Obwohl ich wußte, worum es in diesem Buch geht und ahnte, was mich erwarten würde, erschütterte mich dieser Bericht doch über alle Maßen...
Es ist ein bischen wie bei einem Autounfall. Man möchte nicht hinsehen, in diesem Fall weiterlesen und doch kann man sich dem nicht entziehen, es hat eine nahezu hypnotische Wirkung.
Seite um Seite fragt man sich, wie ein Mensch einem anderen Menschen, in diesem Fall auch noch einem Kind, so etwas antun kann, ohne das irgendjemand der zahlreichen Personen, die Bescheid gewußt haben müssen oder zumindest etwas geahnt haben, einschreiten. Man fragt sich, wann "Jane" endlich die Kraft finden wird, sich aus ihrem Martyrium zu befreien und selbst etwas gegen ihren Peiniger zu unternehmen.
Woher sie nach all diesen Jahren der Erniedrigung und der Angst noch die Kraft genommen hat, sich schließlich gegen ihn zur Wehr zu setzen ist mir völlig unbegreiflich.
Ab und an muß man das Buch aus der Hand legen und tief durchatmen. Es berührt einen einfach zu sehr. Man fühlt mit ihr und hat doch keine Vorstellung davon, wie es ihr tatsächlich ergangen sein muß und wie sie es geschafft hat, nicht völlig verrückt und zu einem halbwegs normalen Menschen mit Werten und Moral zu werden.
Wie hilflos und ohnmächtig muß sie sich gefühlt haben, diesen Terror und die Gewalt mehr als 17 Jahre zu ertragen und zu wissen oder zu glauben, sich nicht wehren und auf Hilfe von außen nicht hoffen zu können?
Man kann und möchte es sich beinahe nicht vorstellen.
Auch die Reaktion ihrer Familie, nachdem sie den Menschen, der alle ein Leben lang gequält hat anzeigte, hat mich schwer erschüttert. Anstatt Dankbarkeit und Unterstützung für ihren mutigen Schritt zu erfahren, erntet sie nur noch mehr Gewalt und wird bezichtigt, eine "intakte" Familie zerstört zu haben.
Diese Reaktion ist aber auch der beste Beweis dafür, wie sehr der Vater mit seinem Verhalten alle beeinflußt und letztendlich vergiftet hat.
Für zarte Gemüter ist dieses Buch ganz sicher nicht geeignet. Denn wenn einem ungewollt zu all den Schilderungen die passenden Bilder in den Kopf kommen, hält man das lesen kaum noch aus.
Dennoch ist es ein wichtiges Buch. Jane Elliot schreibt: Wenn ich nur einem Menschen, der dasselbe erleidet daß Gefühl gebe, er kann sich wehren und ist das Opfer, nicht der Schuldige - dann war die Mühe nicht umsonst.
Dieses Thema darf einfach nicht totgeschwiegen werden und aus diesem Grund ist es eben so enorm wichtig, das solche Bücher existieren...