Keine andere Funktion in den Unternehmen wurde in den letzten Jahren ideologisch so überfrachtet wie die Führungsfunktion. Führungskräfte sollen Entrepreneurs sein, sie sollen Leader sein, sie sollen Coachs ihrer Mitarbeiter sein und, und, und ... So viele Aufgaben wurden den Führungskräften aufgebürdet, dass man sich zuweilen fragt: Was sollen Führungskräfte noch alles sein?
Geradezu 'befreiend' wirkt in diesem Kontext das Buch von Roland Jäger, dessen wesentliche Leistung darin besteht, dass es sich auf die Kernaufgabe von Führung besinnt ' nämlich sicher stellen, dass der Bereich, der der Führungskraft anvertraut wurde, seine Funktion in der Organisation erfüllt. Alle andere Führungsaufgaben ordnen sich dieser Kernaufgabe unter, so lautet die zentrale Botschaft dieses Buchs, das leider einige terminologische Unschärfen aufweist. So zum Beispiel, wenn die Überschrift eines Kapitels lautet 'Führungsbedürftige Mitarbeiter verdienen kein Lob, sondern Kontrolle'. Dabei weist Jäger in mehreren Kapiteln selbst deutlich daraufhin hin, dass alle Mitarbeiter Führung brauchen (weshalb Führungskräfte ja auch Führungskräfte heißen). Das Führungsverhalten muss nur ein anderes sein, wenn der Führungskraft kein Top-Mitarbeiter sondern ein 'Low-Performer' gegenüber steht.
Trotzdem ein empfehlenswertes Buch, gerade weil es nicht so glatt und stromlinienförmig daherkommt, wie manch anderes Management-Buch, das unreflektiert jede Führungs-Parole, die gerade Mode ist, aufgreift.