Markus Tiedemann listet in seinem Buch 60 Thesen auf, die den Holocaust leugnen, die Gewaltherrschaft der Nazis relativieren
oder ähnliches. Jede These wird kurz, manchmal auch ausführlich widerlegt, meist auch mithilfe von (Sekundär-)Quellen. Die Texte sind gut verständlich und liefern gute Argumente für den Fall, dass man beim nächsten Kneipenbesuch mal wieder mal einen Satz hört, der mit "Damals, beim Adolf..." beginnt.
Die Vorwürfe zweier Rezensenten, die für dieses Buch nur einen Stern vergeben haben, sind ganz offensichtlich einschlägig politisch motiviert. Markus Tiedemann ist weder inkompetent, noch argumentiert er demagogisch. Als einziges Beispiel wird von ihnen die "Lüge Nr. 18", betreffend das Massaker von Katyn, genannt. In der Tat hat der Autor nicht ganz glücklich gehandelt, den Satz "Massenmorde wie z.B. an polnischen Offizieren in Katyn wurden den Deutschen in die Schuhe geschoben, obwohl sie von russischen Einsatzkommandos verübt wurden" pauschal als "Lüge" zu bezeichnen, da das ja sehr wohl geschehen ist. Ansonsten stimmt jedoch alles an diesem Artikel. Der Autor erwähnt, dass dieses "Unterschieben" tatsächlich stattgefunden hat, die Regierung der UdSSR habe dies 1990 zugegeben. Massenmorde an Polen von russischer Seite ändern nichts an der Bewertung der deutschen Massenmorde an Polen, denn: "Hebt ein Verbrechen das andere auf?"
In den restlichen 59 geschilderten Fällen dürfte es schwerfallen, dem Autor einen substantiellen Fehler nachzuweisen. Andererseits ist nicht zu erwarten, dass sich notorische Rechtsradikale überhaupt "überzeugen" lassen, auch nicht mit vollkommen vernünftigen Argumenten. Wer jedwede Quelle als "gefälscht" ablehnt, mit dem kann man auch nicht diskutieren.
Es gibt in Details allerdings schon ein paar Fehler, z.B. spricht er einmal von der "Remilitarisierung des Ruhrgebietes" statt von der "Remilitarisierung des Rheinlandes".
Das Buch ist empfehlenswert, und zwar nicht nur zum angedachten Zweck, sondern auch als leicht lesbares kleines Geschichtsbuch über die Nazizeit. Ich würde sagen, dass es für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet ist, die aus dem Geschichtsunterrricht schon etwas über den Nationalsozialismus erfahren haben. Als "Einführung in die Geschichte der Nazizeit" ist weniger geeignet, weil es sich nicht um eine zusammenhängende Darstellung handelt.