Kurzbeschreibung
Der dritte Band der Auswahl aus Momiglianos >Contributi< vereinigt 22 Aufsätze zur modernen Historiographie der antiken Welt aus einem Zeitraum von fünfeinhalb Jahrzehnten. Zwei Drittel der ausgewählten Texte wurden nach 1970 verfaßt und spiegeln vor allem die Interessen und Problemstellungen der letzten Jahre des großen Historikers wider. Die Aufsätze liefern einen kontinuierlichen Überblick über die Entwicklung der modernen wissenschaftlichen Beschäftigung mit der griechisch-römischen Antike von der deutschen und italienischen Romantik am Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Glanz und Elend der europäischen Geschichtsschreibung (und der europäischen Geschichte) in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Momigliano zeigt die tiefgreifenden, nicht immer bewußten politischen und kulturellen Interessen und Vorurteile der Altertumswissenschaftler, die der Erforschung der Antike nicht nur unüberwindliche und manchmal peinliche Grenzen setzten, sondern auch eine Energie und eine Zielrichtung gaben, ohne die jene wohl gar nicht möglich gewesen wäre. So wird die Geschichte der Geschichtsschreibung der Antike in Momiglianos Händen zu einem Seismographen, mit dessen Hilfe sich die Erschütterungen des europäischen Selbstbilds ablesen lassen. - Die grundsätzliche Frage, die allen Einzeluntersuchungen meist stillschweigend zugrundeliegt, ist diese: Wie konnte es dazu kommen, daß die europäische Geschichte in unserer Zeit die Ideale der europäischen Geschichtsschreibung auf so furchtbare Weise Lügen strafte?