Was lässt sich über Herrn Dr. Uwe Boll sagen? Zunächst einmal, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, Computerspiel-Adaptionen mit (meistens) passablen Schauspielern und einem beachtlichen Budget konsequent langweilig, relativ dilettantisch und mit zielsicherer Flop-Garantie in Szene zu setzen. Da helfen weder Jason Stateham, schon gar nicht Till Schweiger und auch nicht Christian Slater als Schauspieler und an sich spannende Computerspiele wie Dungeon Siege, Farcry und Alone in the Dark als Vorlage.
Mit Auschwitz will Boll einen Film der "Nazi Konzentrationslager, was sie wirklich waren...Tötungsfabriken" zeigen. Ein ambitioniertes Ziel, dem sich wohl jeder (ernsthafte) Filmemacher mit dem allergößten Respekt, einem Höchstmaß an Fingerspitzengefühl und sehr hohen selbstkritischen Maßstäben nähern würde. Aber wie gesagt, dies würden vermutlich eher ernsthafte Filmemacher tun.
Es ist müßig, auf die darstellerischen und dargestellten Unzulänglichkeiten des vorliegenden Werks einzugehen. Nichts, GAR NICHTS beschreibt hier auch nur im entferntesten Sinne die in ihrer Dimension unbeschreibliche, in den auslösenden Faktoren hochkomplexe und in gesellschaftlicher Hinsicht beispiellose Entmenschlichung des Menschen auf Täter-/Opferseite angemessen.
Dies beginnt bereits bei der am Anfang abgegebene Erklärung von Boll selbst, der sich um einen mahnenden, kritischen und kritisierenden Tenor bemüht. Schade, dass er dabei schon im Vorfeld völlig übersieht, dass jedes künstlerische Werk, dass nicht aus sich selbst heraus verständlich ist, sondern erst noch erklärt werden muss, in der Hauptsache die Unfähigkeit und Schwäche des Künstlers dokumentiert. Das war schon mal Eigentor Nr.1!
Das Boll neben allen "formalen" Fehlern, die man im Film machen kann, (angefangen von der unpassenden Location über die historisch fehlerhaften Requisiten bis hin zu den offensichtlichen Laiendarstellern) tatsächlich die Nerven besitz, selber eine Rolle als SS-Wärter vor der Gaskammer zu spielen (in diesem Kontext möge man mir diese Wortwahl bitte verzeihen), setzt dem Ganzen nicht die Krone, sondern vielmehr die unge(b)ollt zynische Narrenkappe auf! Hier entsteht bei mir jedenfalls nicht der Eindruck, eine Abschreckung oder Anprangerung erzielen zu wollen, sondern eher der zweifelhafte Wunsch, das Gefühl der entsetzlichen Macht über Leben und Tod einmal selbst spüren zu können -und wenn auch nur in einem Film fragwürdiger Qualität. Eigentor Nr.2!
Glücklicherweise beschränken sich diese filmischen Eskapaden auf einen relativ überschaubaren Zeitraum. Den Löwenanteil des Films macht eine Art Vorher-Nachher-Interview mit einer Gruppe Schüler aus. Am Anfang werden die Schüler über die NS-Zeit befragt, wobei schon die implizierten Fragen und der gesamte Aufbau der Interviews darauf abzielen, das Unwissen und die Unkenntnis der Schüler über diese Zeit zu portraitieren. Also: "Vorher".
Im Weiteren werden dann differenziertere und fundierte(re) Antworten anderer Schüler gezeigt, die den "Nachher"-Lerneffekt -höchstwahrscheinlich durch Bolls Film- belegen wollen. Um es kurz zu machen: Es wird weder eine repräsentative Probandengruppe benannt oder gar definiert, noch ein valides und geeignetes Erfassungstool gewählt und auch keine Auswertung und Evaluation im Sinne einer brauchbaren empirischen Befragung durchgeführt. Eigentor Nr.3!
Bolls Machwerk in einem Atemzug mit NS- und KZ-Filmen wie "Schindlers Liste", "Triumph des Geistes", "Das Leben ist schön" oder "Kornblumenblau" zu nennen wäre eine Ehre, die weder Boll noch sein Film "Auschwitz" auch nur ansatzweise verdienen. Dies dient an dieser Stelle daher auch ausdrücklich eher dazu, dem Leser einige andere Filme an die Hand zu geben, die....."vorzugswürdiger" sind.
FAZIT: Mag man ihm sein mediales Untalent im Fiction- und Unterhaltungsgenre ja noch verzeihen, im Falle von "Auschwitz" grenzt Bolls auf ganzer Linie gescheiterter Versuch der ernsthaften Auseinandersetzung mit einem derart sensiblen Thema an eine Ignoranz - ob gewollt oder unge(b)ollt lassen wir mal dahinstehen-, die für einen Regiesseur, Drehbuchautor und/oder Produzenten vollkommen indiskutabel ist. Boll erfüllt alle drei Funktionen in Personalunion und hat seiner filmischen Unfähigkeit damit ein dreifaches Denkmal gesetzt. Und das ist wohl das einzig Bemerkenswerte an diesem....ich glaube, es sollte ein Dokumentarfilm werden.