"Erst wenn wir uns selbst lieben, werden sich unsere Herzen füllen, und unsere Liebe wird auch zu unseren Mitmenschen hinüberfließen. Wir können andere nicht mehr lieben als uns selbst, und wir kännen die Liebe anderer nicht annehmen, wenn wir uns nicht selbst lieben können."
So lautet die von den Psychotherapeuten Erika Chopich und Margaret Paul am Ende des Vorworts aufgestellte Maxime dieses Buches. Der Weg zu innerer Ruhe, dem Gefühl, mit sich im Reinen zu sein, ein Leben ohne Verbitterung zu führen und warum dieser Zustand so schwer zu erreichen ist; genau dieser Frage versuchen die beiden Autorinnen in "Aussöhnung mit dem inneren Kind" auf den Grund zu gehen.
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach und wird schon im Titel gegeben: der Schlüssel zum Glück liegt in der Akzeptanz des inneren Kindes, welches in jedem von uns zu finden ist. Folgt man den Autorinnen, verkörpert dieses innere Kind einen Zustand des reinen Glücks, in dem sich jeder Mensch nach der Geburt befinde. Zurückweisungen, körperliche oder seelische Verletzungen, Unglück und Schmerz sind diesem Ursprungszustand noch unbekannt. Der Weg eines erwachsenen Menschen zurück zum inneren Kind liege nun also darin, alle Gefühle, vor allem die negativen, zu akzeptieren und als Teil seines Leben zu begreifen und zu akzeptieren. Die in unserer Gesellschaft vorliegende Tendenz Schmerz und Leid zu verdrängen ist, nach Chopich und Paul, ein Hauptgrund für die Unfähigkeit eines Großteil der Bevölkerung glücklich zu sein.
Die Autorinnen geben zunächst einen Überblick über die von ihnen verwendete Terminologie (inneres Kind, innerer Erwachsener, Co-Abhängigkeit usw.) und analysieren dann, wie jeder Mensch zwangsläufig während der Kindheit seinem inneren Kind entfremdet wird und erst wieder lernen muss, glücklich zu sein. Beispiele aus der Berufspraxis der Autorinnen sorgen dafür, dass das theoretische Modell immer wieder an Beispielen verdeutlicht wird.
Absolut empfehlenswert! Ähnlich wie Robert Blys Kultbuch "Eisenhans - Ein Buch über Männer" rufen Chopich und Paul auf, bei sich und seiner eigenen Kindheit zu beginnen, bevor man anfängt sich über seine Mitmenschen und die Ungerechtigkeit der Welt zu beklagen. Denn, so die These der drei Autoren, ohne innere Verletzungen kommt kein Mensch durch die Kindheit. Die Kunst sei nur, sich diesen Verletzungen, auch und gerade weil es schmerzhaft ist, zu stellen und in sein Leben zu integrieren. Tun wir dies nicht, verbittern wir und sind nicht in der Lage uns selbst, geschweige denn anderen Personen, glücklich zu machen.