Besonders beeindruckend fand ich: Hier kommen nicht nur Opfer zu Wort, sondern auch Täter. Ebenso werden die Kriegsgewinner kritisch betrachtet. Ein ehemals in Auschwitz stationierter SS widerspricht sogar den Holocaust-Leugnern: Er war dort, er hat es gesehen und war selbst mit dabei. Die Gaskammern waren Realität, ebenso der in die Millionen gehende Menschenmord. Das zeigt dramatisch, wie falsch eine rachsüchtige Justiz ist. Die Täter hätten viel Gutes bewirken können, wenn sie am Leben gelassen worden wären. Vor allem eine genauere Untersuchung, wie es überhaupt soweit kommen konnte, wäre so möglich gewesen. Wem nützten denn noch ein paar Ermordete mehr? Vielleicht hätten sich dann ähnliche Ungeheuerlichkeiten, wie z.B. in Abu-Ghuraib, verhindern lassen.
Der schiere Terror, der in Auschwitz herrschte, kommt bei der Doku allerdings zuwenig durch. Das sind Dinge, bei deren Beschreibung selbst noch zwanzig Jahre danach die Zeugen beim Auschwitz Prozess in Frankfurt ihre Fassung verloren hatten. Die Tonbandaufzeichnungen dieser Aussagen (auf der DVD "Der Auschwitz Prozess" von Directmedia zu erhalten) zeigen da besser das Ausmaß der menschlichen Abgründe, die sich besonders in diesem KZ aufgetan haben, das auf beunruhigende Weise bis heute das Bildnis einer zur Hölle gewordenen Welt vorstellt. Einer Welt ohne Gott und Hoffnung, der wir uns heute immer mehr nähern.