Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ungeschminkte Analyse der Zweidrittelgesellschaft!, 16. Juli 2008
Der Kasseler Soziologie-Professor Heinz Bude vermittelt in diesem schmalen Bändchen eine aktuelle Bestandsaufnahme des sog. "abgehängten" Drittels der bundesdeutschen Gesellschaft.
Als momentane Ausgestoßene macht er z.B. Alleinerziehende, Bildungsverlierer und Ostdeutsche (insbes. solche, die ehemals in der DDR in den LPGs beschäftigt waren, und sich nach der Wende mit dem abrupten Verschwinden ihrer Berufsbilder wie Melker, Traktorist etc. konfrontiert sahen) aus und schildert deren typische Realität und Perspektiven. Budes Buch verdeutlicht, wovor Sozialwissenschaftler übrigens schon in den 1980er Jahren gewarnt haben, dass sich die Tendenz zu einer sog. Zweidrittelgesellschaft immer mehr verfestigt.
Der Autor verzichtet bei seiner kritischen Analyse weitgehend auf den typischen Soziologenjargon und auf Theoriediskussionen, was das Buch gerade auch für Nichtakademiker und insbes. politisch Interessierte lesbar und geeignet macht. Der Anmerkungsapparat ist dementsprechend knapp gehalten.
Die Abhandlung trägt insgesamt einen einführenden Charakter. Der Autor will mit seinem Buch eine breite Öffentlichkeit für die genannten Problemgruppen in unserer Gesellschaft sensibilisieren, um dringend notwendige Gegensteuerungsmaßnahmen zu initiieren. Dies ist ihm meiner Ansicht nach gelungen.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Exclusiv prekär, 20. August 2008
Durch eine Besprechung im Deutschlandfunk neugierig geworden sollte ich nicht enttäuscht werden, als ich das Werk von Heinz Bude las. Zusammengedrängt ein kurzer Abriss der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 10 - 15 Jahre. Deutlich wird dabei der Zerfall gesellschaftlicher Strukturen, die Wagenburgmentalität der nicht mehr solidarisch handelnden, sondern auf Rettung der eigenen Haut bedachten Interessengruppen. Die anschauliche Darstellung seiner Thesen fesselt den Leser, aber nimmt ihn nicht mit auf die Reise zu einer Alternative. Am Ende des Buches wird man zu dem beschriebenen jungen perspektivlosen Ostdeutschen an der Tankstelle, abgelegen vom nächsten Ort in einem fast unbebauten Gewerbegebiet. So kann die Gemütslage des Prekariates natürlich auch vermittelt werden.
Das Buch ist zu klug geschrieben, um unabsichtlich so zu enden. Heinz Bude analysiert, erklärt bestimmte Entwicklungen, ohne zu belehren. Der Leser muss seine Konsequenzen daraus ziehen und danach handeln. Dem politischen Kämpfer, der im Alltag gegen eine träge Masse agitieren muss, wird das Buch nicht revolutionär genug sein. Allenfalls findet er die Begründung dafür, warum die Masse so träge ist.
Mir hat das Wechselspiel zwischen einfühlsamer Beobachtung und kühler Distanz gefallen. Es lässt Spielraum eigene Gedanken zur Veränderung zu entwickeln. Als Schüler aus den 68ern finde ich es angenehm nicht so dogmatisch festgelegt zu werden, obwohl am Ende meine Gedanken sich durchaus in marxistischen Denkmodellen bewegen.
Dieses Buch ist absolut empfehlenswert und lässt sich gut mit dem kämpferischen Werk von Viviane Forrester "Der Terror der Ökonomie" kombinieren.
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15 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Und was ist die Moral von der Geschichte?, 9. Dezember 2008
Wenn ich erwartet hätte, etwas Neues im Stile von Theodore Dalrymple über die Unterschicht zu erfahren, ähnlich wie Life at the Bottom: The Worldview That Makes the Underclass oder Not with a Bang But a Whimper: The Politics and Culture of Decline, dann müßte ich jetzt enttäuscht sein. Denn bei Bude fand ich keine aus dem vollem Leben gegriffenen Einzelfallschilderungen, an die sich Verallgemeinerung anschließen, sondern staubtrockenes Klagen. Und Klagen worüber?
Da man ja die Ungleichheit der Menschen beseitigen will und alle von unterschiedlicher Bildung herrührenden Ungerechtigkeiten (denn nur daher kommt nach Meinung von Bude und seinen Zeitgenossen die Ungerechtigkeit), haben die Träumer die höhere und mittlere Bildung auf immer breitere Schichten ausgeweitet. Das hat folgenden Effekt: Als ich (der Rezensent) das Abitur ablegte, legten etwa 8% des Jahrgangs das Abitur ab, der mittlere IQ aller Abiturienten war etwa 127. Wenn heute 40% eines Jahrgangs das Abitur erwerben, ist ihr mittlerer IQ etwa 112. Für den Arbeitgeber hat damit das Abitur eine weit niedrigere Signalfunktion als früher, und der Arbeitgeber verlangt Zusatzinformationen und Zusatzqualifikationen.
Was aber ist am unteren Ende der Verteilung geschehen? Besuchten früher 60% aller Schüler die Grundschule oder Volksschule, so war deren mittlerer IQ 92; haben heute 15% nicht einmal einen richtigen Schulabschluß, dann weiß jeder Arbeitgeber, daß deren mittlerer IQ etwa 77 ist, was sie stigmatisiert, da Personen in einem derartigen Leistungsbereich für viele Facharbeitertätigkeiten nun einmal untauglich sind. Die Folgen einer derartigen verschärften Ausgrenzung erfaßt Bude richtig. In dieser Hinsicht ist das Buch gut und zutreffend.
Aber als Gegenmittel suggeriert Bude eine noch stärkere Dosierung der Gleichmacherei, also eine noch größere Deflation aller soliden und höheren Bildung, die aber eben gerade zu dieser verschärften Ausgrenzung unten geführt hat und weiter führen wird. Und wenn man das nicht begreifen kann und seine Träume nicht aufgeben will, bleibt nur der Zwang. Also z. B. die Anordnung einer (sozialistischen) Regierung, daß in den Schulen niemand mehr Sitzenbleiben darf.
Da finde ich Hurra, wir werden Unterschicht!: Zur Theorie der gesellschaftlichen Reproduktion von Peter Mersch schon witziger.
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