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Eine "äußerst dichte" Theorie hat der Italiener Girogio Agamben, gelernter Jurist, Philosoph und mit der Debatte um sein Werk "Homo sacer" endlich in deutsches Blickfeld gerückt. Die amerikakritische Studie, die sich mit den Dunkelzonen des Rechts innerhalb von Demokratien beschäftigt, hat Rezensent Thomas Assheuer dennoch nicht überzeugt. Zwar findet er es völlig legitim, dass sich Agamben weigert, "in den Chor derer einzustimmen", die in Terror- und Kriegszeiten die eigene Gesellschaft nicht mehr zu kritisieren wagen. Doch in der Art, wie der Autor kritisiere, werde er "Opfer seiner Vorentscheidungen", da er in Folterskandalen und Rechtsbrüchen das "innerste Un-Wesen" des Rechts sieht. Dabei, so findet der Rezensent, sind Skandale wie die von Abu Ghraib und Guantanamo "Amerikas Schande, nicht seine Norm." Die übermächtigen Zweifel Agambens, der "virtuos" die Begrifflichkeiten Carl Schmitts verwendet - allerdings mit einer völlig anderen Intention - und sich von "Heideggers Schicksalstremolo durchzucken" lässt, ließen keinen Platz für die grandiose Leistung, die Realisierung individueller Freiheit, die das Recht erbringt. Agambens Sinn für die Dialektik von Recht und Leben sei "bewundernswert" - die analytische Leistung dieses Buchs dagegen fragwürdig.
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Kurzbeschreibung
Der Ausnahmezustand, d. h. jene Suspendierung des Rechtssystems, die wir als Provisorium zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Krisensituationen zu betrachten gewohnt sind, wird vor unseren Augen zu einem gängigen Muster staatlicher Praxis, das in steigendem Maße die Politik bestimmt. Agambens neuestes Buch ist der erste Versuch einer bündigen Geschichte und zugleich Fundamentalanalyse des Ausnahmezustandes: Wo liegen seine historischen Wurzeln, und welche Rolle spielt er - in seiner Entwicklung von Hitler bis Guantanamo - in der Gegenwart?
Wo der Ausnahmezustand zur Regel zu werden droht, sind die Institutionen des demokratischen Rechtsstaats und das verfassungsgemäße Gleichgewicht der Gewalten gefährdet, und die Grenze zwischen Demokratie und Diktatur verschwimmt. In Auseinandersetzung mit verschiedenen theoretischen Annäherungen an das Phänomen des Ausnahmezustands - zu nennen sind in erster Linie Walter Benjamin, Carl Schmitt und Jacques Derrida - vermißt Agamben das von den meisten Theoretikern gemiedene Niemandsland zwischen Politik und Recht, zwischen der Rechtsordnung und dem Leben und wirft ein neues Licht auf jene verborgene Beziehung, die das Recht an die Gewalt bindet.
Insofern der Ausnahmezustand zur Regel zu werden droht, sind die Institutionen des demokratischen Rechtsstaats und das verfassungsgemäße Gleichgewicht der Gewalten gefährdet, und die Grenze zwischen Demokratie und Diktatur verschwimmt. In Auseinandersetzung mit verschiedenen theoretischen Annäherungen an das Phänomen des Ausnahmezustands - zu nennen sind in erster Linie Walter Benjamin und Carl Schmitt, aber auch Autoren wie Theodor Mommsen, Adolphe Nissen und Jacques Derrida - vermißt Agamben das von den meisten Theoretikern gemiedene Niemandsland zwischen Politik und Recht, zwischen der Rechtsordnung und dem Leben und wirft ein neues Licht auf jene verborgene Beziehung, die das Recht an die Gewalt bindet.
Über den Autor
Giorgio Agamben wurde 1942 in Rom geboren. Er studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluß des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken.
Als Herausgeber der italienischen Ausgabe der Schriften Walter Benjamins fand Agamben eine Reihe von dessen verloren geglaubten Manuskripten wieder auf. Seit Ende der achtziger Jahre beschäftigt sich Agamben vor allem mit politischer Philosophie. Er lehrt zur Zeit Ästhetik und Philosophie an den Universitäten Venedig und Marcerata und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris, Berkeley, Los Angeles, Irvine.