Erika Mann war eine Frau mit vielen Talenten!
Davon ist ihr journalistisch-feulletonistisches wohl an erster Stelle zu nennen!
Die älteste Tochter Thomas Manns, die mit dem Kabarett "Die Pfeffermühle" bis zum Beginn der Nazidiktatur sehr erfolgreich war, hat vor der Machtergreifung vieles ausprobiert. Sie war Weltreisende an der Seite ihres Bruders Klaus, mit dem sie eine sehr innige Beziehung hatte, hat Theater gespielt und war Teilnehmerin an vielen Autorallyes.
Dabei brachte sie sich stets mit ihrer ganzen Persönlichkeit ein!
Gleichwohl hatten alle ihre Aktivitäten etwas leichtes und fast verspieltes.
Erst mit der Emigration, die sie hellsichtig auch für ihre Eltern vorantrieb, kam der wirkliche Ernst des Lebens!
Mit bewundernswertem Rückgrat wurde sie zu eine der Leitfiguren ihrer Generation in der Emigration, zunächst in Südfrankreich, später in den Staaten.
Nach dem Krieg wurde sie zur wichtigsten Mitarbeiterin ihres Vaters, wandte sich schließlich enttäuscht von Amerika ab und wurde - zurück in Europa - zur Hüterin des Nachlasses ihres Bruders Klaus und schließlich auch ihres Vaters...
In ihren letzten Lebensjahren arbeitete sie vorallem journalistisch und nahm dabei nie ein Blatt vor den Mund...
In den in diesem sehr schönen Buch versammelten Texten Erikas erkennen wir alle Seiten an dieser faszinierenden Frau: spitzbübisch und hintergründig komisch aber auch unversöhnlich- ja fast bösartig!
Man kann Erika Mann sicher vieles vorwerfen, aber niemals, dass sie je unaufrichtig war. Sie war tatsächlich das mutige und tollkühne Kind, als das ihr Vater sie einst beschrieb!
Absolut lesenswert!