Kurzbeschreibung
Verrat, Habgier, Fanatismus die historischen Welten, in die Conrad Ferdinand Meyers Novellen und Gedichte entführen, wollen so gar nicht ins ordentliche 19. Jahrhundert passen, in dem sie entstanden sind. Vielleicht aber war das bürgerliche Zeitalter mit seiner Fortschrittsgläubigkeit und strengen Moral gar nicht so ordentlich und fest gefügt, wie es uns heute erscheint. Conrad Ferdinand Meyer jedenfalls ist bei aller Strenge der Form alles andere als ein braver Lyriker und Erzähler und die überall spürbaren Krisen in seinem Werk verbinden ihn mit unserer Zeit.
Inhalt: »Das Amulett«, »Der Schuß von der Kanzel«, »Die Leiden eines Knaben« u.a.
Über den Autor
Conrad Ferdinand Meyer, 11. 10. 1825 Zürich - 28. 11. 1898 Kilchberg bei Zürich. M. stammte aus einer reformierten Patrizierfamilie. Nach dem Tod des Vaters (1840) führte der tiefgreifende Konflikt mit der puritanischen Mutter, die für M.s geistige und künstlerische Interessen kein Verständnis hatte, zu einer langwierigen Lebenskrise (Unterbrechung des Gymnasiumsbesuchs wegen Depressionen, Abbruch des ihm aufgedrängten Jurastudiums, Aufenthalt in der Nervenheilanstalt Préfargier bei Neuenburg). Die Zeit in der Heilanstalt festigte M.s Selbstvertrauen; 1854 kehrte er nach Zürich zurück. Der Lausanner Historiker Louis Vulliemin, bei dem M. bereits 1843/44 in Lausanne historische und literarische Studien betrieben hatte, regte ihn zum Geschichtsstudium und zu Übersetzungsarbeiten an. Nach dem Selbstmord der Mutter (1856) sorgte eine Erbschaft für finanzielle Unabhängigkeit. Gemeinsam mit seiner Schwester Betsy (1831-1912), mit der ihn zeitlebens ein enges Verhältnis verband, reiste er 1857-58 nach München, Paris und Italien (Rom, Florenz, Siena) und begeisterte sich für die Kunst und Kultur der Antike und der Renaissance. Mit ersten literarischen Erfolgen und der Heirat mit der aus der Züricher Oberschicht stammenden Offizierstochter Luise Ziegler (1875) festigte