Ein liebevoll ediertes kleines Bändchen, das uns den diesjährigen Büchnerpreisträger in kurzen Sequenzen näherbringt. Seine Ausflüge, von denen er in diesem Buch erzählt, haben etwas, das den Leser sehr an die Art des Schreibens von Umberto Eco erinnert: Alltägliche Beobachtungen werden durch Assoziationen des Autors mit abstrakteren Gedanken verknüpft, die einem so manches Aha-erlebnis bescheren. Es wirkt überaus sympathisch, wie der Autor mit dem Beobachteten umgeht, sehr offen und unmittelbar, ein Exzerpt eigener Erfahrungen. Doch überall, wo er hinkommt, fühtl er sich an seine Heimat erinnert, das Fernweh, das ihn plagt, ihn in Sehnsüchten und Hoffnungen auf fremde Welten, andere Perspektiven, Ausweitung seines Horizontes schwelgen läßt, offenbart ihm doch immer wieder nur schon allzusehr Bekanntes. In der Ferne schweifend, das Besondere zu suchen, wird er doch nur wieder zurückgeworfen auf das Altvertraute. Ein tragischer Held, der so in seinen Hoffnungen am freien Fluge gehindert wird, aber auch ein komischer Held, der seine Niederlagen in feinster Ironie, mit klarer Beobachtungsgabe auf Distanz zu halten weiß, den abgenutzten Mechanismen gesellschaftlichen Zusammenlebens in all seinen Variationen den nicht mehr trüben Spiegel vorhaltend, ohne jedoch mit hoch erhobenem Zeigefinger auf die Annahme seiner Lehren zu drängen. Man ist als mitfühlender Zeuge bei seinen Erfahrungen zugegen, hat an ihrer persönlichen Tragweite Anteil und fühlt sich doch seltsam berührt. Mir persönlich ergeht es oft so, daß ich erstaunt bin über die Banalität gemachter Beobachtungen, deren Wahrheit einem wie Schuppen von den Augen fällt, über Beobachtungen, die in ihrer Alltäglichkeit mühelos mit eigenen Erfahrungen rückzubinden ist. Stadler ist hier, wie auch in seinen anderen Büchern, ein sehr persönlicher Autor, der in seiner Schlichtheit und unprätentiösen Art den Leser an seiner Seele packt, ihn miteinbezieht in die Erfahrungswelten seiner Bücher. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)