafür strickt.
Es sind Geschichten von den Schlaglöchern des Lebens, nicht von den Dramen des Lebens, nicht von Tiefpunkten des Lebens, sondern von den einfachen Schlaglöchern, die unvermittelt kommen und gehen. Vielleicht der Tod des tyrannischen Vaters und dann die Einsicht, dass die Abläufe noch immer so eingefahren sind, als überwache er das Leben seiner Töchter noch aus dem Grab heraus; oder die plötzliche Erkenntnis, dass man sich verändert hat; und oft auch nur das Begreifen, dass sich ein Weltbild mit einem Wort, einem Moment ändern kann, weil alle Dinge potenzielle Schwellen sind. Jedes Leben ist ein Ereignis, voll gebrochener Ereignisse, und das kann Mansfield zeigen, wie keine andere.
Wer die Welt, in all ihrer Schönheit, Tücke, Unerklärtheit, Möglichkeit, Verschiedenheit beschrieben, aber nicht erklärt haben will, der sollte Katherine Mansfield lesen und am Besten mit diesem Buch beginnen. Er wird wunderbare Bilder und Gefühle erfahren, die er genauso kennt, wie sie hier beschrieben werden; er wird sein Leid finden und auch seinen Zweifel - und wahrscheinlich auch sein Glück.