Reinhard Meys drittes Album war sein bis dato bestes. Hier pendelt sich auf ausgewogene Weise der Themenkreis ein, der Meys Alben über Jahre hinaus (bis er Vater wurde) bestimmen sollte: Selbstironisch-Satirisches in Meys brillantem Wortwitz (Die Western-Drehbuch-Parodie "Die Ballade vom Pfeifer", "Trilogie auf Frau Pohl" (mit der Nennung von Hannes Wader!)), Sozialkritisches ("Vertreterbesuch", "Abgesang" sowie der starke Titelsong, der sich mit der Fremdarbeiterproblematik beschäftigt), Liebeslieder ("Du meine Freundin", "Das Lied von der Spieluhr", "Noch einmal hab' ich gelernt", "In meinem Garten") und Lieder über Vergänglichkeit und Tod, zu denen sich, wie so oft bei Mey, Lobgesang auf den Alkohol gesellt ("Komm gieß mein Glas noch einmal ein", "Wirklich schon wieder ein Jahr", "Grüß dich, Gestern").
Die Arrangements auf dieser Platte finde ich (anders als auf den Vorgängeralben) sparsamer und überwiegend gelungen; lediglich die "Rosy-Singers" verderben die beiden Songs "Wirklich schon wieder ein Jahr" und "Grüß dich, Gestern", indem sie ihre Akkorde quer und viel zu laut übers Arrangement schmieren. So was kam damals eben auch vor; hier muss man eindeutig ein Auge (bzw. Ohr) zudrücken.
Das Coverfoto fand ich lange Zeit etwas angestaubt und gestellt (typisch Endsechziger eben); es hat für mich aber über die Jahre eher gewonnen. Da Mey bei seinen Konzerten immer auch alte Songs spielt, hätte ich es witzig gefunden, wenn er z.B. bei seiner Klaar Kiming-Tournee den "Vertreterbesuch" ins Programm genommen hätte; sang er doch bereits 1970: "Schreiben Sie in Ihr Notizbuch für das Jahr 2003: Nicht vergessen zu besuchen, wegen Globus zu Herrn Mey!" Dafür spielte er dann "Komm gieß mein Glas noch einmal ein" auf jüngeren Konzerten.
Schade nur, dass im Booklet nur die erste Strophe von "Komm gieß mein Glas noch einmal ein" abgedruckt wurde. Schade auch, dass - wie bei den meisten anderen Mey-CDs - immer noch die '87er CD-Version aufgelegt wird und ein erneutes Mastering auf sich warten lässt (das dann bei der 4-CD-Box "Über den Wolken" erfolgreich praktiziert wurde). Alles in allem aber ein starkes Album, das als erfolgreiche Vorübung zu der darauf folgenden Klassiker-Trilogie mit "Ich bin aus jenem Holze", "Mein Achtel Lorbeerblatt" und "Wie vor Jahr und Tag" gelten darf.