Auf dem Buchrücken schreibt der Autor: "Es gibt Menschen, die täglich Höchstleistungen vollbringen - und dennoch nie über Stress und Burnout klagen". Ich möchte diese Behauptung gerne um folgenden Satz ergänzen:"...und dann plötzlich einen Schlaganfall bekommen". Herr Seiwert hätte mal mehr die aktuellen Forschungsergebnisse zum Thema Stress und Burnout lesen sollen. Ich habe mich über dieses Buch sehr geärgert. Als ZRM-Trainer bringe ich Führungskräften bei, wie sie wieder mehr auf Ihren Körper hören und öfters Pausen machen können, um regelmäßig Zeit für Bewegung und "Muse" zu haben. Das Problem in der heutigen Arbeitswelt ist, das die Menschen zwar wissen - weil sie dafür ein Display haben - wann ihr Handy keine Akkukapazität mehr hat, aber sie fühlen nicht mehr, wann ihr eigener Akku leer ist. Gut gelaunt rasen sie auf der Überholspur - pushen sich mit Kaffee und Süßigkeiten - und überhören alle Warnsignale ihres Körpers. Und dann wundern sie sich, wenn sie "plötzlich" ausgebrannt sind. Jemand, der auch noch stolz darauf ist, dass er rund um die Uhr arbeitet, ist peinlich und wenig als Vorbild geeignet. Viele Selbstständige und Arbeitnehmer haben längst die Obergrenze ihrer Leistungsfähigkeit erreicht. Jemand, der stolz von sich behauptet 168 Stunden zu arbeiten, sagt doch damit nichts anderes aus, als dass ihm seine Frau, seine Kinder, seine Beziehungen weniger wichtig sind, als die Jagd nach dem Erfolg. Mit das peinlichste in dem Buch von Herrn Seiwert ist jedoch der Vergleich mit dem Dalai Lama. Auf Seite 13 stellt er die Frage: "Können Sie sich vorstellen, dass der Dalai Lama einen Burnout bekommt?". Auf Seite 14 fragt sich dann Herr Seiwert:"...woher dieser außergewöhnliche Mensch seine Gelassenheit nimmt?" Ich erspare Ihnen die banale Antwort des Autors. Fakt ist jedoch, wenn Herr Seiwert eine einfache Autorenregel befolgt hätte: "Schreibe nur über Personen, die du wirklich auch persönlich gut kennst", hätte er seinen Lesern eine bessere Antwort geben können. Fakt ist, der Dalai Lama meditiert jeden Tag mehrere Stunden. Auch unter Hochdruck übt er regelmäßig. Und dass schon seit seiner Kindheit. Als Yogalehrer meditiere ich ebenfalls jeden Tag mindestens 90 Minuten. Gelassenheit ist eine Kompetenz, die man z.B. durch Meditation trainieren kann. Aber Meditation kann man nicht kaufen, in dem man wie der Autor ein 3-Tages-Seminar besucht und anschließend glaubt, man sei relaxt und fährt weiter mit seinem Leben auf der Überholspur. An dem Buch ist wirklich keine einzige Seite lesenswert. Und ich wage die Behauptung, dass der Autor auch die meisten seiner im Literaturverzeichnis aufgeführten Bücher weder gelesen noch verstanden hat. Aber das hatte Autor wohl auch gar nicht beabsichtigt. Auf Seite 61 beschreibt er selbstherrlich voller Stolz den Sinn und Zweck seines Buches "Ausgetrickst". Er schreibt: "EIn Buch ist ein Marketing-Instrument, das einzige Marketing-Instrument für das es sogar noch ein kleines Honorar gibt. Um in die Lage zu kommen, mit einem einzigen Vortrag mehr zu verdienen als mit einem ganzen Buch, brauche ich - das Buch! Marketing also." So gesehen hat der Leser dieses Buches also 19,99 Euro für ein Marketing-Instrument bezahlt, dass auf den letzen 6 Seiten auch noch Werbung macht, einen Vortrag von dem Autor zu besuchen. Clever gemacht. Das Buch ist also nur eine Werbebroschüre, für die wir auch noch Geld bezahlen müssen. Da kann ich nur sagen, lassen Sie uns Abschied von solchen Autoren nehmen, die nur viel reden, aber nichts mehr zu sagen haben.