Gabriele Kuby richtet sich mit diesem Buch v.a. an Jugendliche und junge Erwachsene, was sich in einem einfachen, persönlichen Schreibstil („Du“-Anrede des Lesers) äußert. Die Autorin zeigt vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Studien auf, dass die zunehmende Entkopplung von Sexualität und Fortpflanzung, die staatlich subventionierte Abtreibungspraxis und die generell festzustellende Sexualisierung der Gesellschaft weniger zu einer „Kultur des Lebens“ beitragen (wie man es bei liberaleren Sexualnormen vielleicht erwarten würde) als vielmehr zu einem Verlust an sozialer Energie, Kreativität und Selbsterhaltungskraft sowie zu einer zunehmenden Überalterung der Bevölkerung bzw. größeren demographischen Problemen.
Lesenswert ist die Schilderung der Verschiebung von Konventionen: Weg von „klassischen“ Lebensentwürfen wie der Ehe hin zu neuen, vermeintlich „moderneren“ Lebensformen (Patchwork-Beziehungen, Offene Beziehungen, Homoehe, „Ehe auf Probe“ usw.), in denen die schnelle Lustbefriedigung im Vordergrund steht. Die Autorin bedauert, dass solche neuen Lebensformen zwar immer alltäglicher werden, jedoch kaum kritisch hinterfragt und zunehmend auch staatlich gefördert werden. Sie stellt die Frage, ob dieser „neue“ Alltag mit der Grundeinstellung „Alles, was Spaß macht, ist erlaubt“ noch einer „Kultur des L(i)ebens“ entspricht und erläutert, dass liberalere Sexualnormen nicht zwingend zu einem Zugewinn an Freiheit führen, sondern oft sogar zum Gegenteil (Abhängigkeiten, Süchte, Ängste usw.).
Eine Gefahr sieht Frau Kuby u.a. auch darin, dass es zukünftig durch verschleiernde Begriffe wie „Intergenerational Intimacy“ faktisch sogar zu einer staatlichen Tolerierung von Pädophilie kommen könnte, da Eltern z.B. ganz konkret von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu sexuellen Handlungen an ihren Kindern aufgefordert werden. Ob dies zur förderlichen Entwicklung von Kindern tatsächlich notwendig ist, wird von der Autorin nicht zu Unrecht in Frage gestellt.
Alles in allem ein sehr interessantes Buch, das den allgemeinen Trend zur Sexualisierung aus werteorientierter, moralischer und religiöser Sicht beleuchtet. Der z.T. etwas „coole“ Schreibstil wirkt manchmal etwas aufgesetzt, trotzdem vergebe ich wegen der Intention des Buches 5 Sterne.