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Dass die Deutschen ständig fremdsprachige Begriffe in ihren eigenen Sprachgebrauch übernehmen, ist Puristen (in manchem Fall gewiss zu recht) ein Ärgernis. Doch lassen sich mit importierten Begriffen Sachverhalte bisweilen tatsächlich treffender beschreiben als mit den eigenen. Und so haben denn auch nicht nur zahlreiche Fremdworte Eingang in den deutschen Sprachgebrauch gefunden, sondern umgekehrt auch zahlreiche deutschsprachige Begriffe ihren Weg in viele Sprachen der Welt, wie dieser lehrreiche Band an zahlreichen Beispielen deutscher Begriffsexporte anschaulich belegt.
Während die Sprecher mancher deutscher Radiosender in ihren Verkehrsnachrichten öfter einmal von regem Verkehrsaufkommen im "Outback" faseln (was wirklich nur schwer erträglich ist), bedient man sich ausgerechnet im australischen Englisch gerne des deutschen Wortes "Hinterland" für die küstenferneren Landschaften des Kontinents. Dass man in England nicht nur "wunderkinder" in den legendären "kindergarten" schickt und in Russland das "Butterbrot" schätzt, dürfte vielen Lesern bekannt sein. Wem aber, um nur einige wenige Beispiele herauszugreifen, dass man sich in englischsprachigen Ländern gerne zum "kaffeeklatsching" trifft, in Finnland eine "Kaffepaussi" einlegt, in Japan seine "noirooze" pflegt, in Polen in den "szlafrock" schlüpft oder in Amerika keine Lust hat, "to shlep" schwere Koffer?
Und überall in der Welt geben sich die Leute zustimmend ihr "okay" -- ein Ausdruck, der ebenfalls ursprünglich aus dem Deutschen stammt, wo die Abkürzung "o. K." einstmals für die Druckfreigabe "ohne Korrektur" stand? Es ist wirklich erstaunlich, wie Karin Eichhoff-Cyrus und Lutz Kuntzsch von der Gesellschaft für deutsche Sprache in ihrer Einleitung resümieren, "welche deutschen Wörter in die entferntesten Winkel der Welt 'gewandert' sind" -- und manchmal eben auch wieder zurück. Eine überaus vergnügliche Lektüre! -- Andreas Vierecke
Pressestimmen
... Die sportliche Attitüde des Deutschen Sprachrats hat sich ausgezahlt - sechstausendfach. So viele Wortmeldungen gingen aus Russland und Japan, den USA und Südafrika ein. Eine Bereicherung: Neben den bekannten Klassikern wie "sauerkraut", "kindergarten" und "weltschmerz" tauchte eine Vielzahl neuer Trouvaillen auf. Das schönste Beispiel ist vielleicht der Begriff "nusu kaput" aus dem ostafrikanischen Kiswahili. In der Sprache bedeutet "nusu" so viel wie halb, kaput eben kaputt, und als Summe ergibt das: Narkose. Das Beispiel zeigt, wie die meisten Wörter den Sprung in eine andere Sprache schaffen. Nämlich dann, wenn sich ihnen in der Fremde eine Benennungslücke öffnet, wie das die Sprachwissenschaftler nennen. Besonders oft hat das Russische deutschen Wörtern linguistische Arbeitsplätze angeboten. Vom "schlagbaum" (Bahnschranke) über "vorschmack" (Hering-Vorspeise) bis zum "butterbrot" (Sandwich, allerdings ohne Butter; niemand weiß, wie die Butter vom russischen "butterbrot" verschwunden ist). ... Eine gewisse Genugtuung kann der Sprachrat nicht verhehlen, wenn er meldet, dass es ein deutsches Wort sogar ins britische Jugendidiom geschafft hat: Statt "mega" heißt es in London und Liverpool nun "uber". ... Den größten Triumph im Wettstreit der Sprachen hat für uns aber das Wort "Handy" errungen. Erfunden wurde es im deutschen Sprachraum, auch wenn es für unsere Ohren englisch klingt. Doch nun sind immer mehr Amerikaner zu hören, die ihr "mobile" auch "handy" nennen. Ist das nicht cool? --
Die Zeit, 16.11.06...Das Buch "Ausgewanderte Wörter" enthält eine bunt gemischte Auswahl dieser Zuschriften, wobei zum Glück die Originaltexte der Autoren verwendet wurden. Das macht die Lektüre sehr lebendig, da vom gewählt formulierten Beitrag über holpriges, gebrochenes Deutsch bis zu Beiträgen in Fremdsprachen (diese wurden auf Deutsch überstetzt), alles dabei ist.... --
berndeutsch.ch, 13.07.2007Von "Aberjetzte" bis "Zeitgeist": Diese Buch versammelt eine Auswahl "ausgewanderter" Wörter, Fremd- und Lehnwörter also, bei denen noch erkennbar ist, dass sie auf deutsche Wörter zurückgehen. Nach dem ähnlich ausgestatteten Buch "Das schönste deutsche Wort" entstand auch diese Buch im Rahmen einer internationalen Ausschreibung des Deutschen Sprachrats. Wie komisch es ist, von "ausgewanderten" Wörtern zu sprechen, davon handelt das Nachwort: "Hallo, ich möchte Ihnen meine Wörter geben", so oder ähnlich formulierten es die Anrufer beim Deutschen Sprachrat, dem "Fundbüro" für die ausgewanderten Wörter. Über 6.000 Menschen aus über 70 Ländern haben sich auf die Suche gemacht. Die Auswahl der interessantesten Beiträge vermittelt die Begeisterung vieler "ehrlicher Finder" am deutschen Wortschatz. Entstanden ist ein buntes, mit vielen Bildern ausgestattetes Buch, das Zeugnis gibt über die Lebendigkeit der deutschen Sprache. --
Info-Atlas Schule unterwegs, Spezial Sprachen 2007/2008, Melanie Förg, lehrerbibliothek.de