Hedwig Dohm (1831-1919), eine der bekanntesten Schriftstellerinnen und Publizistinnen des 19. Jahrhunderts und wegweisende Kämpferin für die Rechte der Frauen in Deutschland, feiert im Jahr 2006 ihren 175. Geburtstag.
Als eine der ersten in Deutschland forderte die Berlinerin jüdischer Abstammung bereits 1873 das Stimmrecht für Frauen und setzte sich in ihrem umfangreichen Gesamtwerk – Romane, Novellen, Feuilletons, Essays und Theaterstücke – Zeit ihres Lebens für die Gleichstellung von Männern und Frauen ein. Hedwig Dohm thematisierte immer wieder die ungleiche Erziehung von Jungen und Mädchen, kritisierte die Idealisierung von Mutterschaft und die Ehe als Versorgungsgarant für Frauen, und sie kämpfte für eine Veränderung der (Un-)Rolle der alten Frau in der Gesellschaft – sprachlich brillante, scharfe Analysen mit elegantem Witz, die bis heute nichts von ihrer Aktualität und Frische eingebüßt haben. Außerdem korrespondierte Hedwig Dohm, Freundin und Großmutter Katia Manns, mit den berühmtesten SchriftstellerInnen ihrer Zeit.
Umso erstaunlicher ist es, dass lange Zeit weder ihre Werke noch ihre Korrespondenz in gedruckter Form vorlagen. Der Name hatte Glanz, doch ihre Texte blieben vergriffen.
Zu ihrem 175. Geburtstag ist nun im Trafo Verlag Berlin, herausgegeben von Isabel Rohner und Nikola Müller, erstmals ein Band mit ausgewählten Texten verschiedener Genres von Hedwig Dohm erschienen: gesellschaftskritische Novellen (z.B. Werde, die du bist), sezierende Essays (z.B. Nietzsche und die Frauen), humorvolle Feuilletons (Die Unpersönlichkeit der Frau), Schriften gegen den Krieg (z.B. Gegen den Missbrauch des Todes) sowie bislang gänzlich unbekannte Aphorismen und Briefe, die die enorme Vielseitigkeit dieser zu Unrecht (fast) vergessenen Autorin zeigen. Dieser Band versteht sich gleichzeitig als Auftakt zur Edition Hedwig Dohm, der kommentierten Gesamtausgabe.